
Manchmal schreibt das Leben die ehrlichsten Geschichten. Gestern Nachmittag ging ein neues kreatives Reel von mir online. Teil von einem Projekt, in das ich in den letzten Wochen viel Herzblut gesteckt habe. Als ich heute auf das Display schaute, traute ich meinen Augen kaum: 40.000 Aufrufe in nicht einmal 24 Stunden! Ein absolut genialer Moment, der einen erst mal sprachlos macht und für einen ordentlichen Energieschub sorgt.
Vollgepumpt mit dieser Freude macht man dann das, was man heute eben so tut: Man teilt den Screenshot stolz in einer kleinen, seit Jahren bestehenden Messenger-Gruppe mit vier alten Kumpels. Einfach, um den Moment kurz zu teilen. Keine große Sache, dachte ich. Vielleicht ein kurzes „Krass!“ oder ein virtuelles Schulterklopfen.
Die Realität? Ein verbaler Eimer Eiswasser.
Statt einer netten Geste kam postwendend die trockene, fast schon demonstrative Abfuhr.
Sinngemäß hieß es sofort:
„Ich schaue mir nur die Cartoons an, die du bisher auch immer rumgeschickt hast.“
Und:
„bei uns hier gibt es höchstens vier Aufrufe.“
Das saß erst mal. Und es lässt einen nachdenklich zurück.
Warum uns der Erfolg anderer manchmal so schwerfällt
Im ersten Moment zieht so eine Reaktion natürlich die Laune runter. Aber wenn man einen Schritt zurücktritt und die Sache mit etwas Abstand betrachtet, wird es psychologisch richtig spannend. Dieses Verhalten ist nämlich ein Paradebeispiel für eine menschliche Dynamik, die wohl fast jeder schon mal erlebt hat.
Wenn man sich in einem vertrauten Kreis plötzlich weiterentwickelt, neue Wege geht und damit auch noch sichtbaren Erfolg hat, bringt das das gewohnte Gleichgewicht durcheinander. Manche Menschen im direkten Umfeld reagieren darauf instinktiv mit Abwehr. Sie wollen, dass alles genau so bleibt, wie es immer war.
Dahinter steckt oft eine Mischung aus Bequemlichkeit und einer unbewussten Prise Neid. Wer selbst lieber passiv bleibt und in seiner gewohnten Routine verweilt, für den ist der Tatendrang eines anderen wie ein ungewollter Spiegel. Um diesen Spiegel schnell wieder zu verhüllen, wird der Erfolg des anderen mit einem schnellen, vermeintlich lustigen Spruch kleingeredet. Man versucht, den Ausreißer wieder auf das gemeinsame, überschaubare Niveau zurückzuholen.
Was ich für mich mitnehme
Die wichtigste Erkenntnis aus diesem kleinen Chat-Dämpfer? Man sollte seinen Selbstwert und seine Freude niemals von Menschen abhängig machen, die das, was man tut, gar nicht verstehen können – oder wollen.
Die eigene kreative Reise gehört einen jedoch ganz allein. Die Energie und der Applaus kommen von den Menschen da draußen, die die eigene Arbeit wirklich schätzen.
Und manche Kumpels dürfen eben einfach in ihrer gemütlichen, unveränderten Welt bleiben. Denen schicke ich mal wieder, ganz gewohnt, einen Cartoon.
Und bezüglich dieses kurzen Reels vermute ich, dort draußen gibt es Menschen, die…
- …mögen Chihuahuas
- …oder die mögen Chihuahuas eben gerade nicht



Kommentar verfassen