Gottes Gegenwärtigkeit – Gedanken zum Pfingstfest

Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.

Gott ist gegenwärtig mitten unter uns. Davon will uns das Pfingstfest erzählen.

Ein paar Sonntagsgedanken vor dem Hintergrund von Jeremia 29,11 und Apostelgeschichte 2,1-11

[00:00:06] Vorletzte Woche war ich im Rahmen meiner Tätigkeit für die Öffentlichkeitsarbeit unseres Bistums beim Katholikentag in Würzburg vor Ort. In den Straßen fiel mir dabei eine Person ganz besonders auf, die unentwegt durch die Innenstadt und über die dortige Kirchenmeile lief.

[00:00:28] Bestimmt viermal oder fünfmal am Tag kam er an unserem Infostand vorbei. Er war allerdings auch kaum zu übersehen: Bekleidet mit einer schwarzen Pseudosutane, die rote Knopflöchern aufwies, einem breiten roten Gürtel und einer Stola, bewegte er sich lächelnd durch die vielen Besucher an den Ständen. Ohne seinen an einen Piraten-Dreispitz erinnernden Hut hätte man ihn wegen dieses Aufzugs beinahe für einen echten Kardinal halten können.

[00:01:20] Doch die Schilder, die er an langen Stangen mit sich trug, sprachen eine deutliche Sprache gegen ein geistliches Amt. Auf den Plakaten standen Aufschriften wie „Die Kirchen saugen euch aus“, „Religion schadet der Demokratie“, „Glaube ist nur etwas für Dummköpfe“ oder „Gott ist bloß ein menschliches Konstrukt“. Ich betrachtete die Situation mit leichtem Amüsement und ging keine Konfrontation ein. Ein solcher Austausch wäre vermutlich ohne Ergebnis geblieben und hätte ihm bloß eine Bühne geboten, seine Ansichten streitbar zu präsentieren.

[00:02:17] Vor dem Hintergrund unseres Leitgedankens, den wir im ökumenischen Arbeitskreis für den heutigen Pfingstgottesdienst festgelegt haben, lässt mich dieses Erlebnis eine zentrale Frage stellen: Gelingt es uns als gläubigen Menschen überhaupt noch, eine von Zuversicht geprägte Perspektive auf die Zukunft zu vermitteln? Im Buch Jeremia verspricht Gott den Menschen: „Ich will euch Zukunft und Hoffnung schenken.“ Dieser Text führt uns zurück in das sechste Jahrhundert vor Christus, als Israel von Babylon besiegt, Jerusalem eingenommen und der Tempel zerstört worden war. Die Führungsschicht befand sich im Exil, die Heimat war verloren und die Zukunft schien komplett zerstört, sodass viele zweifelten, ob Gott sie vergessen habe.

[00:03:35] Mitten in dieser Verzweiflung betont Gott durch den Propheten: Ich bin da. Er erklärt, dass seine Gegenwart weder an ein bestimmtes Bauwerk noch an den Tempel gebunden ist. Er bleibt bei den Menschen aktiv, weswegen ihr Weg nicht in der Finsternis enden wird. Genau diesen Gedanken greifen wir an Pfingsten auf. Wir gedenken der Gegenwärtigkeit Gottes, die in der biblischen Apostelgeschichte durch Wind und Flammenzungen dargestellt wird, welche auf die betende Gemeinschaft in einem Jerusalemer Haus herabkamen.

[00:04:37] Dieser göttlichen Nähe dürfen wir uns auch in der Gegenwart sicher sein, ganz ohne sichtbare Feuererscheinungen. Es ist eine innere Gewissheit, die als stärkende Kraft und schützender Halt spürbar wird. Wer diese Erfahrung auf seinem Weg einmal tief verinnerlicht hat, den lässt sie trotz aller Lebensbrüche nicht mehr los. Daraus schöpfen wir den Mut, Zuversicht auszustrahlen und darauf zu vertrauen, dass wir uns im Gebet und in der Stille fest mit Gott verbinden können.

[00:05:40] Die Überlieferung erinnert uns daran, dass Gott uns zwar nicht immer sofort aus jeder Notlage befreit, uns aber auf allen Wegen begleitet, um uns eine hoffnungsvolle Zukunft zu schenken – an jedem einzelnen Tag unseres Lebens. Wenn Ihnen diese Impulse geholfen haben, freue ich mich über eine positive Bewertung und ein Abonnement unseres Kanals der Alt-Katholischen Kirche Hamburg. Auf ein Wiedersehen beim nächsten Mal!


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