
Ausgangslage
Der Autor Nils Markwardt stellt in der ZEIT fest, dass ein echter Frieden mit Wladimir Putin ausgeschlossen ist. Für den Kreml existiert offiziell kein Krieg, sondern nur eine „Spezialoperation“. Dieser Begriff ist keine bloße Wortklauberei, sondern ein Instrument der Unterwerfung und markiert den Kern von Putins Herrschaft: Krieg als Dauerzustand. Seit 25 Jahren führt Putin kontinuierlich Kriege, um seine Macht zu sichern und den „kollektiven Westen“ zu bekämpfen. Sein größter Albtraum ist eine demokratische und erfolgreiche Ukraine, da diese den russischen Bürgern zeigen würde, dass es Alternativen zur Autokratie gibt. Daher ist sein Ziel, die Ukraine zu einem „failed state“ zu machen und auf diese Weise zu zerstören. Ein Waffenstillstand wäre für ihn nur eine Atempause, keine prinzipielle Abkehr von seinen Zielen.
Strategische Erkenntnisse für Deutschland und Europa
Aus dieser Analyse müssen Deutschland und Europa Lehren ziehen, die in Kyjiw, Warschau oder im Baltikum schon lange zum bitteren Allgemeinwissen gehören. Die wichtigste Erkenntnis ist: Sicherheit gibt es nur durch Stärke, nicht durch Verträge allein.
- Verhandlungen sind für Putin nur Taktik: Wir müssen verstehen, dass Moskau Diplomatie oft nur als Mittel zur Täuschung nutzt. Während wir im Westen einen Waffenstillstand als Ende der Gewalt sehen, betrachtet Putin ihn als Gelegenheit zum Aufrüsten. Die Hoffnung, Putin durch Zugeständnisse zu besänftigen, ist eine gefährliche Illusion.
- Wirtschaft ist eine Waffe: Die Vorstellung, durch Handel (Wandel durch Handel) Sicherheit zu schaffen, ist gescheitert. Energielieferungen sind für Russland keine Wirtschaftsbeziehung, sondern ein politisches Druckmittel. Wer sich hier abhängig macht, macht sich erpressbar.
- Die Ukraine ist Europas Schutzschild: Die Investition in die ukrainische Armee ist keine bloße Hilfeleistung, sondern reiner Selbstschutz. Die Kampferfahrung und die Drohnentechnologie der Ukrainer sind militärische Trümpfe, die wir dringend brauchen. Wenn die Ukraine fällt oder dauerhaft geschwächt wird, rückt die russische Bedrohung direkt an die NATO-Grenze.
Szenario: Wenn der Westen den „Schuss nicht hört“
Sollten Deutschland und Europa diese Realität ignorieren und zur Tagesordnung übergehen, droht ein düsteres Zukunftsbild. In diesem Szenario setzen sich Stimmen wie die von Michael Kretschmer (CDU), dem BSW oder der AfD durch, die für eine schnelle Rückkehr zu russischem Gas und einer „Normalisierung“ werben.
Das Ergebnis wäre fatal:
Durch erneute Gas-Milliarden aus Deutschland füllt Putin seine Kriegskassen wieder auf. Gleichzeitig nutzt er die hybride Kriegsführung – also Desinformation, Cyberangriffe und Propaganda –, um die westlichen Gesellschaften weiter zu spalten. Er würde alles daransetzen, dass Politiker, die die reale Gefahr benennen, als „Kriegstreiber“ diffamiert und abgewählt werden.
Europa stünde am Ende militärisch blank und politisch zerstritten da. Sobald Putin seine Armee regeneriert hat, würde er den nächsten Angriff starten – vielleicht auf Moldau oder das Baltikum. Dann aber hätte der Westen seinen wichtigsten Verbündeten, eine wehrhafte Ukraine, bereits im Stich gelassen und geschwächt. Wir würden feststellen, dass der kurzzeitige „billige Frieden“ uns langfristig unsere Freiheit kostet.
Was jetzt zu tun ist
Anstatt von einer Rückkehr zu alten Geschäftsbeziehungen zu träumen, muss Deutschland massiv in die eigene Verteidigung und die Stärkung der ukrainischen Armee investieren. Das ist das einzige Gegenmittel, das Putin respektiert. Wer jetzt spart oder zögert, zahlt später einen ungleich höheren Preis.
Quelle: „Der Kern des Putinismus heißt Krieg“ von Nils Markwardt, ZEIT Online, 25. November 2025.



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