
Vor 50 Jahren starb Joseph Teusch, von 1952 bis 1969 Generalvikar des Erzbischofs von Köln. Als solcher half er dabei, die großen Hilfswerke „Misereor“ und „Adveniat“ ins Leben zu rufen. Zuvor war er als Domvikar Leiter der „Abwehrstelle gegen die nationalsozialistische antichristliche Propaganda“.
Joseph Teusch ist wohl das, was man einen „Kölsche Jong“ nennt. 1902 in der Millionenstadt am Rhein geboren, im Kölner Priesterseminar ausgebildet, anschließend in seinem Erzbistum tätig und, am 20. September 1976, auch in Köln gestorben. Das Bemerkenswerte und Erinnerungswürdige an seiner klerikalen Karriere in Köln ist nicht nur seine Zeit als Generalvikar (immerhin 17 Jahre lang, von 1952 bis 1969, hatte er das Amt inne), sondern auch die Zeit des Umbruchs von der Weimarer Republik zur NS-Diktatur, also die beginnenden 1930er Jahre.
Teusch war ganz kurz mal außerhalb von Köln unterwegs – er war für seine Promotion nach Rom gegangen –, als die NS-Propaganda immer lauter wurde. Sie richtete sich auch gegen die Kirche und das als „verjudet“ angesehene Christentum. Als Teusch aus Rom zurückkehrte, befand sich Deutschland schon in der Hand des NS. Im Erzbistum Köln hatte Karl Joseph Kardinal Schulte die „Abwehrstelle gegen die nationalsozialistische antichristliche Propaganda“ gegründet, deren Leitung Teusch 1934 übernahm. Heute würde man wohl von einem katholischen „Think Tank“ sprechen, der sich vor allem gegen die Schriften des NS-Vordenkers Alfred Rosenberg richtete, der darin die Kirche scharf angegriffen hatte.
Joseph Teusch gab als Chef der katholischen Kölner Denkfabrik einige Schriften zur Widerlegung der Weltanschauung des Nationalsozialismus heraus, die eine weite Verbreitung fanden, über die konfessionellen Grenzen hinaus. Am bekanntesten sind heute die 1934 erschienenen „Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts“ und die „Katechismuswahrheiten“ (1936). Es lohnt sich, diese Schriften heute mal wieder zu lesen. Aus Gründen.
Von 1944 bis 1952 war Teusch Direktor des Collegium Leoninum im benachbarten Bonn, ehe ihn der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings zu seinem Generalvikar machte. Als solcher initiierte Teusch die Partnerschaft der Erzdiözesen von Köln und Tokio, eine Bistumspartnerschaft, die bis heute gepflegt wird.
Angeregt durch ergreifende Berichte von der Arbeit Mutter Teresas in Kalkutta, erarbeitete Teusch das Konzept für ein kircheneigenes Hilfswerk, das Kardinal Frings als DKB-Vorsitzender 1958 in Fulda unter dem Titel „Gegen Hunger und Krankheit in der Welt“ vorstellte. Die Deutschen Bischöfe nahmen den Vorschlag zur Gründung eines Hilfswerks an und gaben diesem den Namen „Misereor“.
Auch das 1961 gegründete Lateinamerika-Hilfswerk der Katholischen Kirche in Deutschland, die Bischöfliche Aktion „Adveniat“, geht auf eine gemeinsame Initiative von Teusch und Frings zurück. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils war Teusch Frings‘ wichtigster Berater. Als Frings Amtszeit als Erzbischof von Köln 1969 endet, hört auch Teusch als sein Generalvikar auf.
Heute ist eine Straße nach ihm benannt. In Köln – wo sonst.
Josef Bordat



Kommentar verfassen