Der Montag: Ein Konstruktionsfehler im Kalender

Auf den ersten Blick könnte man meinen, alle Wochentage seien Brüder im Geiste. Sie bestehen aus 24 Stunden, werden von Kaffee und Terminen zusammengehalten und enden irgendwann. Doch das ist eine gefährliche Vereinfachung.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Tag selbst, sondern in seiner architektonischen Platzierung. Der Montag ist, um es klar zu sagen, ein fundamentaler Konstruktionsfehler. Er ist so gebaut, dass an seinem Ende nicht die wohlverdiente Ruhe, sondern das brutale Anhängsel einer kompletten, fünftägigen Arbeitswoche hängt.

Vergleichen wir ihn mit seinem eleganten Gegenstück, dem Freitag. Der Freitag ist ein Meisterwerk der wöchentlichen Ergonomie. Seine gesamte Struktur ist darauf ausgelegt, den Menschen sanft in den Hafen des Wochenendes zu geleiten. Er ist die sanft auslaufende Ausfahrt von der Autobahn der Verpflichtungen. Jeder Anruf, jede E-Mail am Freitagnachmittag hat bereits den sanften Unterton von „Das kann auch bis nächste Woche warten“.

Der Montag hingegen ist die steile, ungesicherte Einfahrt auf genau diese Autobahn, und zwar direkt auf die linke Spur. Er trägt das gesamte Gewicht der kommenden Tage auf seinen Schultern. Der erste Kaffee am Montagmorgen ist kein Genussmittel, sondern reiner Treibstoff für eine Maschine, die widerwillig anspringt. Das Öffnen des E-Mail-Postfachs gleicht dem Öffnen eines Fluttores.

Der psychologische Rucksack, den man am Montag aufsetzt, ist prall gefüllt mit Aufgaben, Meetings und der dumpfen Ahnung, dass das Wochenende eine ferne, fast mythische Erinnerung ist. Während der Freitag von einer Aura der Hoffnung und Leichtigkeit umgeben ist, wird der Montag von der bleiernen Schwerkraft der Realität beherrscht.

Es ist also kein Wunder, dass der Montagmorgen sich anders anfühlt. Er ist nicht baugleich mit anderen Tagen. Er ist der unbeliebte, aber statisch notwendige Grundpfeiler der Woche, auf dem alles lastet. Also heben wir unsere Kaffeetassen – nicht aus Freude, sondern aus stoischer Notwendigkeit. Der Koloss muss ja irgendwie ins Rollen gebracht werden.


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos Freiheit frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Nächstenliebe Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Urlaub usa verantwortung Vertrauen video Weihnachten Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

Schreibe einen Kommentar