Lefebvre zurück in Rom

marcellefebvreMit etwas Überraschung habe ich die Nachricht vernommen, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., nunmehr die Exkommunikation von vier Bischöfen der erzkonservativen „Priesterbruderschaft Pius X.“ zurückgenommen hat. Die Priesterbruderschaft war vor rund 20 Jahren aus dem Widerstand des erzkonservativen Erzbischofs Marcel Lefebvre entstanden, der sich gegen die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils wandte.

Zwar war bereits mit der Wiederzulassung der lateinischen Messe / des tridentinischen Ritus im Gottesdienst klar, dass es unter diesem Ponitfikat in eine klar konservative Richtung gehen würde (vgl. dazu auch „Rom spricht Latein„), aber dass eher fortschrittliche Kräfte – die es in der römisch-katholischen Kirche ja auch gibt – so vor den Kopf gestoßen werden, hatte ich nicht erwartet.

Besondere Brisanz hat dieses Vorgehen noch dadurch gewonnen, dass einer der vier Bischöfe, der Brite Richard Williamson, in einem Interview mit einem schwedischen Radiosender den Holocaust geleuget hat: „Ich glaube nicht, dass sechs Millionen Juden vergast wurden. Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gab.“ – Solche Töne bin ich bislang nur aus rechtsradikalen Kreisen gewöhnt. Das sie nun bei einem rehabilitierten Bischof der römisch-katholischen Kirche zu finden sind, finde ich entsetzlich.

Quo vadis Rom?

Weitere Informationen:

Foto: LeoneL Schilling – Quelle: http://www.flickr.de


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Kommentare

17 Kommentare zu „Lefebvre zurück in Rom“

  1. Hierzu muss man bemerken, dass die (in der Tat skandalösen) Äußerungen von Richard Williamson bzgl. der angeblichen Nicht-Existenz von Gaskammern im Nazi-Deutschland nichts mit der Rücknahme der Exkommunikation zu tun hat. Der Grund für die Exkommunikation war nämlich ein ganz anderer (u.a. die nicht vollständige Anerkennung der Entscheidungen des 2. Vatikanischen Konzils)

    Die besagten Äußerungen Williamsons wurden im Übrigen erst NACH der Entscheidung zur Aufhebung der Exkommunikation bekannt. Weiterhin hat sich der Vatikan deutlich von Williamson bzgl. seinen Aussagen bzgl. des Holocausts distanziert.

    Wenn jemand zur „Umkehr“ bereit ist, dann ist es m.E. vollkommen richtig und auch geboten, eine Exkommunikation wieder aufzuheben. Weitere Details hierzu sind mir jedoch auch nicht bekannt, so dass ich die Sachlage selbst nicht genau bewerten kann. Aber in diesem Fall vertraue ich mal dem Papst, da dieser sicherlich sehr wohl weiß, wann eine Exkommunikation aufgehoben werden kann bzw. sollte.

  2. Avatar von harey

    @Stef

    Das Interview, in dem Williamson den Holocaust leugnete wurde im November aufgezeichnet und erst vor einer Woche ausgestrahlt (siehe den verlinkten Artikel der FR). Damit kann man mitnichten von Reue sprechen.

    Ich finde das Verhalten des Vatikan ungeheurlich. Wenn der Papst die Exkommunikation eines Holocaustleugners aufhebt gibt er damit das Signal dass der Vatikan diese Haltung zumindest nicht ablehnt und das ist absolut inakzeptabel. Damit stellt sich die katholische Kirche in die Nähe zu Rechtsradikalen und Antisemiten.

    Nicht dass ich vorher Achtung fuer den Papst oder die katholische Kirche gehabt hätte, aber das uebertrifft nun wirklich alles! Widerlich!

    Die konservativen Medien schweigen sich zu diesem Thema auch schön aus. Ich möchte auch nicht wissen wie viele Nazis da aus ihren rechts-konservativen „gut-buergerlichen“ Löchern gekrochen wären.

  3. @harey:
    Williamson wurde ja nie wegen seines offensichtlichen Antisemitismus von der kath. Kirche exkommuniziert, sondern weil er sich von Lefebvre im offenen Ungehorsam dem Papst gegenüber zum Bischof weihen ließ.
    Das eine hat mit dem anderen erstmal NICHTS zu tun. Ich denke, dass man erstmal nüchtern bei den Fakten bleiben sollte.
    Es wird nichtsdestotrotz von seiten der kath. Kirche noch entsprechende Maßnahmen gegen Williamson ergriffen werden. Da bin ich mir sicher (siehe auch http://www.kath.net/detail.php?id=21940)

  4. Avatar von harey

    @Stef

    Vielleicht habe ich auch ein Problem damit, dass es fuer die katholische Kirche schlimmer sein zu scheint dass jemand gegen den Willen des Papstes zum Bischof geweiht wird als dass jemand seinen Antisemitismus stolz vor sich her trägt.

