Krieg und Frieden

Stellen Sie sich vor, seit Generationen wohnen Sie in einem Haus, und es ist Ihr eigenes Haus.

Ähnliches beim Nachbarn, auch er wohnt schon seit Generationen in seinem Haus und es ist sein Haus.

Plötzlich fängt der Nachbar an, mit Steinen nach Ihnen und Ihrem Haus zu werfen, außerdem hat er noch Pfeil und Bogen und schießt gezielt auf Ihr Haustier, alle Leute, die in Ihrem Haus wohnen und auf Ihre Gäste. Er behauptet abstruse Dinge über Sie: Sie seien ein Nazi, was Sie nicht sind, Sie seien irgendwie vom Teufel, was Sie auch nicht sind, Sie seien von den falschen Leuten unterstützt, was nur aus Sicht Ihres Nachbars so sein dürfte, deswegen müsse er Sie befreien, aber mit Gewalt. Sie selber wollen nicht befreit werden, es geht Ihnen wunderbar, oder sagen wir so, es würde Ihnen wunderbar gehen, wenn der böse Nachbar Sie in Frieden lassen würde.

Wie würden Sie reagieren?

Ihr Nachbar hätte Ihnen bereits viel Putz von den Wänden zerstört, Teile der Wände komplett durchschlagen, dort sind nun Löcher drin und die Kälte des Winters ist zu spüren, mehrere Teile Ihres Daches, mehrere Fenster eingeschlagen. Ein paar Ihrer Mitbewohner sind durch seine Pfeile bereits umgekommen und viele Fensterscheiben sind zerstört. Der Nachbar hat Ihnen zudem den Strom abgedreht, indem er die Stromkabel zerschnitten hat, des weiteren den Anschluss zur Fernwärme und das Wasser. Aber der Beschuss durch ihn hört nicht auf.

Klar, Sie würden sich darauf beschränken, seine Steine nach Möglichkeit aufzufangen, damit sie keinen Schaden anrichten können, zudem seine Pfeile abzufangen, indem Sie mit einem hölzernen Schild versuchen, diese Pfeile abzulenken, so dass sie auch möglichst keinen allzu großen Schaden mehr anrichten können. Denn Sie wollen Ihren Nachbarn ja nicht provozieren, er hat nämlich noch einen Flammenwerfer.

Ihre Freunde unterstützen Sie und liefern Ihnen Lebensmittel, Wasser, warme Anziehsachen, damit isie durch den Winter kommen. Und sie liefern Ihnen immer wieder neue Holzschilde, damit Sie sich auch gut gegen die Geschosse des Nachbarn wehren können. Sie sagen, sie stünden ganz fest hinter Ihnen, sie würden unbegrenzt weiterhin Holzschilder liefern und Essen und Trinken.

Sie schätzen deren Engagement und greifen zum Holzschild, denn nun hat Ihr Nachbar leider noch weitere Familienmitglieder mit seinen Pfeilen erwischt.

Im Grunde hätte Ihr Nachbar einfach gerne Ihr Haus, Ihre Frau, ihre Kinder. Und dann auch noch Ihr Bargeld, ihr Erspartes, Ihr Auto. Sie bräuchten ihm diese Menschen und Dinge nur zu überlassen, schon würde er aufhören mit seiner Aggression. Vielleicht. Möglicherweise. Wobei, so sicher wäre das nicht, wo es doch schon einmal geklappt hat, denn Ihr Nachbar hat ja auf den anderen Seiten auch noch zwei weitere Nachbarn. Auch deren Häuser und Frauen und Kinder und so weiter sind für ihn attraktiv. Für ihn läuft es gut.

Deswegen greifen Sie also weiter zu Ihrem Holzschild und hoffen, seinen Attacken weiterhin standhalten zu können und dass nicht noch weitere Mitbewohner aus Ihrem Haus durch seine Pfeile sterben. Ihre Freunde bewundern Ihren Mut und sind froh, dass Sie sich diesem Nachbarn in den Weg stellen, denn sie wohnen auch recht nahe. Gut, dass jemand wie Sie diesen Nachbarn ausbremst, sonst könnten Ihre Freunde demnächst nämlich nämlich auch nicht mehr ruhig in ihren eigenen Häusern schlafen.

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