
Die ganze Nacht gearbeitet. Und am Morgen: nichts. Kein Fisch, kein Ergebnis, nur nasse Netze und müde Arme.
Wer sich gerade durch Bewerbungen kämpft, kennt diese Szene vermutlich ziemlich gut. Im Artikel von heute Nachmittag ging es darum, was Zukunftsangst mit einem Kopf macht, wenn Einstiegsstellen knapp werden. Sagen wir mal so: Die Frage dahinter reicht weiter als jeder Lebenslauf. Sie lautet: Was, wenn all der Einsatz am Ende nichts bringt?
Zurück ins alte Boot
Das Johannesevangelium erzählt in Kapitel 21 von genau so einer Nacht. Die engsten Freunde Jesu sind nach den dramatischen Ereignissen in Jerusalem nach Galiläa zurückgekehrt. Ihr gemeinsamer Weg schien beendet, die Zukunft war offen. Was macht man in so einer Lage? Man greift zu dem, was man kann. Simon Petrus sagt: „Ich gehe fischen.“ Die anderen kommen mit.
Man könnte das durchaus als Rückzug lesen: zurück zum alten Beruf, zurück zur Sicherheit. Und dann das Ergebnis: Sie fangen nichts.
Ein Fremder am Ufer
Im Morgengrauen steht jemand am Strand und ruft ihnen zu, ob sie etwas zu essen hätten (Johannes 21,5). Die Antwort fällt knapp aus: Nein. Der Fremde schlägt vor, das Netz noch einmal auf der anderen Seite auszuwerfen. Plötzlich ist es so voll, dass sie es kaum ziehen können. Da erkennt einer von ihnen: Es ist Jesus.
Das Bemerkenswerte kommt danach. Am Ufer brennt bereits ein Kohlenfeuer, darauf Fisch und Brot. Jesus sagt schlicht: „Kommt und frühstückt“ (Johannes 21,12). Keine Abrechnung, kein Vortrag über verpasste Chancen. Gerade Petrus hatte Jesus kurz zuvor am Kohlenfeuer im Hof des Hohenpriesters verleugnet (Johannes 18,18). Dass hier wieder ein Kohlenfeuer brennt, ist wohl kein Zufall: Gott deckt den Tisch für jemanden, der gescheitert ist.
Was das mit heute zu tun haben könnte
Die Geschichte verspricht keinen Jobgarantie-Stempel. Sie zeigt etwas anderes: einen Gott, der in Jesus nahbar und auf Augenhöhe ist, am Ufer wartet und zuerst fragt, ob Hunger da ist. Nicht: „Warum hast du nichts geleistet?“ Wer sich gerade wie ein Mensch mit leeren Netzen fühlt, könnte darin zumindest eine Frage sehen: Wäre es denkbar, dass der eigene Wert nicht vom Fang abhängt?
Das ersetzt weder Bewerbungen noch faire Bedingungen für Berufseinsteiger. Und bei dauerhafter Belastung gehört Hilfe dazu, etwa die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Aber es kann ein Anfang sein, die Angst nicht mehr allein auszuhalten.
Zum Ausprobieren, ganz freiwillig
- Johannes 21,1–14 einmal in Ruhe lesen und sich fragen, welche Figur sich gerade am meisten nach einem selbst anfühlt.
- Fünf Minuten Stille am Morgen und ein ehrlicher Satz in eigenen Worten, so ungeschönt wie die Antwort „Nein“ am Strand.
- Mit einem vertrauten Menschen über die Sorgen sprechen, am besten bei einem gemeinsamen Frühstück.
Vielleicht beginnt Neues manchmal nicht mit dem nächsten Wurf, sondern mit einem Feuer am Ufer. Wer mag, kann so beten: „Gott, ich bin müde und weiß nicht weiter. Wenn du da bist, zeig es mir, in kleinen Schritten.“



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