
Gott, ich fang gar nicht erst höflich an.
Ich bin sauer. Auf dich, auf die Welt, auf manches, das du zulässt und ich nicht verstehe.
Auf Nachrichten, die ich nicht mehr aushalte.
Auf Gerechtigkeit, die zu spät kommt oder gar nicht.
Auf Menschen, die lauter sind als die Wahrheit.
Auf mich selbst, weil ich trotzdem weitermache, als wäre alles normal.
Ich könnte jetzt so tun, als wäre alles gut. Aber du kennst mich. Du hältst es aus, wenn ich laut werde.
Andere vor mir haben das auch gewagt. „Wie lange noch?“, haben sie gefragt (Psalm 13,2). Mitten im Gebet. Ohne Filter. Und sie sind trotzdem geblieben.
Also bleibe ich auch.
Nicht, weil ich alles verstanden habe.
Sondern weil meine Wut ein Zeichen ist: Es liegt mir etwas an dieser Welt. Es liegt mir etwas an den Menschen. Daran, dass Frieden möglich ist, in Kyjiv und in meinem eigenen Treppenhaus.
Mach aus meiner Wut kein Gift.
Mach daraus Kraft für einen Anruf, ein klares Wort, eine helfende Hand.
Gib mir Mut, laut zu sein für die, die keine Stimme haben, und leise genug, um zuzuhören.
Und falls du gerade ganz nah bei mir stehst, während ich schimpfe: Danke fürs Dableiben.
Die Sonne ist übrigens trotzdem aufgegangen. Frech, was? Der Tag ist da, und du bist es auch.
Ich atme aus. Ich vertraue dir. Noch nicht auf alles, aber auf dich.
So sei es. Amen.



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