
Wie lange noch, Europa, willst du unsere Geduld missbrauchen? Wie lange noch soll dieser Wahnsinn andauern, dass wir den Mörder finanzieren, während wir dem Opfer Beileidsbekundungen und Waffen schicken?
Seit über dreieinhalb Jahren führt Russland einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine, einen Krieg, der an die Grundfesten unserer eigenen Sicherheit rüttelt. Wir sehen es, wir wissen es, wir verurteilen es in Sonntagsreden. Der Feind steht nicht vor den Toren, er ist in unseren Pipelines, in unseren Gasspeichern und auf den Konten seiner willfährigen Helfer. Und wir? Wir schauen zu. Schlimmer noch: Wir bezahlen ihn.
Wir erhöhen unsere Verteidigungshaushalte, um uns gegen eine Bedrohung zu wappnen, die wir mit jedem Gas- und Ölkauf selbst füttern. Das ist keine strategische Finesse, das ist pathologische Selbstsabotage. Dumm ist dafür kein Ausdruck mehr. Es ist eine Form von institutionalisierter Gedankenlosigkeit, die an Schizophrenie grenzt.
Die Fakten sind eine Anklage für sich. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres haben europäische Unternehmen mehr als elf Milliarden Euro für Öl und Gas nach Russland überwiesen. Elf Milliarden Euro. Das sind Panzer, Raketen und Soldatengräber, bezahlt von uns. Der finnische Thinktank CREA hat es vorgerechnet. Während wir über Hilfspakete für Kyjiw debattieren, fließen unsere Milliarden direkt in die Kriegskasse des Kremls. Der Plan, diese Importe bis 2027 zu stoppen? Ein schlechter Witz. Ein „viel zu langsames“ Eingeständnis des eigenen Versagens, wie es Experten treffend nennen.
Und wer sind die Hauptakteure in diesem zynischen Theater? Blicken wir auf die Verräter in unseren eigenen Reihen. Da wären an vorderster Front Ungarn und die Slowakei, die sich an russischem Öl aus der Druschba-Pipeline laben. Sie tun dies mit einer Ausnahmegenehmigung, die sie wie einen Freifahrtschein für Kollaboration nutzen. Das ungarische Unternehmen MOL, an dem die Regierung von Viktor Orbán maßgeblich beteiligt ist, macht damit prächtige Gewinne. Man kauft russisches Öl mit Rabatt und der ungarische Staat schöpft die Extraprofite mit einer Sondersteuer ab. Man verdient also direkt am Krieg mit. Die Ausrede, es gäbe keine logistische Alternative? Eine glatte Lüge. Die Adria-Pipeline über Kroatien wäre da, sie wird nur nicht konsequent genutzt. Was fehlt, ist der ist politische Wille.
Aber die Scheinheiligkeit reicht weiter, bis ins Herz der EU. Während Russland die meisten Gaspipelines selbst abgedreht hat, fließt über die TurkStream-Leitung weiterhin Gas nach Ungarn und in die Slowakei, deren Abhängigkeit von Russland seit Kriegsbeginn sogar gestiegen ist. Sie hatten Jahre Zeit, um Alternativen zu schaffen, haben es aber vorgezogen, neue Memoranden mit Gazprom zu unterzeichnen.
Und dann ist da noch das schmutzige Geschäft mit Flüssigerdgas, kurz LNG. Hier sind es nicht die üblichen Verdächtigen, sondern Frankreich und Belgien, die als Hauptimporteure russischen LNGs in Europa glänzen. Der französische Energieriese TotalEnergies ist durch langfristige Verträge an russisches Gas gebunden und die französische Regierung wehrt sich erfolgreich gegen ein Verbot. Der Gipfel des Zynismus: Das deutsche Staatsunternehmen Sefe, ehemals Gazprom Germania, das eigentlich die Abhängigkeit von Russland beenden sollte, kauft weiterhin russisches LNG, das in Frankreich oder Belgien anlandet. Man beruft sich auf Verträge und drohende Strafen. Eine bequemere Ausrede gibt es kaum.
Die Lösung wäre dabei so einfach, so klar, so zwingend: ein vollständiger EU-Bann. Nur so könnten sich Unternehmen auf „höhere Gewalt“ berufen und ihre schmutzigen Verträge auflösen. Ein solcher Schritt würde Russland unendlich härter treffen als uns. Fast die Hälfte des russischen LNG-Exports geht nach Europa, aber dieser Anteil macht bei uns nur mickrige fünf Prozent des Verbrauchs aus. Die Macht liegt bei uns.
Doch wir nutzen sie nicht. Stattdessen lassen wir uns sogar von einem Mann wie Trump vorführen, der uns zu Recht vorwirft, erst einmal unsere eigene moralische und finanzielle Verstrickung zu beenden, bevor wir andere belehren.
Wie lange also noch, Europa? Wie lange noch finanzieren wir die Kugeln, die nicht nur auf Ukrainer, sondern letztlich auf unsere eigene Freiheit und Sicherheit abgefeuert werden? Jeder Euro, der nach Moskau fließt, ist ein Verrat an den Werten, die wir zu verteidigen vorgeben. Es ist Zeit, diesen selbstzerstörerischen Pakt endlich aufzukündigen.
Quelle: Basierend auf Informationen aus dem Artikel „Energieimporte aus Russland: Diese Länder füllen Putins Kriegskasse“ von Maxim Kireev, ZEIT ONLINE, 19. September 2025.



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