
Die nackten Zahlen der Jahre 2020 bis 2024 erzählen eine Geschichte von Vertrauen, das tödlich endet. Ein Blick auf die Statistik zeigt deutlich: Das eigene Zuhause ist für viele Menschen, besonders für Frauen, oft der gefährlichste Ort. In diesem Zeitraum von fünf Jahren wurden hunderte Menschen von Personen getötet, die sie liebten oder einst geliebt hatten.
Die erdrückende Last der Frauen
Die Analyse der Daten offenbart eine riesige Ungleichheit. In den letzten fünf Jahren waren konstant weit über 80 Prozent der Todesopfer bei Partnerschaftsgewalt weiblich. Im Durchschnitt starben jährlich etwa 134 Frauen durch die Hand ihres (Ex-)Partners. Das bedeutet: Mehr als jeden dritten Tag stirbt eine Frau.
Diese Verteilung ist bedrückend, weil sie ein tiefes Problem in unserer Gesellschaft aufzeigt. Es geht hier oft nicht um eine spontane Tat im Streit, sondern um den tödlichen Endpunkt einer langen Geschichte von Besitzdenken und Kontrolle. Der Begriff „Femizid“ beschreibt genau das: Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind und der Täter über ihr Leben bestimmen will. Das Risiko für Frauen, in einer Beziehung getötet zu werden, ist also unverhältnismäßig höher.
Auch Männer sind Opfer
Es wäre jedoch falsch, die männlichen Opfer zu ignorieren. Gewalt in Beziehungen ist keine Einbahnstraße, auch wenn die tödlichen Folgen ungleich verteilt sind. Die Zahlen belegen, dass auch Männer von ihren Partnerinnen getötet werden – im Jahr 2024 waren es 24 Männer, im Jahr 2020 sogar 30.
Jeder dieser Fälle ist eine Tragödie. Auch hier spielen Eifersucht oder psychische Ausnahmesituationen eine Rolle. Dass Männer seltener Opfer tödlicher Gewalt werden, macht den Tod des Einzelnen nicht weniger schlimm. Es zeigt lediglich, dass die körperliche Überlegenheit und die Gewaltbereitschaft meist zu Ungunsten der Frauen ausfallen. Aber: Auch Männer brauchen Schutz, wenn sie in gewalttätigen Beziehungen feststecken.
Gewalt kennt keine Rechtfertigung
Das Ziel muss sein, jede Form von Gewalt zu verhindern. Ein Tötungsdelikt ist immer das schlimmste Scheitern von Menschlichkeit. Es ist erschreckend, dass die Zahlen trotz aller Aufklärung über Jahre hinweg auf einem konstant hohen Niveau bleiben.
Wir müssen verstehen, dass Gewalt oft leise beginnt – mit bösen Worten, mit Kontrolle, mit dem ersten Schubsen. Man muss vorher ansetzen, bevor es eskaliert. Niemand hat das Recht, über das Leben eines anderen zu verfügen. Die hohe Zahl der weiblichen Opfer mahnt uns jedoch, dort besonders genau hinzuschauen, wo alte Rollenbilder in tödliche Gewalt umschlagen.
Ein Weg aus der Gewalt
Die Analyse von 2020 bis 2024 ist ein Warnruf. Die Statistik belegt eindeutig: Wir haben ein massives Problem mit Gewalt gegen Frauen, dürfen aber die männlichen Opfer nicht vergessen. Um diese Zahlen zu senken, braucht es mehr als nur Betroffenheit. Es braucht Mut, aufeinander zu achten, und Hilfe für alle, um die Gewaltspirale zu stoppen. Nur so verhindern wir, dass aus Liebe ein Tatort wird.
Was tun? Tipps und Hilfsangebote
Wenn Sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, der in Gefahr sein könnte, ist Handeln wichtig. Gewalt hört selten von alleine auf. Nehmen Sie Warnsignale ernst: Extreme Eifersucht, Isolation vom Freundeskreis, ständige Kontrolle („Wo bist du?“, „Wer hat geschrieben?“) und verbale Erniedrigungen sind oft Vorboten körperlicher Gewalt. Schauen Sie nicht weg. Wenn Sie Schreie oder seltsame Geräusche in der Nachbarschaft hören, rufen Sie im Zweifel lieber einmal zu viel die Polizei als einmal zu wenig.
Für Frauen, die Unterstützung suchen, ist das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ die erste und wichtigste Anlaufstelle. Unter der Nummer 116 016 erhalten Betroffene rund um die Uhr, anonym, kostenlos und in vielen verschiedenen Sprachen Beratung und Hilfe.
Auch für Männer gibt es inzwischen spezifische Hilfsangebote, die dringend nötig sind. Das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ ist unter der Rufnummer 0800 1239900 erreichbar. Hier finden Männer Unterstützung, die von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffen sind, ebenfalls vertraulich.
In akuten Notsituationen gilt immer: Zögern Sie nicht. Wählen Sie sofort den Polizei-Notruf 110, wenn Sie oder andere in unmittelbarer Gefahr sind. Wenn Sie allgemein Hilfe als Kriminalitätsopfer benötigen, steht Ihnen zudem der Weisse Ring e.V. unter der Nummer 116 006 zur Seite.



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