Trumps größter Deal: Gehen

Trump DAX Rekord: leerer Sessel vor offener Tür und steigende Börsenkurve

Man muss Donald Trump eines lassen: Er hält seine Versprechungen – wenn auch ganz anders, als seine treuesten Fans dachten. Jahrelang tönte er, unter seiner Regie würden die Märkte durch die Decke gehen. Jetzt, direkt nach der Abreibung bei den US-Zwischenwahlen, tut die Finanzwelt genau das: Der DAX bricht alle Rekorde und klettert über 26.600 Punkte. Die weltweiten Börsen feiern ausgelassen, und das ausgerechnet, weil der ewige Selbstdarsteller die politische Macht verliert. Wer hätte gedacht, dass Trumps genialster wirtschaftlicher Schachzug darin besteht, endlich die Tür von außen zuzumachen?

Das Wunder der Abwesenheit

Am Frankfurter Parkett und an der Wall Street knallen die Korken. Wo sonst morgens gezittert wurde, welche erratischen Strafzölle oder Wutanfälle über Nacht verkündet werden, genügt plötzlich eine demokratische Mehrheit, um die Kurse in den Himmel zu schießen. Psychologisch betrachtet erleben wir eine klassische kollektive Erleichterungsrallye: Sobald ein permanenter Stressfaktor wegfällt, schüttet das Hirn Glückshormone aus. Anleger kaufen Aktien nicht, weil plötzlich Milch und Honig fließen, sondern schlicht aus der tiefen Erleichterung heraus, dass der Elefant langsam den Porzellanladen verlässt. Berechenbarkeit schlägt Poltern – jedes Mal.

Krieg, Öl und kalter Zynismus

Dahinter verbirgt sich freilich eine bittere ethische Realität. Die Märkte jubeln vor allem, weil ein Ende des US-Kriegs gegen den Iran näher rückt – und damit fallende Ölpreise. Menschliches Leid, zerstörte Existenzen und weltpolitische Krisen werden im Sekundentakt auf bloße Gewinnmargen und Cent-Beträge heruntergerechnet. Während die 40 größten Konzerne des Landes historische Höchststände feiern, bleibt für den Rest der Gesellschaft nur der staunende Blick auf die eigene Monatsabrechnung: Vom Rekord-Dax lässt sich weder die rasant steigende Miete zahlen noch der Einkauf an der Kasse leichter stemmen. Ein Börsenboom, der sich komplett im Depot weniger abspielt, zeigt einmal mehr die krasse Kluft zwischen Finanzkapital und Lebenswirklichkeit.

Wenn die Götzen wanken

Hier greift ein uraltes Dilemma menschlicher Selbstüberschätzung. Der Theologe Reinhold Niebuhr beschrieb eindrücklich die politische Hybris von Führungsfiguren, die ihre eigene Macht mit der Vorsehung verwechseln und glauben, das Wohl einer ganzen Gesellschaft hinge an ihrem Ego. Doch das System straft den Mythos vom unersetzlichen Retter lügen: Es braucht keine autoritären Erlöser, um Stabilität zu schaffen – im Gegenteil. Sobald der selbsternannte Heilsbringer an Boden verliert, kann die Welt wieder aufatmen. Trump hat am Ende tatsächlich bewiesen, wie man die Wirtschaft ankurbelt: Manchmal besteht der größte Dienst am Markt schlicht darin, abzutreten.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, Reuters (5. November 2026)


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