*seufz*

Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.

Wir alle kennen Zeiten, in denen Sorgen, Leid oder Unsicherheit den Blick auf die Zukunft verdunkeln.

Der Brief des Apostels Paulus an die Gemeinden in Rom erzählt von genau diesen Erfahrungen.

Er verschweigt das Leid nicht, aber er stellt ihm eine große Hoffnung gegenüber: Gottes Herrlichkeit, die kommen wird. Paulus beschreibt sogar die ganze Schöpfung als sehnsüchtig wartend – auf Erneuerung, Freiheit und neues Leben.

Diese Hoffnung ist keine Flucht vor der Wirklichkeit, sondern eine Kraft, die uns hilft, inmitten der Herausforderungen des Lebens zu vertrauen.

Darum drehen sich an diesem Sonntag meine Sonntagsgedanken.

Hier eine Zusammenfassung wichtiger Gedanken dieser Andacht:

  • Die Vielseitigkeit des Seufzens: Ein Seufzer geschieht meist unwillkürlich und kann aus Freude, Erschöpfung, Genervtheit oder Trauer entstehen, da sich dadurch Emotionen Luft verschaffen [00:08].
  • Bezug zur heutigen Weltlage: Wenn der Apostel Paulus heute eine Predigt für die Gemeinden verfassen müsste, würde er angesichts der aktuellen Ereignisse vermutlich mit einem tiefen Seufzer beginnen [00:42].
  • Das Wirken der Botschaft: Es stellt sich die Frage, ob dieser Seufzer ein ungläubiges Kopfschütteln darüber wäre, dass die Botschaft Jesu Christi nach 2000 Jahren scheinbar so wenig Frucht trägt, oder ob es ein Seufzen mit einem Lächeln wäre, weil die frohe Botschaft trotz aller geschichtlichen Schrecken immer noch lebendig ist [01:04].
  • Wunsch und Wirklichkeit: Man könnte meinen, die Welt müsste nach zwei Jahrtausenden friedlich sein, ohne Kriege, mit vollen Kirchen und bewahrendem Umgang mit der Schöpfung [01:57]. Stattdessen prägen Kriege, Feindseligkeiten und die spürbare Klimakrise die Realität, während soziale Gerechtigkeit noch in weiter Ferne liegt [03:00].
  • Trost im Römerbrief: Genau in dieser unvollkommenen Realität setzt der Bibeltext an [03:45]. Das gegenwärtige Leiden wird als gering im Vergleich zu der kommenden Größe und Herrlichkeit Gottes beschrieben [04:06].
  • Das Bild der Geburtswehen: Paulus nutzt das kraftvolle Bild einer Frau in den Geburtswehen für die leidende Schöpfung [04:32]. Dies bedeutet, dass der Schmerz nicht sinnlos ist, sondern eine schmerzhafte Spannung darstellt, an deren Ende ein neues Leben und eine neue Welt entstehen [04:56].
  • Hoffnung mit leeren Händen: Die Sehnsucht nach einer heilen Welt ist nicht vergeblich, sondern Teil des Glaubens [05:27]. Christen sind Menschen, die geduldig hoffen und durch die göttliche Geistkraft bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das Kommende erhalten [05:51].
  • Menschliche Unvollkommenheit: Gläubige stehen stets im Spannungsfeld zwischen eigener Bequemlichkeit und dem inneren Antrieb Gottes [06:22]. Es ist tröstlich, dass Paulus keine Schönfärberei betreibt, sondern für Menschen mit echten Schwächen schreibt [07:09].
  • Die Kraft der Hoffnung: Das Problem ist nicht die eigene Begrenztheit, sondern wenn man das Hoffen und den Weg der Umkehr aufgibt [07:20]. Nachfolge bedeutet nicht, die Welt aus eigener Kraft retten zu müssen, sondern auf Gottes Begleitung zu vertrauen [07:39].
  • Kleine Bausteine im Alltag: Bewusste Nächstenliebe, Versöhnung, der Einsatz für die Schöpfung und fairer Konsum sind zwar keine vollständigen Weltrettungsprojekte, aber wichtige Beiträge beim Mitbauen am Reich Gottes [08:00].

Ausblick und Ermutigung

  • Gott rechnet mit den Menschen: Heutige Christen sind genau wie die Menschen im Römerbrief – seufzend, hoffend und noch auf dem Weg [08:39].
  • Verwandlung des Seufzens: Es besteht das Vertrauen darauf, dass Gott das Seufzen eines Tages in Staunen verwandeln wird, wenn seine Verheißung Wirklichkeit wird [09:03]. Bis dahin darf man hoffen, seufzen und auch mit Humor nehmen, dass Gott sich ausgerechnet fehlerhafte Menschen als Mithelfende ausgesucht hat [09:14].

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