
Marine Le Pen hat vor dem Pariser Berufungsgericht bewiesen, dass man ein Urteil wegen Veruntreuung auch als modische Herausforderung betrachten kann. Die Richter reduzierten ihre fünfjährige politische Sperre gnädig auf 15 Monate – ein Schnäppchen, da sie diese Strafe bereits abgesessen hat. Der Weg zur Präsidentschaftswahl 2027 wäre also frei, gäbe es da nicht ein elektronisches Accessoire, das so gar nicht zum Präsidentinnen-Look passen will: eine Fußfessel.
Das Gericht bestätigte nämlich drei Jahre Haft, von denen sie zwei auf Bewährung und eines mit einem Deko-Sender am Knöchel verbringen darf. Weil sich ein Blinken der Justiz-Elektronik im Präsidentschaftswahlkampf schlecht vermarkten lässt, hat Le Pen abgewinkt. Unter diesen Umständen wolle sie nicht kandidieren. Da nützte auch die kreative Strategie der Verteidigung nichts mehr, die im Prozess argumentierte, man habe die Millionen an EU-Geldern für Schein-Assistenten und Leibwächter eigentlich nur aus Versehen und ohne Unrechtsbewusstsein veruntreut. Eine Tradition, die immerhin schon von Papa Jean-Marie etabliert wurde. Neben der Fessel bleiben Le Pen auch die 100.000 Euro Geldstrafe.
Während die Grande Dame des Rassemblement National noch überlegt, wie sie ihr Dilemma im Fernsehen verkauft, steht ihr Zögling schon Gewehr bei Fuß. Der 30-jährige Jordan Bardella, ohnehin der Liebling der Umfragen, darf den Wahlkampf nun ganz ohne Radius-Einschränkung bestreiten.
Jugend forscht im rechten Lager
Für Frankreichs politische Landschaft bedeutet das den Generationenwechsel per Gerichtsbeschluss. Während sich Le Pens Gegner wie Gabriel Attal und Jean-Luc Mélenchon auf ein Duell eingestellt hatten, marschieren die Rechtspopulisten nun einfach mit jüngeren Beinen und ohne Piep-Geräusch beim Verlassen des Hauses Richtung Macht. Eine fesselnde Vorstellung.
Quelle: ZEIT



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