Ähnlich wie die Internationale Bischofskonferenz der Alt-Katholischen Kirchen (IBK), die in einer Stellungnahme zur Rehabilitation der Lefebvre-Bischöfe durch den Vatikan „mit Betroffenheit und Unverständnis“ reagiert hat und feststellt, dass damit „deutlich ein Weg fortgesetzt [wird], der hinter die Reformen und Grunderkenntnisse des zweiten Vaticanums zurückführt“, die auch von alt-katholischer Seite begrüßt worden waren (vgl. dazu „Alt-Katholische Bischofskonferenz nimmt Stellung zur Rehabilitierung der Lefebvre-Bischöfe“), hat auch die Evangelische Kirche die Sorge geäußert, dass diese Rehabilitierung just zum 50. Jahrestag der Ankündigung des Reform-Konzils durch den damaligen Papst Johannes XXIII. (1958-1963) „leicht missverstanden werden [könne], als ob die Reform und das ökumenische Anliegen des Zweiten Vatikanums heute nicht mehr denselben Stellenwert besitzen wie damals.“
In der gleichen Erklärung ist der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber, zudem mit folgendem interessanten Gedanken an die Öffentlichkeit getreten: Angesichts der durch die Rehabilitierung der reaktionären Traditionalisten augenscheinlichen Tatsache, dass es für die Aufhebung einer Exkommunikation von Seiten der römisch-katholischen Kirche ja anscheinend nicht unbedingt notwendig ist, in voller Gemeinschaft des Glaubens mit derselben zu stehen, könnte sich „dieser Präzedenzfall [eines Tages] als ein wichtiger Impuls für das ökumenische Gespräch“ erweisen.
So verweist Weber darauf, dass die Aufhebung der Exkommunikation offensichtlich ein einseitiger Akt Roms gewesen sei, der nicht an Vorbedingungen – wie beispielsweise dem Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil – geknüpft gewesen sei. Vielmehr seien es die Lefebvre-Anhänger gewesen, die 2001 zwei Bedingungen zur Beendigung des Schismas aufgestellt hätten: Sie hätten damals das Recht jedes Priesters gefordert, die traditionelle Messe feiern zu dürfen (dieser Forderung kam der Vatikan ja im Juli 2007 dann nach – vgl. „Rom spricht Latein“) und die Rücknahme des Exkommunikationsdekretes (was jetzt geschehen ist – vgl. auch „Lefebvre zurück in Rom“).
Weber stellt die Frage: „Wenn die Einheit innerhalb der römisch-katholischen Kirche ein so hohes Gut ist und deshalb Großzügigkeit und Nachsicht bis zum äußersten gezeigt werden müssen, warum wird diese Haltung nicht auch in die andere Richtung praktiziert? … Ist die Einheit der gesamten Christenheit nicht auch ein sehr hohes Gut, das mutiger und großzügiger Maßnahmen seitens des Papstes aus dem Land der Reformation wert wäre?“
Ich würde mich freuen, wenn diese Gedanken in Rom auf fruchtbaren Boden fallen.
Die gesamte Erklärung der VELKD finden Interessierte unter: „Einseitiger Akt ohne Vorbedingungen„
Foto: LeoneL Schilling – Quelle: http://www.flickr.de



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