
Sex sells…und Sie haben geklickt. Wie peinlich. Aber wo Sie nun schon hier sind, können Sie auch weiterlesen.
Ein Buchstabe, der ausgetauscht wird. Aus der „Birne“ wird eine „Dirne“. Dadurch entsteht eine absurde Situation.
Doch wenn das Lachen verklungen ist und wir das Bild genauer betrachten, bleibt ein bitterer Nachgeschmack. Denn der Kontrast könnte härter kaum sein.
Die süße Verführung…
Wir alle kennen die „Birne Helene“ (Poire belle Hélène). Ein Klassiker der gehobenen Dessertkarte. Pochierte Birnen, süßes Vanilleeis, übergossen mit heißer Schokolade. Der Name verspricht Genuss, Eleganz und ein kleines Stückchen Luxus auf dem Teller. Es ist eine süße Verführung, die man sich gerne gönnt.
…und die bittere Realität
Und dann ist da die Frau auf dem Bild, die dieser Kalauer zur „Dirne Helene“ macht. Der Zeichner schont sie nicht. Sie hat nichts von der Eleganz des Desserts.
Sie sieht, wie man umgangssprachlich sagt, „ziemlich fertig“ aus. Ihr Körper hängt, das Gesicht ist hart geworden, die Zigarette im Mundwinkel wirkt wie ein letzter Halt. Sie ist heruntergekommen, verbraucht von einem Leben, das keine süße Nachspeise ist, sondern harte Kost.
Das Bild zeigt das Gegenteil von Glamour. Es zeigt die ungeschminkte, abgenutzte Realität des Geschäfts mit dem Körper, wenn die Jugend vorbei ist.
Konsumgut Mensch?
Der zynische Witz des Bildes liegt darin, dass beide – das Dessert und die Frau – auf eine gewisse Weise Konsumgüter sind.
Die „Birne Helene“ wird bestellt, genossen und ist danach verschwunden. Die Frau auf dem Bild wird ebenfalls für einen kurzen Moment „konsumiert“. Doch während das Dessert gefeiert wird, wird der Mensch am Rand der Gesellschaft oft verachtet, besonders wenn er nicht mehr dem gängigen Schönheitsideal entspricht.
Der Name „Helene“ stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet „die Strahlende“ oder „die Leuchtende“. Bei dieser Helene auf dem Bild ist das Strahlen längst erloschen.
Ein Blick hinter die Fassade
Was hat das auf einem theologischen und ethischen Blog zu suchen? Sehr viel. Denn der Glaube fordert uns immer wieder auf, hinter die glänzenden Fassaden zu schauen.
Wir leben in einer Welt, die den schönen Schein liebt – die „Birne Helene“. Aber die Realität vieler Menschen sieht eher aus wie die „Dirne Helene“. Abgenutzt, müde, am Ende.
Jesus hat sich nie von Äußerlichkeiten täuschen lassen. Er sah nicht die „Dirne“, das Etikett oder den verbrauchten Körper. Er sah den Menschen darunter. Er sah die zerbrochene Würde und bot Heilung an.
Dieses Bild ist eine unbequeme Erinnerung daran, dass Menschen keine Desserts sind, die man konsumiert und vergisst. Auch wenn das Leben sie hart gezeichnet hat, steckt hinter der „heruntergekommenen“ Fassade eine Seele, die ursprünglich einmal zum „Strahlen“ gedacht war.



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