Sprache. Aus Lockdown wird Shutdown

Bisher war in Deutschland immer von Lockdown die Rede, auch schon im März. Dabei bedeutet Lockdown eigentlich Ausgangssperre. Genau genommen jedoch gab es in Deutschland nie eine Ausgangssperre, denn man hatte alle möglichen Gründe, die man anführen konnte, um nach draußen zu gehen. Ein wichtiger Grund, um das Haus oder die Wohnung zu verlassen, war beispielsweise, dass man draußen alleine oder mit Personen des eigenen Hausstands Sport treiben oder spazieren gehen wollte. Im Vergleich zu Menschen in anderen europäischen Ländern, die tatsächlich in ihren Wohnungen und Häusern eingesperrt waren und nur bei äußerst gewichtigen Gründen diese verlassen durften, war man in Deutschland eigentlich nie wirklich eingesperrt.

Nun beginnt in Deutschland am Mittwoch der Lockdown, aber in einigen Medien hat sich eine neue Sprachregelung breit gemacht und man spricht vom Shutdown. Also nicht mehr der Begriff der Ausgangssperre ist vorherrschend und niemand wird irgendwo eingesperrt, wenn man dieser sprachlichen Nuance folgen möchte, sondern die Betonung liegt nun darauf, dass irgendetwas geschlossen wird. Geschlossen werden viele Geschäfte, die nicht für das tägliche Leben essentiell sind. Offen bleiben Supermärkte, Apotheken, Arztpraxen, Tankstellen und ähnliches.

Insofern kann man sich fragen, was diese neue Sprachregelung, die in manchen Medien durchscheint, bedeutet. Einerseits bildet sie die Realität realistischer ab, denn in Deutschland werden Geschäfte geschlossen, eingeschlossen wird aber niemand.

Zum anderen wohnt dieser Sprachregelung vermutlich ein gewisser Optimismus inne, denn der Lockdown, die Ausgangssperre, die tatsächlich nachts in Deutschland in Gegenden mit einer sehr hohen 7-Tages Inzidenz gilt, ist nicht das, was in der Sprache dominiert, sondern das Schließen von Geschäften. Und mal ehrlich, ist es so schlimm, wenn Geschäfte geschlossen sind ? Diese Frage schwingt mit, wenn man von Shutdown redet. Sie löst die Frage ab, die viel dramatischer klingt, die Frage nämlich, ob wir nun alle eingeschlossen sind. Insofern wirkt es etwas entspannter, wenn man vom Shutdown redet.

Hier findet also ein positives Framing statt. Aus etwas, das Angst vermittelt, wird er etwas, das fast ein bisschen Hoffnung vermitteln kann. „Niemand hat die Absicht, irgendjemanden einzuschließen, wir schließen nur ein paar Geschäfte. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Kein Grund zur Beunruhigung.“

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