Lerntheorie und Evolutionstheorie

Im Laufe der Entwicklung verschiedener Lerntheorien gab es eine Phase, in der man davon ausging, man könne Lernen behavioristisch verstehen. Im Sinne von Reiz-Reaktions-Schemata könne man nach und nach immer komplexere Inhalte lernen.

Es gab auch schulische Theorien dazu, wonach äußerst kleinteilig verschiedene Aufgaben behandelt und gelernt werden mussten, sodass man automatisch zu immer komplexeren Aufgaben aufsteigen werde, so dachte man.

Heute weiß man, dass diese rein behavioristisch gefärbten Theorien in dieser Form nicht funktionieren, sondern nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Sie wurden ergänzt bzw ersetzt durch kognitive Lerntheorien, die nicht auf simplen Reiz-Reaktions-Schemata beruhen, sondern geistige Lernprozesse integrieren.

Im Bereich der Evolutionstheorie, soweit ich es zumindest überblicke, ist man eigentlich immer noch auf der Stufe der Reiz-Reaktions-Schemata. Zwei Zellen beispielsweise verbinden sich und die Evolution entscheidet dann, ob diese Zellen sinnvoll zusammengesetzt sind oder nicht. Sind sie sinnvoll angeordnet und tragen also zu irgendeinem Vorteil des Lebewesens bei, wird dann der nächste Baustein hinzugefügt. Try and error in nahezu unendlicher Abfolge von Versuchen. Das Verständnis dieser Art von Evolution ist allerdings ebenso kleinteilig wie die behavioristischen Lerntheorien.

Vielleicht gibt es mal jemanden, der die Erkenntnisse der Lerntheorie auf eine Weiterentwicklung des Verständnisses von Evolution anwenden kann. In diesem Fall müsste man wahrscheinlich auch geistige Prozesse mit einbeziehen. Einige Astrophysiker gehen beispielsweise davon aus, dass das Universum etwas Geistiges ist. Vielleicht könnte eine solche Verknüpfung von Blickwinkeln die Evolutionstheorie beflügeln. Man würde dann aber vermutlich in den Bereich der Philosophie kommen, die eine Liaison mit der Naturwissenschaft einginge. Dennoch könnte dies der Wirklichkeit mehr entsprechen, als die Kleinteiligkeit, mit der die Evolutionstheorie heute gedacht wird.

Gleichzeitig müsste man darauf achten, sich nicht von denen Verlockungen und scheinbar einfachen Antworten des „intelligent design“ einfangen zu lassen, welches ja im Grunde mit pseudowissenschaftlichen Beweisen darauf ausgelegt ist, Gott nachweisen zu wollen.

Eine seriös angelegte Verknüpfung von Philosophie und naturwissenschaftlicher Erkenntnis der Evolutionstheorie hingegen könnte womöglich ein umfassenderes und realitätsbezogeneres Verständnis der Wirklichkeit entwickeln.

Falls Sie zufällig Philosoph sind oder Naturwissenschaftler oder beides, fühlen Sie sich berufen, in diese Richtung einmal im Auftrag und zum Wohle der Menschheit über den Tellerrand hinaus zu denken.


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