Newsweek – Ein vierstündiges Streitgespräch. Ist Gott real oder eine Einbildung ? Ein Pastor und ein Atheist debattieren. Zum Artikel.
Teils etwas ungünstig ist dabei jedoch die Argumentation des Pastors, der sogar eine wortgetreue Auslegung des Schöpfungsberichts in der Genesis nicht
ablehnt. Tatsächlich jedoch gibt es zwei Schöpfungsvorstellungen in diesem ersten Buch Mose, einmal Gen 1-2,4 und dann 2,4 ff, also Priesterschrift und jahwistische Redaktion.
Andrerseits argumentiert der Atheist auch etwas flach, wenn seiner Meinung nach Religion schlecht für die Welt sei. Dies wurde in den 70er Jahren beispielsweise von Stoodt weiter ausdifferenziert: demnach gibt es „Religion 1“ – das ist die Religion, die Machtverhältnisse legitimiert und gleichsam politisch ist, die also instrumentalisiert wird, um den Staat oder auch andere Interessen aufrecht zu erhalten. Darunter fallen auch die römischen Götter, der römische Staat ruhte auf religiösem Fundament. Nach Stoodt geht es darum, diese „falsche“ Religion 1 zu minimieren und am besten zu beseitigen.
Es gibt nach Stoodt aber auch die sogenannte „Religion 2“: dies ist die nicht institutionalisierte Religion, die freimachende, das, was man eigentlich unter der frohen Botschaft des Evangeliums versteht. Diese Auffassung von Religion befreit den Menschen aus seinen Zwängen, sie ist für den Menschen da – nicht der Mensch für die Religion.
Am Ende des Artikels geht es noch darum, dass der Pastor etwas flapsig meint, ganz egal, wie die Realität sei: er stehe besser da, wenn er an Gott glaube. Hier wird wohl etwas mit einer Art mittelalterlichen Drohgebärde gearbeitet: glaube besser an Gott ! – denn sonst bist Du verloren.
Das ist nicht unbedingt zweckmäßig. Vielmehr scheint es doch so zu sein, dass gerade der Glaube nicht einfach willensmäßig verfügbar ist, also nicht dergestalt, dass man sagt: ich glaube jetzt. Nein, so ist es nicht. Vielmehr geht es darum, einen denkenden Glauben zu entwickeln. Das heißt, einen Glauben, der sich auch mit der Wissenschaft auseinandersetzt. Das sollte dann nicht so aussehen, dass man a priori beispielsweise die Erkenntnisse der Wissenschaft kategorisch ablehnt – wie etwa die Evolutionstheorie. Wohlgemerkt: es handelt sich dabei tatsächlich um eine Theorie. Und in letzter Instanz wird auch der Atheist kaum umhin können, nach einem Urgrund allen Seins zu fragen.
Aber es kommt auf das „wie“ an: es erscheint unwahrscheinlich, dass Gott dem Menschen – wie es in der Genesis die Vorstellung ist – gleichsam bildlich den Atem einhauchte. Wenn man dies allerdings als Metapher sieht, ist die Aussage die, dass Gott der Urgrund der Existenz ist. Diese Aussage hat auch heute Gültigkeit.



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