
Gott,
ich stehe an der Haltestelle, und die Welt ist weg. Keine Straße, kein Gegenüber, kaum noch die Laterne. Nur Grau und mein eigener Atem, der sichtbar wird.
So fühlt sich gerade vieles an. Eine Antwort, die noch aussteht. Ein Gespräch, vor dem ich mich drücke. Ein Wort, das ich noch nicht gesagt habe. Ich sehe nicht weiter als bis zur nächsten Ecke.
Nur der nächste Schritt
Du hast nie versprochen, mir alles auf einmal zu zeigen. Du bist eher wie diese Laterne: kein Scheinwerfer bis zum Horizont, aber genug Licht für den nächsten Schritt. Und dann für den danach. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte“ (Psalm 119,105) – nicht: meines Weges Flutlicht.
Was ich dir hinhalte
Meine Unsicherheit, ohne sie hübsch zu machen.
Meine Müdigkeit.
Die Angst, den Anschluss zu verpassen.
Und dann sehe ich es doch: Das Grau wird heller. Irgendwo hinter dem Nebel geht die Sonne auf, auch wenn ich sie nicht sehe. Der Tag kommt, auch wenn ich ihn noch nicht erkenne.
Worum ich dich bitte
Lass mich nicht stehen bleiben, nur weil die Sicht schlecht ist. Gib mir Mut zum ersten Schritt. Schenk mir ein Lächeln für den Menschen, der neben mir wartet, denn auch sein Weg ist vielleicht neblig.
Und halte dein Licht über allen, die im dichtesten Nebel leben: in Angst, in Krieg, in Kyjiv und überall, wo Menschen nicht wissen, ob der Morgen sicher ist. Sei ihnen Laterne, wenn sonst nichts leuchtet.
Da vorn: zwei Lichter, die näher kommen. Mehr brauche ich gerade nicht. Ich steige ein. Ich vertraue dir.
Amen, und los.



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