Die deutsche Bundesregierung und die Erdgasimporte aus Russland. Zwei Betrachtungen: eine satirische und eine ernste.

Die deutsche Bundesregierung hat verstanden. Spätestens nach den Gräueltaten russischer Soldaten in Bucha, dem Vorort von Kyjiw.

Und man ist bereit, nun extrem scharf zu reagieren. Es werde nun nicht mehr reichen, die Sache verbal zu verurteilen, man werde sie auch rhetorisch aufs Äußerste verurteilen.

Und falls das noch immer nicht reiche, werde man verbal und rhetorisch zugleich reagieren und Putin dazu auffordern, den Krieg sofort zu beenden.

Sollte Putin dadurch immer noch nicht beeindruckt sein, werde man ihn auffordern, den Krieg sofort und unverzüglich und ganz schnell und bedingungslos zu beenden.

Desweiteren werde man russisches Erdöl und Erdgas, aus dessen Devisen sich der russische Staat zu 40% bis 50% finanziert, nur noch unter höchstem Protest weiter importieren, begleitet von den schärfsten rhetorischen Protestnoten in Richtung Moskau.

Man wolle sich ganz genau anschauen, woher denn diese deutsche Abhängigkeit von russischem Erdgas komme und werde zutiefst und ernsthaft und möglichst schnell, noch innerhalb der nächsten Legislaturperiode, darüber nachdenken, woher das denn komme. Gegebenenfalls werde man auch hier verbal aufs Äußerste gehen.

Putin solle sich schon einmal darauf einstellen. Deutschland könne rhetorisch noch ganz anders reagieren. Putin dürfe nicht die deutsche Entschlossenheit unterschätzen. Man sei zu allem bereit.

Österreich bei Gas-Embargo „gemeinsam mit Deutschland sehr zurückhaltend“

Der Widerstand Italiens gegen einen Boykott auf russisches Gas scheint gebrochen – Österreichs Bundesregierung hingegen ist nach den Worten des Finanzministers nach wie vor dagegen. Sanktionen dürften einen selber nicht mehr betreffen als denjenigen, gegen den sie gerichtet seien, sagte Magnus Brunner vor einem Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Luxemburg.“

Und deswegen sind wir gemeinsam mit Deutschland bei einem Gas-Embargo sehr, sehr zurückhaltend, weil wir eben die Konsequenzen auf uns selber größer befürchten, als es für Russland wäre.“ Man könne durchaus die Sanktionsliste gegen Russland um weitere Personen und Organisationen ausweiten.

Quelle ZEIT ONLINE

Trotz aller Satire oben muss man eingestehen: Deutschland ist in einer Zwickmühle, weil es sich, blauäugig oder wissend, in den letzten 20 Jahren extrem stark vom russischen Erdgas abhängig gemacht hatte.

Niemand weiß genau, wie ein Embargo von russischem Erdgas die deutsche Wirtschaft treffen oder nicht treffen würde. Würde ein Embargo die deutsche Wirtschaft kollabieren lassen? Würden die Arbeitslosenzahlen stark steigen und in der Folge dann Parteien an die Macht kommen, die Deutschland destabilisieren würden? Dann wäre mittelfristig nicht viel gewonnen und kurzfristig wäre nur etwas gewonnen, wenn diese Maßnahme den Krieg tatsächlich beenden würde, was möglicherweise so wäre, womöglich aber auch nicht.

Vielleicht würde Deutschland aber auch ganz gut durch ein Embargo hindurch kommen, vielleicht würde eine ungeahnte Investitionswelle in alternative Energien durchs Land wehen und Deutschland sehr schnell unabhängig von fossilen Energieträgern machen. Vielleicht würde durch ein Embargo also der Krieg tatsächlich ausgebremst und vielleicht sehr schnell beendet werden, vielleicht würde Deutschland sich selbst technologisch in Bezug auf regenerative Energien dadurch äußerst gut aufstellen und in der Folge sogar wirtschaftlich davon profitieren. Vielleicht käme durch ein Embargo schnell Frieden in der Ukraine, was ja auch für die EU wichtig ist, die derzeit an ein Kriegsgebiet grenzt. Eine gefährliche Situation.

Alles schwer zu sagen, alles erst rückblickend wirklich zu beurteilen. Rückblickend wird man dann wissen, welche Fehler man gemacht hat oder in welche Fehler man nicht getappt ist.

Oder aber der Krieg dauert länger an, wovon im Moment leider auszugehen ist, und je länger er dauert, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er auf die EU übergreifen könnte. Denn das Wesen des Krieges ist seine Unberechenbarkeit. Angenommen, er würde auf die EU übergreifen, dann wäre die Sorge um die Wirtschaft natürlich rückblickend das kleinste Problem gewesen.

Deutschland ist also in einer ethischen und wirtschaftlichen Zwickmühle. Ethisch würde man sofort bejahen, ein Embargo umzusetzen, wirtschaftlich ist das unsicher, ob aber der Blick auf die Wirtschaft in diesem Moment der richtige Blick ist, weiß man derzeit eben auch nicht. Möge Gott den führenden Politikern in Deutschland, auch den Politikern und Politikerinnen in der Bundesregierung, die richtigen Gedanken geben, um dieses Land gut durch diese Krise zu steuern und es vor allem auch so zu steuern, dass der Krieg in der Ukraine möglichst schnell endet.

Whatever it takes.

Jesus fragte einst: ist der Sabbat für den Menschen da, oder der Mensch für den Sabbat?

Die Antwort war: der Sabbat ist für den Menschen da, um dem Menschen ein menschenwürdiges Leben zu geben.

Aktuell würde die Frage wohl so lauten: ist die Wirtschaft für den Menschen da, oder der Mensch für die Wirtschaft?

Auch hier würde man wohl antworten: die Wirtschaft ist dafür da, dass der Mensch menschenwürdig leben kann.

Einerseits in Deutschland. Andererseits aber auch in der Ukraine.

Und in der Ukraine kann man aufgrund von Putins völkerrechtswidrigem Angriffskrieg derzeit nicht mehr menschenwürdig leben, sondern: menschenunwürdig.

Bürgermeister von Mariupol sieht 90 Prozent seiner Stadt zerstört

Wochenlang wurde die Hafenstadt im Süden der Ukraine belagert und systematisch, zuletzt immer wahlloser beschossen. Nun zieht der Bürgermeister der Stadt eine weitere Bilanz:

„Die russische Armee zerstört Mariupol auf brutale Weise. Die Bombardierungen hören nicht auf.“ Wadym Boitschenko


Insbesondere Mehrfachraketenwerfer kämen zum Einsatz, sagte Boitschenko. Die meisten Angriffe kämen „vom Meer her“, wo russische Schiffe lägen. Evakuierungen seien geplant, „aber heute können wir das nicht tun“, sagte er.

Mariupol ist seit Wochen von jeglicher Versorgung abgeschnitten. Die Lage in der Stadt am Asowschen Meer ist katastrophal. Nach ukrainischen Angaben wurden dort mindestens 5.000 Menschen seit Beginn der russischen Angriffe vor mehr als einem Monat getötet.

„Die traurige Nachricht ist, dass 90 Prozent der Infrastruktur in der Stadt zerstört sind und 40 Prozent nicht wiederhergestellt werden können. Rund 130.000 Menschen sind nach wie vor eingeschlossen.“

Wadym Boitschenko

Quelle ZEIT ONLINE

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