
Ein kurzer Einwurf zu Pfingsten.
Kürzlich hatte ich eine Diskussion mit einem Atheisten, in der es neben grundlegenden (religions-)philosophischen Fragen (Schöpfung versus bzw. und Evolution; Theodizee, Freiheit und Gnade etc.) recht bald auch um die Kirche ging. Ihre „Doppelmoral“, ihr „Frauenbild“ – ihr „Formalismus“.
Der Vorwurf: Wenn Gott denn existiert und so mächtig ist, dass er die Welt erschaffen hat und sie als tragender Grund erhält, wenn er so gut ist, dass er selbst das Leid auf sich nimmt, wenn er eine solch moralische Größe hat, seine Gnade von unserer freien Zustimmung abhängig zu machen, wozu dann noch die Kirche mit ihren „engstirnigen“, „unbarmherzigen“ und „einengenden“ Regeln?
Hängt denn der Zuspruch Gottes im Segen für den Menschen denn von einer Armbewegung des Priesters ab? Braucht denn Gott die Form des Brotes, um heute in der Welt zu sein? Geschieht Versöhnung nur, wenn ein Priester sich zuvor all meine Sünden angehört hat? Was also soll all das, was die Kirche da seit Jahrhunderten veranstaltet?
Die Fragen verweisen im Grunde auf die Bedeutung von Sakramenten. Sakramentalität beansprucht die Kirche für Zeichenhandlungen, mit denen sie glaubt, das Mandat Jesu umzusetzen: Bindet und löst. Im Auftrag Jesu – nicht aus Gründen der Selbstinszenierung – spendet die Kirche Sakramente, heilige Zeichen.
Muss das sein? Nein, es muss nicht sein. Der Segen Gottes ist auch ohne Armbewegung des Priester da, die Gegenwart Gottes beschränkt sich nicht auf das eucharistische Brot und Gottes Barmherzigkeit wirkt nicht nur im Beichtstuhl. Das würde auch kein Katholik behaupten.
Aber mit diesen Zeichen wird das vergegenwärtigt, was wir als katholische Christen glauben: Dass Gott sich auch heute der Welt zuwendet, im Segen, in der Eucharistie, in der Vergebung. Und für diese Vergegenwärtigung braucht es Priester, die Jesu Auftrag ausführen, uns Menschen den Zuspruch Gottes in all seinen Gestalten vor Augen zu führen und zu Gehör zu bringen. Dabei hilft eine feste Form, helfen als solche erkennbare Rituale, die Signalwirkung haben, die uns immer wieder neu deutlich machen, dass es diesen Zuspruch Gottes gibt.
Gott bedient sich der Kirche nicht, um den Menschen nah zu sein – die Nähe ist Gott auch ohne Kirche möglich. Gott bedient sich der Kirche, um den Menschen zu zeigen, dass er ihnen nah ist. Die Kirche ist ein einziges Zeichen Gottes. Darin liegt ihre Aufgabe: Zeichen zu sein.
Josef Bordat



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