    Ich finde einfach die Botschaft die dieses Vorgehen aussendet sehr bedenklich. Und selbst wenn Williamson aus anderen Gruenden exkommuniziert wurde, sollte man sich doch fragen ob man einen bekennenden Antisemiten wieder in die Kirche aufnehmen sollte.

    Und die Botschaft ist doch: „wir exkommunizieren gerne Leute die die neue Messordnung nicht mögen (!!) und ohne Erlaubnis Bischöfe weihen, aber bekennender Antisemitismus ist uns ziemlich egal“

    Und welche Massnahmen wird die katholische Kirche denn treffen?

  5. Das ist eben so eine Sache mit dem Glauben.
    Ich habe gelernt glauben heißt nicht sicher Wissen. Habe ich da etwas falsches gelernt?
    Was sagt also dieser ungläubige Bischof?
    “Ich glaube nicht, dass sechs Millionen Juden vergast wurden. Ich glaube nicht, dass es Gaskammern gab.”
    Leider kann ich zuwenig Englisch sonst würde ich gerne mal diesen Herrn aussuchen und bei einer Tasse mit ihm plaudern. Ich wäre überzeugt davon, wir würden eine angenehme Teestunde verbringen und wir würden entzückt von einander auseinander gehen.

    Der Papst ist einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Er hat einen Widerspruch in sich aufgelöst. Das eine Kirche, die sich auch noch dazu katholisch nennt überhaupt meint exkommunizieren zu können ist ein Witz in sich und der läuft alleine.

    Dadurch, dass der gute Mann da in England nicht glaubt, braucht er auch keine Konsequenzen aus diesem Glauben zu ziehen. Er gehört also in die Reihe der Ungläubigen, die zu bekehren sind.
    Ich habe eher meine Probleme mit den „Gläubigen“ und bekomme durch sie Herzschmerzen.
    @ Stef
    Du hast Recht und das ist die traurige Botschaft dieser Rücknahme der Exkommunikation, es geht um Rechte und um Macht. Noch ein Schisma wie mit den Altkatoliken nach dem 1.Vatikanum kann sich der Vatikan nicht leisten. Ordentlich geweihte Bischöfe stehen automatisch in den Nachfolge der Apostel nach römisch katholischer Auffassung. Es geht also um reine Machtpolitik und weniger um Inhalte. Sonst würden Küng und Leonardo Boff auch rehabilitiert werden. Aber bei diesen beiden Theologen geht es um die Freiheit des Glaubens und des einzelnen Menschen, was ängstliche Zwangsneurotiker zutiefst verunsichert und schnell gegensteuern muss.

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  9. […] die Anhänger des reaktionären Erzbischofs Marcel Lefebvre wieder aufgenommen hatte (vgl. “Lefebvre zurück in Rom“), haben sich diese jetzt vorgenommen, den Vatikan “wieder” auf ihre Linie zu […]

  10. […] Kirche gegen die Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe (vgl. u.a. “Lefebvre zurück in Rom“), der sich vor allem auch in einer mittlerweile von rund 15.000 Menschen unterzeichneten […]

  11. […] der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Lefebvre-Anhänger (vgl. u.a. “Lefebvre zurück in Rom“) kommt die Auseinandersetzung um die Pius-Brüder nicht mehr zur Ruhe (vgl. u.a. […]

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  14. […] Alt-Katholiken SIND NICHT Pius-Brüder Veröffentlicht 27. Juni 2009 Alt-Katholisch , Christentum , Katholisch , Katholisches Bistum der Alt-Katholiken , Kirche , Religion , Synodalität Leave a Comment Tags: Lefebvre, Pius-Brüder, Verwechslungsgefahr Heute werden in Zaitzkofen bei Regensburg wieder Priester für die erzkonservativ-traditionalistische Pius-Bruderschaft geweiht. Die Anhänger des Erzbischofs Marcel Lefebvre vertreten die Ansicht, dass die römisch-katholische Kirche eigentlich schon viel zu liberal sei und verwerfen viele Reformen, die das Zweite Vatikanische Konzil für die Römisch-Katholische Kirche gebracht hat (vgl. dazu “Lefebvrianische Traditionalisten wollen jetzt den Papst bekehren“). Im Frühjahr hatte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft aufgehoben (vgl. dazu “Lefebvre zurück in Rom“). […]

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