Es stellt sich folgende Frage

Die sprachliche Unmöglichkeit

​Genau genommen muss ich jetzt aber einhaken und sagen: Eine Frage kann sich überhaupt nicht selbst stellen, obgleich wir derlei Formulierungen oft zu benutzen pflegen. Es ist also vielmehr eine Frage, von der ich vorgebe, sie würde sich selbst stellen – wenngleich wir, wie ja schon abgehandelt, hierbei unakademisch vorgehen, wenn wir so tun und auf diese Vorgabe hereinfallen, als könne die Frage sich tatsächlich selbst stellen.

​Vorbereitung auf die Konfrontation

​Aber gut, wenn wir das jetzt erst einmal erörtert haben, können wir mit der Sache natürlich viel zielgerichteter umgehen. Und ich muss Ihnen sagen – halten Sie sich fest – denn es stellen sich jetzt gleich zwei Fragen. Sie wissen schon: Nicht die Fragen stellen sich selbst, und so weiter, das haben wir ja gerade besprochen.

​Also, die erste Frage, die sich vermeintlich selbst stellt, ist jene, die nun auch Sie betrifft. Ich hoffe, Sie sind derlei vorbereitet, dass Sie damit umgehen können, wenn sich eine sich selbst stellende Frage nun direkt und persönlich an Sie wendet. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, lehnen Sie sich zurück und atmen Sie tief durch.

​Eine Frage der inneren Ruhe

​Wenn Sie in dieser Art und Weise innerlich zur Ruhe gekommen sind, eine Stille gefunden und eine entspannte Position eingenommen haben, können Sie bei dieser Gelegenheit gleich noch Ihren Blutdruck messen. Sollten Sie nun bereit sein für diese Frage, möchte ich sie Ihnen auch nicht länger vorenthalten. Es wäre ja auch vermessen, Sie dermaßen auf die Folter zu spannen und Ihnen am Schluss diese Frage einfach zu verwehren.

​Doch auch an dieser Stelle muss ich vor meiner metaphorisch blumigen Sprache warnen, nicht dass Sie glauben, Sie würden hier nun tatsächlich auf die Folter gespannt. Seit dem Mittelalter wird so etwas glücklicherweise, zumindest in Deutschland, nicht mehr praktiziert.

​Die meteorologische Offenbarung

​Wenn Sie sich nun also metaphorisch auf der Folter fühlen, den Blutdruck gemessen haben und innerlich in einem ausgeglichenen Gemütszustand angekommen sind, kommt nun diese Frage, von der ich vorgebe, sie würde sich selber stellen – wobei wir beide ja wissen, wie die Sache wirklich liegt.

​Die Frage stellt sich nun also an Sie: Wie ist eigentlich das Wetter bei Ihnen heute? Und die andere Frage, die in gleicher Weise an eine solche Frage Anschluss zu nehmen pflegt und sich mit einer ziemlich hohen Wahrscheinlichkeit dann sogleich auch selbst stellt, ist die folgende: Und was gedenken Sie bei so einem Wetter zu machen?


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