Eine Wand mit einem Menetekel?

Der Begriff Menetekel bezeichnet eine unheilvolle Mitteilung.

Ein solches Menetekel tritt in dem alttestamentlichen prophetischen Buch Daniel auf, wo eine Hand plötzlich aus dem Nichts erscheint und etwas Unverständliches an die Wand schreibt. Belsazar, der König von Babylon, erschrickt zutiefst und holt Daniel, einen gebildeten Juden herbei. Dieser übersetzt ihm die Botschaft. Sie lautet in etwa, dass nun das Ende des diktatorischen Königs eingeläutet ist. In der Nacht noch wird er von seinen Dienern ermordet.

Das Bild hier zeigt glücklicherweise kein Menetekel, sondern nur ein bisschen Wandfarbe. Nicht von Geisterhand dorthin geschmiert, sondern ganz konventionell von Menschenhand.

Das Buch Daniel ist übrigens nicht nur prophetisch, sondern zutiefst politisch. Es wird zur apokalyptischen Literatur der Bibel gerechnet, die nur vordergründig theologisch erscheint, hintergründig aber politische Machtverhältnisse in Frage stellt. So stellt es auch hier die Macht des babylonischen Königs Belsazar, des Sohnes von Nebukadnezar, der Jerusalem im 6. Jahrhundert vor Christus erobert und von dort die Oberschicht nach Babylon verschleppt hatte, infrage.

Das Buch Daniel entstand im zweiten Jahrhundert vor Christus und thematisiert, teils wohl in fiktiver und literarischer Darstellung, die Geschehnisse im babylonischen Exil. Es soll für die Zeit der Abfassung, also das zweite Jahrhundert vor Christus, eine erbauliche und theologische Hilfestellung für diejenigen Juden sein, die von den Seleukiden massiv unter Druck gesetzt werden und helinisiert werden sollen.

Der tiefere Inhalt des Buches lautet also, dass man seinem Glauben die Treue halten solle, weil es nur einen Gott gibt, den Gott, der sich im Alten Testament zeigt nämlich. Kein Herrscher dieser Welt kann diese Position einnehmen. Kein altbabylonischer Belsazar, der für Vielgötterei steht, und die hellenistischen Seleukiden aus demselben Grund schon gleich gar nicht.


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