
Ein Angriffskrieg ist theoretisch eine unkomplizierte Sache. Man braucht lediglich ein paar willfährige Generäle, eine pompöse Militärparade und den festen Glauben daran, dass der Nachbar beim ersten Motorengeräusch freiwillig die Haustür aufschließt.
Die Grundidee ist bestürzend simpel: Man marschiert ein, setzt in Kyjiw eine eigene Marionette auf den Stuhl und ist pünktlich zum Wochenende wieder zu Hause. Drei Tage, mehr Zeit war im Kalender gar nicht reserviert.
Doch dann schlägt die Realität zu. Und mit ihr ein paar Kleinigkeiten, die auf dem Schreibtisch wohl versehentlich unter den Stapel gerutscht sind.
Die Sache mit der Logistik
In der Theorie rollen die Panzer unaufhaltsam vorwärts. In der Praxis zeigt sich, dass das Budget für die Instandhaltung dummerweise in Luxusyachten im Mittelmeer gelandet ist. Wenn die Reifen morsch sind, wird aus einer stolzen Invasion schnell ein 60 Kilometer langer Parkplatz. Das sieht auf Satellitenbildern zwar gewaltig aus, ist aber eher eine Pannenserie als eine Demonstration der Macht.
Womit man nicht gerechnet hat
Hallo, Wladimir. Hier ist die kurze Liste der Punkte, die in den Geheimdienstberichten irgendwie gefehlt haben:
- Ein Präsident, der nicht flieht, sondern trocken anmerkt, er brauche Munition statt einer Mitfahrgelegenheit.
- Einheimische Bauern, die liegengebliebenes Hightech-Militärgerät mit dem Traktor vom Feld ziehen.
- Eine Zivilbevölkerung, die keine Blumen wirft, sondern Molotow-Cocktails verteilt.
- Ein Westen, der überraschenderweise aus seiner Lethargie erwacht und anfängt, schwere Waffen zu liefern.
Mückenfreie Zone mit Flugbegleitung
Wer geglaubt hat, der anfängliche Drei-Tage-Plan sei an Absurdität nicht mehr zu übertreffen, wird in der aktuellen Realität eines Besseren belehrt. Aus dem sportlichen Ausflug ist ein zäher Dauerzustand geworden, bei dem die Frontlinien festgesteckt sind, während das eigene Hinterland eine erstaunliche Dynamik entwickelt.
In Russland gibt es zwar bis heute keine Tsetse-Fliegen, was klimatisch durchaus nachvollziehbar ist. Dumm nur, dass der Luftraum stattdessen von unzähligen ukrainischen hochexplosiven Drohnen bevölkert wird. Diese summenden Prachtexemplare sind zwar frei von Tropenkrankheiten, neigen dafür aber zu spontaner Auflösung von Infrastruktur.
Der Besuch im Hinterland
Die Lage sieht mittlerweile so aus, dass der Krieg dorthin zurückkehrt, wo er einst am Schreibtisch geordnet bestellt wurde:
- Ölraffinerien von Ulyanovsk bis Krasnodar verwandeln sich nächtlich in spektakuläre Fackeln, die den lokalen Energiebedarf auf sehr unkonventionelle Art decken.
- Die Logistikzentren vor den Toren von Moskau müssen den Betrieb einstellen, weil der Warenverkehr durch ungeplante Lieferungen aus der Luft gestört wird.
- Im Asowschen Meer stellen Schattenflotten fest, dass der maritime Handel nicht nur einträglich, sondern extrem brandgefährlich sein kann.
Das offizielle Sprachrohr im Kreml verkauft diese Vorfälle gewohnt trocken als erfolgreiche Abfangmanöver, bei denen die Drohnen von den Dächern wichtiger Treibstofflager präzise gestoppt wurden.
Das vorläufige Protokoll
Statt der einst versprochenen Parade in Kyjiw feiert man in Moskau heute die Kunst der Absicherung. Die eigenen Sicherheitskräfte sind vollauf damit beschäftigt, Siegesfeiern im kleineren Rahmen zu halten und den Flugverkehr neu zu sortieren.
Wenn man nach jahrelanger Arbeit feststellt, dass die eigene Rüstungswirtschaft zwar auf Hochtouren läuft, die Bürger aber auf brennende Lagerhallen blicken, war die strategische Kalkulation wohl doch etwas zu kurz gegriffen.
Merke:
Nicht jeder Diktator ist ein kluger Stratege.
Mancher Diktator ist einfach nur ein Diktator.



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