Lange Zeit schien alles klar zu sein. Das Thema Flüchtlinge sei ein Thema derjenigen Länder, in denen sie ankommen, die Flüchtlinge. Also derjenigen Länder, die an irgendein Meer angrenzen.
Italien fühlte sich jahrelang ziemlich alleingelassen mit seinem Flüchtlingsproblem, das störte in Deutschland aber kaum einen. Bis sich die Lage auf einmal änderte und man selbst in großem Umfang Flüchtlinge aufnahm, als Deutschland im Jahr 2015 nämlich sein freundliches Gesicht zeigte. Es war so freundlich, dass knapp eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kam.
In der Folge erfuhren die rechtsextremen Stimmen in Deutschland große Zuwächse, sodass schnell klar wurde, man kann innenpolitisch das Thema Flüchtlinge nur begrenzt verkraften. Denn was bringt es, wenn die Demokratie zu wackeln beginnt, weil der Rechtsextremismus zunimmt? Klar, dem Rechtsextremismus ist eigentlich jedes Mittel recht. Sind es nicht die Flüchtlinge, dann sind es die Ausländer. Und sind es nicht die Ausländer, dann sind es irgendwelche religiösen Minderheiten.
Deshalb, ja, natürlich muss man sich weiterhin um die flüchtenden Menschen kümmern, die ja nicht zum Spaß ihre Heimat und ihr Hab und Gut und ihre sozialen Kontakte zurücklassen. Menschen also, die nicht zum Spaß alles verloren haben, was ihnen wert und teuer war.
Die meisten Deutschen haben oder hatten noch Großeltern, die selber Flüchtlinge waren, in dem von Deutschland selbstverschuldeten und begonnenen zweiten Weltkrieg. Damals waren sie Flüchtlinge, heute sind wir keine. Heute sind wieder andere Menschen Flüchtlinge. Und morgen sind es vielleicht wieder wir.
Es ist doch erstaunlich, wie schnell man im Leben einmal auf der anderen Seite steht und ein und dieselbe Begebenheit aus einer anderen Perspektive sehen muss. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir über das Thema Flüchtlinge reden. Heute sie, morgen vielleicht wieder wir.



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