Austritt | Jobo72’s Weblog

In den letzten 20 Jahren – ein Zeitraum, den wir wohl alle gut überschauen können – sind etwa 5,4 Millionen Deutsche aus der evangelischen oder der katholischen Kirche ausgetreten. Das sind mehr Menschen als heute in Deutschland regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besuchen (3,7 Millionen). Es drängt sich eine Frage auf: Warum ist das so?

Warum Menschen aus der Kirche austreten, hat ganz verschiedene…

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Kommentare

4 Kommentare zu „Austritt | Jobo72’s Weblog“

  1. Avatar von Ministrantenherz
    Ministrantenherz

    Aber: “Der Pfarrer stellt Regeln auf, die mir nicht passen!” – Tja.

    Das ist doch auch anderswo gang und gäbe.

    Die deutsche Legislative hat zum Schwangerschaftsabbruch Nachweise über erfolgte Beratung zur Bedingung gemacht. Die Bedingung hat der katholischen Kirche nicht gefallen – weg war sie.

    Die Regierung der DDR hat Regeln aufgestellt, die dem Volk nicht gefallen haben und die sie nicht veränden konnten, die Folgen sind bekannt.

    In Irland hat der Souverän die Ehe für gleichgeschlechtlich Liebende geöffnet, die katholische Kirche wird keine Trauungen mehr vornehmen, die auch nach säkularem Recht gültig sind. Das hat Bismarck bei uns schon vor ein paar Donnerstagen durchgesetzt.

    Warum also ihr Unverständnis über einen Austritt aus einer Organisation, deren Regeln man nicht akzeptieren kann? Und wenn es nur das Verbot von Erinnerungsfotos an ein Taufritual ist.

  2. Ich denke, dass ein „Fotografierverbot“ nicht der eigentliche Austrittsgrund ist. Aber allein, dass so etwas als Grund genannt wird, zeigt mir, in welchem Zustand das kirchliche Leben sich in Deutschland befindet.

    Die Kirche (in Deutschland) verliert Mitglieder, trotz gestiegenem (zumindest nicht gesunkenem) Interesse an der Sinnfrage, an Spiritualität, an Religion, also an dem, was die Kirche als Kernkompetenz anbietet. Das ist ja der Befund: Nicht der Markt ist weg (er scheint sogar – auch hierzulande – zu wachsen; jedes zehnte Buch ist Esoterik, die Ratgeberliteratur blüht), sondern die Kirche als Anbieter auf diesem Markt verliert Anteile.

    Ich habe den Eindruck, dass zwei Dinge immer weiter auseinandergehen: die Kenntnis der Haltung der Kirche in Einzelfragen (medial oft und ausführlich betrachtet, daher allgemein „bekannt“) und die Gründe für diese Haltung (nicht bekannt, da sie in den Medien kein Thema sind). Diese Lücke werden nicht die öffentlichen Diskurse schließen können (hier steht ja das Verhältnis von „Haltung der Kirche“ und „Haltung der Mehrheitsgesellschaft“ im Vordergrund, nicht die jeweiligen Gründe, schon gar nicht die der Kirche), sondern von der Theologie und der pastoralen Praxis.

    Das ist also ein Erklär-, Sprach- und Vermittlungsproblem. Die Kirche ist in dieser Art Selbstdarstellung nicht besonders geübt. Zu lange hat sie auf Gehorsam gesetzt, seitdem das nicht mehr funktioniert (im Grunde schon seit den 1950er Jahren nicht mehr, schon vor dem Konzil, denn genau durch diesen Druck kam es ja schließlich zum Konzil), setzte sie zu schnell auf ablenkende Show-Effekte – liturgisch, pastoral, karitativ. Gleichzeitig hob die Theologie ziemlich ab, wurde „aufklärerischer“ (kritik- und zweifelssüchtiger) als jede andere Geisteswissenschaft, und konnte auch nicht wirklich zur Klärung der Fragen beitragen. Das blieb und bleibt am Pfarrer hängen, immer öfter auch an den engagierten Laien.

    Ich habe da auch keine Lösung. Immer speziellere Angebote der Kategorialseelsorge liegen dem Katholizitätsgrundsatz der Kirche quer, immer mehr Flexibilität führt dazu, dass die Kirche in der Lebensorganisation die Manövriermasse ist, immer niedrigschwelligere Angebote erreichen auch kaum jemand Neues. Ich finde Glaubenskurse für Erwachsene ganz gut, wie sie in einer Nachbargemeinde angeboten werden, die ernsthaft Glaubensfragen behandeln und dabei die Antworten der Kirche vorstellen.

    Vielleicht kann die Katholische Kirche in Deutschland auch von der Katholischen Kirche in Südkorea lernen. Die politische, soziale und wirtschaftliche Situation ist ähnlich, doch während die Katholische Kirche in Deutschland in den letzten 20 Jahren 3 Millionen Mitglieder verlor, konnte die Katholische Kirche in Südkorea in den letzten 20 Jahren 2 Millionen Mitglieder gewinnen. Warum? Vielleicht auch, weil man hier wie dort ganz andere Erwartungen an die Kirche hat. Kirche von unten – das bedeutet hierzulande oft: mehr Mitspracherecht, mehr Einfluss auf Entscheidungen, mehr Macht. Kirche von unten – das bedeutet in Südkorea: Mehr Arbeit.

    Pater Placius Berger OSB berichtete im „Münsterschwarzacher Ruf in die Zeit“ vom September 2009 über seine Erfahrungen als Missionar in Korea. Auf die Frage, ob die Koreaner einen anderen Kirchenbegriff haben als die Deutschen, antwortet der Benediktiner, der von 1965 bis 1988 in Südkorea wirkte: „Sie wissen jedenfalls, dass die kirchliche Organisation von unten her aufgebaut werden muss. […] Die Koreaner wissen: Die Pfarrei ist das, was wir aus ihr machen.“ – Und weiter: „In Deutschland denken die Menschen bei Mitwirkung in der Kirche immer noch: mitregieren. Dort heißt es: mitarbeiten. Da ist ein Unterschied.“ Wie wahr.

  3. Welche Kirche ist das? Es Peturs et super hanc petram aedific… Du bist Petrus und auf deinem Stein will ich meine Kirche gründen … Petersdom aber nicht? Oder doch?

    1. Ja,Petersdom!

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