Gott: Unberechenbar – zu Jesaja 55,6-9 & Matthäus 20,1-16a

Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.

Der Prophet Jesaja gibt uns heute als Spruch Gottes die Worte mit: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege.“ (Jes 55,8)

Das darf uns ein Hinweis darauf sein, dass unsere Erkenntnisfähigkeit der göttlichen Wirklichkeit doch immer sehr begrenzt ist und dass wir eine gesunde Skepsis Menschen gegenüber einnehmen sollten, die von sich behaupten, den Willen Gottes voll und ganz zu kennen.

Und doch wollen wir uns dieser unbegreiflichen, dieser all unsere Vorstellungen überschreitenden Wirklichkeit nähern und suchen Berührungspunkte, Erfahrungen der Nähe und Begegnung mit diesem Urgrund allen Seins.

Dazu ein paar Sonntagsgedanken.

Hier Zusammenfassung der Predigt aus dem Video Gott: Unberechenbar – zu Jesaja 55,6-9 & Matthäus 20,1-16a:

Wenn Pläne sich ändern

  • [00:08] Die Predigt beginnt mit der humorvollen Redewendung: „Wie bringst du Gott zum Lachen? Du erzählst ihm von deinen Plänen.“ Oft hat man einen sorgfältig überlegten Plan, betet, deutet Zeichen als Gottes Willen – und plötzlich nimmt das Leben unerwartet eine scharfe Kurve.
  • [01:24] Aus eigener Erfahrung berichtet Dekan Walter Jungbauer, dass solche ungeplanten Lebenswege zwar zunächst den Plänen widersprechen, rückblickend aber oft neue Horizonte eröffnen und davor bewahren, sich in einer eigenen Blase einzugrenzen.

Das menschliche Buchhalter-Denken und Gottes Wirklichkeit

  • [02:14] Bezugnehmend auf das Buch Jesaja („Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“) wird betont, dass diese Aussage eine echte Zumutung des Glaubens darstellt. Menschen neigen dazu, Gott nach einem Ursache-Wirkungs-Prinzip verstehen zu wollen: „Wenn ich Gutes tue oder fleißig bete, muss Gott mich belohnen.“
  • [03:28] In unserer Leistungsgesellschaft wird ständig abgerechnet, gemessen und verglichen. Dieses rechnerische Denken schleicht sich leicht in das Verhältnis zu Gott ein, sodass Menschen mit Gott hadern, wenn das Leben anders verläuft als erhofft.

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

  • [04:27] An dieser Stelle knüpft das Gleichnis Jesu aus dem Matthäusevangelium an: Arbeiter, die den ganzen Tag in der Hitze geschwitzt haben, erhalten am Abend denselben Lohn wie diejenigen, die erst in der letzten Stunde dazukamen.
  • [05:00] Menschlich gesehen regt sich sofort der Protest gegen Ungerechtigkeit, weil Leistung und Gegenleistung nicht zusammenpassen. Man neigt dazu, Gott wie einen Arbeitgeber zu behandeln, dem man gute Taten und Gebete vorrechnet.
  • [06:36] Der Weinbergbesitzer fragt jedoch: „Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Gottes Gerechtigkeit folgt nicht menschlicher Buchhaltung – ihr wahrer Name ist Barmherzigkeit.
  • [07:38] Der eine Denar war genau der existenzsichernde Tageslohn, um eine Familie für einen Tag zu ernähren. Indem auch die Schwächeren oder Zuspätgekommenen diesen Lohn erhalten, schenkt der Gutsherr ihnen dieselbe Lebenschance. Gottes Wesen zeichnet sich durch überfließende Großzügigkeit aus, über die sich gläubige Menschen freuen sollten.

Stille statt Verhandeln

  • [09:11] Da Gott sich menschlichen Maßstäben entzieht, verwundert es nicht, dass Denker wie Søren Kierkegaard die Erfahrung machten: Je tiefer das Gebet wird, desto weniger Worte braucht man – bis hin zur völligen Stille.
  • [10:05] Echtes Gebet ist kein Aushandeln mit Gott, sondern ein Hören, Dasein und Loslassen. In diesem Schweigen begegnet Gott dem Menschen oft gerade auf Wegen, die man niemals selbst vermutet hätte. 

Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos Freiheit frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Urlaub usa verantwortung Vertrauen video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen