
Man muss ja Putin und sein Terrorregime nicht lieben. Man kann ihn auch hassen – und sein Regime ebenso. Das heißt nun aber nicht, dass man jeden Russen oder jede Russin hassen müsste. Denn wir in Deutschland haben ja gelernt, dass es nicht ratsam ist, Menschengruppen kollektiv zu hassen. Das hatte in Deutschland unter Hitler zur Shoah geführt. Wie grauenvoll und schrecklich das war und ist, wissen wir alle.
Zwischen individueller Einstellung und gesellschaftlichem Druck
Nun ist es aber nicht so, dass jeder Russe automatisch innerlich ethisch die besten westlichen Werte vertritt. Denn so scheint es ganz und gar nicht zu sein. Zumindest in Russland scheint ein hoher Prozentsatz tatsächlich den russischen Angriffskrieg prinzipiell mindestens abzunicken, wenn nicht sogar innerlich oder vielleicht sogar durch Tat und Rat zu unterstützen.
Wenn Menschen in Russland zumindest nicht zu letzterer Gruppe gehören – also jenen, die sich aktiv für diesen Terror gegenüber der Ukraine einsetzen –, sondern einfach unter der russischen Diktatur hindurchtauchen wollen und versuchen, ihr Leben zu leben, dann hat das oft tieferliegende Gründe.
Die Falle der erlernten Hilflosigkeit
Ein Grund ist zum Beispiel eine gewisse erlernte Hilflosigkeit. Was soll man auch groß machen, wenn man in einem gigantischen Flächenstaat geboren wird, der seit Jahrhunderten nichts anderes macht, als ein Land nach dem anderen zu schlucken? Wenn man selbst oder die Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern vielleicht selbst von diesem Staat geschluckt wurden, hat man vielleicht gelernt, dass man besser ruhig bleibt und nichts tut.
Allerdings haben wir auch in Deutschland unter Hitler gemerkt, dass Nichtstun zumindest moralisch dazu beiträgt, dass man auf die Täterseite geschoben und dort verortet wird. Insofern ist Nichtstun aufgrund einer erlernten Hilflosigkeit in gewisser Hinsicht zwar nachvollziehbar, ethisch und moralisch tolerierbar ist es aber eigentlich nicht.
Loyalität und das Risiko plötzlicher Fensterstürze
Wie sieht es nun aber mit Putin und seiner Entourage aus? Das sind Menschen, die Putin deswegen die Stange halten, weil er finanziell für sie sorgt. Nun ja, das machen sie wohl so lange, wie er dazu finanziell imstande ist. Hört das auf, könnte es sein, dass der Diktator im Kreml irgendwann einmal spontan ein bisschen Novitschok an seiner Teetasse kleben hat oder aus einem Balkon fällt. Sowas soll ja vorkommen in Russland.
Die Wirkung wirtschaftlicher Daumenschrauben
Insofern, so dramatisch die Lage aktuell auch ist, so schrecklich und brutal die russischen Angriffe gegen die Ukraine sind – diese Angriffe eines Terrorregimes, welches das eigene Land zugrunde gerichtet hat und durch diesen Angriffskrieg immer mehr zerstört –, so wird eine Zeit kommen, in der wahrscheinlich entweder metaphorisch oder real irgendeiner im Kreml aus dem Fenster fällt.
Damit das geschieht und geschehen kann, sind auf jeden Fall die westlichen Sanktionen weiterhin wichtig. Denn sie entziehen Putin und seinem Regime das, was sie am Leben erhält: das Geld.



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