Äpfel, Dirnen und der schiefe Vergleich

Sex sells…und Sie haben geklickt. Wie peinlich. Aber wo Sie nun schon hier sind, können Sie auch weiterlesen.

Auf den ersten Blick ist es nur ein Wortwitz. Man tauscht einen Buchstaben, und aus der bekannten Redewendung „Äpfel mit Birnen vergleichen“ wird eine Szene am Straßenrand. Man schmunzelt kurz über den Kalauer. Aber schaut man ein zweites Mal hin, bleibt einem das Lachen fast im Hals stecken.

​Mehr als nur ein Witz

​Das Bild zeigt uns zwei Welten, die direkt nebeneinander an derselben kalten Mauer lehnen.

Links sehen wir den Versuch, mit „ehrlicher“ Arbeit zu überleben. Der Mann ist kein Bettler, er ist ein Händler. Er bietet Bio-Äpfel an – etwas Gesundes, Natürliches. Trotzdem sieht er abgerissen und müde aus. Seine Ware scheint niemand zu wollen.

​Rechts steht das käufliche Vergnügen. Die Frauen bieten ihre Körper an. Das Geschäft mit der Lust dominiert das Bild, es ist bunt und laut, während der Apfelverkäufer fast im Grau der Hauswand verschwindet.

​Die gemeinsame Not

​Der Spruch unter dem Bild lautet: „Man kann doch nicht Äpfel mit Dirnen vergleichen.“ Das soll uns sagen: Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Aber ist das wirklich so?

​Wenn man die moralische Brille absetzt, sieht man hier vor allem eines: Überlebenswillen. Beide Parteien stehen am Rand der Gesellschaft. Beide versuchen irgendwie, über die Runden zu kommen. Der eine verkauft Früchte, die anderen sich selbst.

​In unserer Gesellschaft ziehen wir schnell Grenzen. Das eine finden wir lobenswert (auch wenn wir die Äpfel vielleicht nicht kaufen), über das andere rümpfen wir die Nase. Wir bewerten Menschen danach, was sie tun und wie sie ihr Geld verdienen.

​Ein Blick in die Bibel

​Gerade der Begriff „Dirne“ ist ein sehr biblisches Wort, das man oft in der Luther-Übersetzung findet. Und es erinnert an eine der härtesten und provokantesten Aussagen im Neuen Testament.

​Jesus hat sich damals nicht zu den Saubermännern und Moralaposteln gesetzt. Er war bei denen, die unten durch waren. Bei den Zöllnern und Prostituierten. Er hat die religiösen Führer seiner Zeit geschockt, als er sagte:

„Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen kommen eher in das Reich Gottes als ihr.“ (Matthäus 21,31)

​Das ist ein Satz, der sitzt. Warum hat er das gesagt? Weil diese Menschen sich nichts vormachten. Sie wussten, dass ihr Leben brüchig ist. Sie wussten, dass sie auf Hilfe angewiesen sind.

​Was wirklich zählt

​Vielleicht zeigt uns der Cartoon gar nicht so sehr den Unterschied zwischen Äpfeln und Dirnen, sondern die Ähnlichkeit ihrer Not.

​In den Augen Jesu zählt nicht das Etikett, das wir tragen, oder der Job, den wir machen. Es zählt das Herz. Er sieht den Menschen hinter den Bio-Äpfeln und den Menschen hinter der Schminke. Er verurteilt nicht den Überlebenskampf, sondern er bietet Würde an.

​Wenn wir das nächste Mal schnell urteilen wollen – über den, der auf der Straße lebt, oder die, die ihren Körper verkauft – sollten wir an dieses Bild denken. Man kann Äpfel vielleicht nicht mit Dirnen vergleichen. Aber vor Gott sind alle Menschen gleich wertvoll und gleich bedürftig nach Gnade.


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