Ist Rassismus wie eine Welle?

Kürzlich unterhielt ich mich mit jemandem, der meinte, die Metapher der Welle soll man doch nicht für Rassismus verwenden.

Denn Rassismus sei keine Naturgegebenheit wie eine Welle, sondern etwas, was Menschen machen.

Insofern ja, auf den ersten Blick muss ich ihm recht geben. Auf den zweiten Blick ist die Sache aber nicht so eindeutig.

Es gibt ja beispielsweise auch die Welle der Empörung. Hier ist es ja nicht eine Welle, die sich empört, sondern es sind Menschen. Diese Metapher ist durchaus verständlich.

Wenn man also den Begriff der Welle auf den Rassismus anwenden möchte, müsste man vielleicht noch etwas weiter ausholen:

Rassismus ist wie eine oder mehrere Wellen in einem Meer aus Menschen.

4 Gedanken zu “Ist Rassismus wie eine Welle?

  1. Wäre Rassismus auch nur annähernd mit einer Welle vergleichbar, würde das bedeuten, dass er auch irgendwann wieder abebbt, wie Wellen das nun mal so tun. Über Ursprünge und Grundzüge des Rassismus kann sich jeder leicht informieren, darüber brauche ich keine weiteren Worte verlieren. Rassismus ist ein tiefsitzendes Übel unserer menschlichen Gesellschaft, das leider weder abebbt, noch irgendwann einfach verschwindet. Rassismus zurückzudrängen, dazu bedarf es eines unermüdlichen Einsatzes und eines langen Atems. Schade übrigens, dass nur sehr wenig Christen bereit sind darüber nachzudenken, inwieweit biblische Überlieferungen Rassismus nicht sogar massiv bestärkt haben, wähnten doch schon die Israeliten sich von Gott beauftragt, andere Völker auszurotten. Das ist ein Erbe, das wir Christen als Auftrag und Verpflichtung verstehen sollten, gegen Rassismus laut und entschieden vorzugehen.

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  2. Okay, die Metapher der Welle hat sicherlich ihre Grenzen. Dennoch kann man sie vielleicht so sehen, dass das Wasser, selbst wenn die Oberfläche völlig glatt zu sein scheint, unter der Oberfläche immer das Potenzial hat, schnell wieder zu einer Welle heran zu wachsen. Insofern ist auch in dieser Metapher der Rassismus immer latent vorhanden, auch, wenn er vordergründig, siehe glatte Wasseroberfläche, erst einmal zurückgedrängt zu sein scheint.
    Ja, da haben Sie bestimmt recht, dass zumindest intolerante Tendenzen besonders im Alten Testament, möglicherweise auch im neuen Testament, nachzuweisen sind. Letztlich werden diese aber, zumindest wenn man die christliche Theologie mit Jesus als Mitte der Schrift entwickelt, durch die Gottesliebe, Nächstenliebe, Feindesliebe und Selbstannahme ausgehebelt und für ungültig erklärt.

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  3. Eines meiner Probleme und das seit Jahrzehnten. Ich bin in einer fundamentalischen Gemeinde aufgewachsen. Aushebeln und für ungültig erklären, war ein no go. In einer sehr gläubigen Familie und mit einem solchen Gemeindehintergrund aufzuwachsen, kann Segen und schwere Hypothek zugleich sein.

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  4. Ich komme aus einer baptistischen Familie, allerdings waren wir nie zu tief drin. Ich tue mich relativ leicht damit, eine gewisse Distanz zu gewissen Bibelstellen herzustellen. Es hilft, sich an der Mitte der Schrift, an Jesus, zu orientieren. Mit seiner Ethik kann man problematische Bibelstellen aus seiner vermuteten Sicht interpretieren. Und diese Sicht ist eigentlich immer im Sinne der Nächstenliebe.

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