Tertium comparations. What ??

Der gemeinsame Nenner

Stell dir vor, jemand sagt zu dir: „Du bist ein echter Schatz.“ Er meint damit natürlich nicht, dass du aus Goldmünzen bestehst und in einer morschen Holzkiste unter der Erde liegst. Er möchte dir sagen, dass du unglaublich wertvoll bist. Genau diese gemeinsame Eigenschaft von dir und der Kiste voller Gold nennt man in der Sprachwissenschaft das tertium comparationis – den „dritten Teil des Vergleichs“.

Es ist die unsichtbare Brücke, die zwei völlig unterschiedliche Dinge miteinander verbindet. Ohne dieses Dritte im Bunde würden unsere sprachlichen Bilder gar keinen Sinn ergeben. Das Konzept ist überhaupt nicht schwierig, sondern eigentlich ziemlich logisch. Lass uns das an ein paar echten Klassikern anschauen.

Die Bildsprache der Bibel

In alten Texten wird extrem viel mit kräftigen Bildern gearbeitet. Die Gleichnisse Jesu sind voll davon. Hier sind zwei sehr anschauliche Beispiele:

1. Das Salz der Erde „Ihr seid das Salz der Erde.“ (Matthäus 5,13) Wenn wir heute an Salz denken, haben wir Pommes oder Nudelwasser im Kopf. Aber in der Antike war Salz vor allem eines: das wichtigste Mittel zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Es hat vor dem Verderben geschützt. Das tertium comparationis hier ist also die erhaltende, positive und würzende Wirkung. Es bedeutet nicht, dass die Menschen aus Natriumchlorid bestehen, sondern dass sie einen wichtigen, lebensrettenden Einfluss auf ihre Umgebung haben sollen.

2. Der Dieb in der Nacht „Der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht.“ (1. Thessalonicher 5,2) Dieses Bild wirkt auf den ersten Blick vielleicht seltsam. Gott wird mit einem Einbrecher verglichen? Natürlich nicht. Ein Dieb klaut und richtet massiven Schaden an. Diese Eigenschaften spielen hier überhaupt keine Rolle. Das tertium comparationis ist hier einzig und allein die absolute Überraschung. Ein Dieb kündigt sich nicht vorher mit einem Termin an, er steht plötzlich vor der Tür, wenn niemand damit rechnet. Genau diese Unerwartetheit ist die Brücke zwischen den beiden Seiten.

Vergleiche in unserem Alltag

Wir nutzen dieses Stilmittel heute ständig, meistens völlig unbewusst. Hier sind drei moderne Beispiele aus unserem Leben:

1. Mein Akku ist komplett leer Wenn du nach einem harten Tag aufs Sofa fällst und sagst: „Mein Akku ist leer“, bist du offensichtlich kein Smartphone mit einer Lithium-Ionen-Batterie. Das tertium comparationis ist die fehlende Energie. Genau wie das Handy musst du dich erst wieder ausruhen und aufladen, um am nächsten Tag wieder zu funktionieren.

2. Der Dozent ist eine Schlaftablette Jeder kennt diese eine Person, die mit extrem monotoner Stimme jeden Raum betäubt. Diese Person ist keine kleine weiße Pille aus der Apotheke. Das tertium comparationis ist schlicht die einschläfernde Wirkung. Beide Dinge – die Pille und die Stimme – machen uns unglaublich müde und schwerfällig.

3. Die Miete frisst mein Konto auf Am Ende des Monats bleibt bei vielen von uns oft wenig übrig. Wenn wir sagen, die ständigen Kosten „fressen uns auf“, stellen wir uns kein haariges Monster vor, das an unserem Bein knabbert. Das tertium comparationis ist das stetige, fast bedrohliche Verschwinden unserer Ressourcen. Das Geld wird unaufhaltsam und gierig verschlungen.

Auf den Punkt gebracht

Das tertium comparationis ist der wahre Kern jedes guten Vergleichs. Es ist der Grund, warum wir uns in unserer Sprache so kreativ und lebendig ausdrücken können, ohne uns in langweiligen Beschreibungen zu verlieren. Wer den gemeinsamen Nenner erkennt, versteht sofort, worum es wirklich geht.


Entdecke mehr von god.fish

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

1 Arbeit Architektur Bayern Berlin Beziehung Beziehungen Bibel Bilder blau Blumen Christen Christentum Corona Coronavirus demokratie Details Deutschland Donald Trump EKD Essay Essen Ethik EU Europa Evangelisch Farben Flüchtlinge Fotografie Fotos frieden funny.casa Gedanken Gedichte gelb Gemeinde Geschichte Gesellschaft Gesundheit Glaube Gott grün Herbst Highlight Hoffnung Humor Impressionen italien Jesus Jesus.casa Katholisch kinder Kirche Klimaerwärmung krankheit Krieg Kultur Kunst Leben Lebenshilfe Liebe Medien menschen Menschenrechte Musik Musikgeschichte münchen München inside Nachgedacht Nato Natur neu Olaf Scholz Ostern Pandemie philosophie photography Politik Psychologie Putin Religion Russland Satire Sprache sunshine.casa Theologie Tod Toleranz Ukraine Universum Urlaub usa verantwortung video Weihnachten winter Wirtschaft yellow.casa Zivilcourage Zukunft


Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von god.fish

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen