viral gehen

Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.

In der heute gelesenen Gleichnis-Sammlung aus dem Evangelium nach Matthäus findet sich – ganz kurz – das Gleichnis vom Sauerteig.

So kurz es auch ist, so spannend ist doch sein Inhalt, dessen Tragweite man leicht überlesen oder überhören kann.

Deswegen habe ich mich in meinen Sonntagsgedanken an diesem Sonntag einmal etwas intensiver mit dieser Gleichnis-Erzählung Jesu auseinandergesetzt.

Hier ist Zusammenfassung wichtiger Gedanken dieser Andacht:

Das Phänomen des „Viralgehens“

Wenn sich eine Information im Internet oder in den sozialen Medien explosionsartig und ohne großes Zutun der Urheber verbreitet, spricht man davon, dass sie viral geht [00:08]. Ursprünglich stammt das Wort aus der Medizin und beschreibt die rasante Ausbreitung eines Virus. Bei Beiträgen geschieht dies, wenn Menschen Inhalte mit ihren Kontakten teilen und Netzwerke oder Influencer eine regelrechte Lawine ins Rollen bringen [01:07]. Solche Nachrichten sind meist besonders spektakulär, unterhaltsam oder regen zu Diskussionen an [01:38].

Die Situation der Kirche heute

Im Vergleich dazu gelingt der christlichen Botschaft in Europa derzeit keine solche virale Verbreitung. Die Mitgliederzahlen der Kirchen sinken spürbar, und vielen Menschen scheint ohne den Glauben schlicht nichts zu fehlen [01:52]. Dabei sollte man bedenken, dass dies womöglich keine neue Entwicklung, sondern eine neue Ehrlichkeit ist [02:40]. Früher waren volle Gottesdienste oft nur eine gesellschaftliche Konvention und bürgerliche Tradition ohne echte spirituelle Tiefe [03:28].

Das Gleichnis vom Sauerteig

In diesem Zusammenhang wird das kurze Sauerteiggleichnis aus dem Matthäusevangelium herangezogen [03:51]. Darin verbirgt eine Frau Sauerteig in einer riesigen Menge von rund 39 Kilogramm Mehl [04:14]. Erstaunlicherweise wird im Text weder das Kneten noch die Zugabe von Wasser erwähnt. Das zeigt, dass die gute Nachricht vom Reich Gottes zwar viral gehen kann, dieser Prozess aber viel langsamer und unvorhersehbarer abläuft, als wir es aus den digitalen Medien kennen [04:57]. Gott greift nicht beschleunigend ein, sondern überlässt den Menschen in Freiheit die Entscheidung, ob und wie sie die Botschaft umsetzen – wenn niemand anfängt zu kneten, passiert erst einmal nichts [05:33].

Die unumkehrbare Wirkung der Botschaft

Das ungesäuerte Mehl symbolisiert die bestehende Welt, die durch die Kraft der Heilsbotschaft Jesu verändert werden kann [06:00]. Wer mit diesem „Sauerteigvirus“ infiziert ist, erlebt, dass die Botschaft den gesamten Alltag nachhaltig durchdringt. Da aus Sauerteig kein reines Mehl mehr werden kann, ist dieser Prozess unumkehrbar [06:22]. Bereits eine winzige Menge genügt, um eine große Masse zu durchwirken und gewaltige Veränderungen anzustoßen [06:54]. Selbst menschliche Zweifel werden davon erfasst, sodass der Gedanke bleibt, dass Jesus mit seiner Botschaft recht haben könnte [07:17].

Ein Ausblick voll Hoffnung

Es lässt sich beobachten, dass gerade bei vielen jungen Menschen eine neue Sehnsucht und die Suche nach tieferen Fragen und nach Gott wieder aufbrechen [07:36]. Das macht Mut, denn jede Person kann im eigenen Umfeld zu einem „Sinnfluencer“ werden und von der frohen Botschaft erzählen [08:21]. Wir alle sind der Sauerteig, der die Welt Stück für Stück durchdringen kann. Die Sache Jesu geht weiter, da er den Tod in der Auferstehung überwunden hat [09:06].


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