Lehrer sein. „Tag und Nacht und auch im Sommer“

Hielt doch vor einiger Zeit derjenige Mann, der dann Bundeskanzler wurde und der sich nach eigenen Angaben und unter Androhung von rechtlichen Schritten die Haare nicht färbte, die Lehrer noch für faule Säcke, so weiß man heute, dass das so nicht stimmt.

Lehrer und Lehrerinnen sind gewissermaßen die Wächter des Staates, weil sie die noch nicht sonderlich mündigen Bürger zu hoffentlich mündigen künftigen Bürgern erziehen sollen. Und sie in die Lage versetzen sollen, künftig ihr eigenes Leben gestalten zu können, weil sie die entsprechenden Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu erworben haben.

Diese positiven Auswirkungen der Bildung sind vielleicht nicht jedem Schüler und jeder Schülerin klar, aber würden sie sich vergleichen mit irgendwelchen armen Kindern in Entwicklungsländern, die Computerchips in irgendwelchen Fabriken für die preiswerte Smartphone-Produktion zusammenlöten oder einpacken oder was weiß ich oder Textilien nähen, merkt man doch schnell, was für einen Wert Bildung hat.

Aber eigentlich wollte ich auf ganz etwas anderes hinaus. Der Unterschied zwischen Lehrern und nicht Lehrern ist nämlich ein nicht ganz unwesentlicher.

Lehrer nehmen ihre Arbeit nämlich mit nach Hause. Das tun andere Leute zwar auch, gedanklich, aber Lehrer nehmen sie gedanklich mit nach Hause und müssen dann zu Hause tatsächlich auch noch arbeiten. Nach dem Unterricht und manchmal auch bis in die späten Abendstunden. Und in aller Regel auch am Wochenende, wenn alle anderen frei und Ruhe und Entspannung haben.

Das tun sie gerne, wenn sie gerne Lehrer sind, aber das sollte man auch einmal zur Kenntnis nehmen, wenn man mal wieder dazu ansetzt, zu glauben, Lehrer hätten ja nur Ferien. Das stimmt so nämlich nicht.

Während viele Leute in ihrem Büro gemütlich einen Kaffee trinken können, andererseits natürlich auch in ihrem Büro vergammeln und verschimmeln, weil es dort so öde ist, entscheidet sich für einen Lehrer jede Stunde neu, wer hier Chef im Haus und king of the castle ist.

Sobald man eine Klasse betritt, kann man sich nämlich nicht entspannt zurücklehnen und glauben, naja, das habe ja schon immer funktioniert, sondern muss die Stunde gut vorbereitet haben und ziemlich hellwach sein, damit die Stunde für alle eine Bereicherung wird, und keine Qual. Und das ist eine ziemlich intensive Aufgabe und Arbeit.

Und ja, man muss als Lehrer auch manchen Schülern verbal etwas auf die Füße treten, den lauten und rücksichtslosen nämlich, um die leisen und respektvollen zu schützen und ihnen eine Lernatmosphäre zu bieten, in der sie auch etwas lernen können und in der nicht diejenigen, die gerne Anarchie hätten und ihre eigene Stärke durchsetzen würden, das Sagen haben. Auch dies ein Lernprozess sowohl für Lehrer als auch für Schüler. Ein Lernprozess der übrigens auch für den Umgang in der Gesellschaft später und das Miteinander dort, wenn die einstigen Schüler als Erwachsene hinaus in die Welt gehen, ziemlich wichtig ist.

Lehrer ist vermutlich einer der schönsten Berufe der Welt oder kann dies zumindest sein. Es ist aber auch einer, der sehr herausfordernd ist und viel Einsatz verlangt. Tag für Tag, Stunde für Stunde, Abend für Abend.

Lehrer ist man „Tag und Nacht und auch im Sommer„, wie ein gleichnamiges und sehr lesenswertes Buch von Frank McCourt heißt.


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Kommentare

13 Kommentare zu „Lehrer sein. „Tag und Nacht und auch im Sommer““

  1. Du beschreibst den Alltag eines Lehrers sehr gut. Das schwierigste ist tatsächlich, dass man sein eigener Antreiber ist. Es erfordert enorm viel Disziplin die mit nach Hause genommene Arbeit auch zu erledigen. Du musst eben diesen Spargat meisten: Du musst auf deine Gesundheit aufpassen und gleichzeitig guten Unterricht geben. Mit der Zeit hast du hoffentlich irgendwann Routine, aber der Beruf velangt dir viel ab. Besonders problematisch ist es, dass eben das Voruteil herrscht, dass Lehrer nachmittags frei haben und auch sonst so viel Freizeit haben.

  2. Also eins kann ich dir sagen, es wird jedes Jahr, dass man mir unterrichtet, besser mit der Routine. Man lernt ständig dazu uns der Unterricht wird ständig besser.

  3. Das Buch solltest Du übrigens baldmöglichst mal lesen !

  4. Ich kann den Beitrag vollumfänglich unterstützen. Auch ich bin gerne Lehrerin und nehme gerne die Arbeit am Nachmittag, am Abend und in den freien Zeiten in Kauf. Kein Problem, denn ich fühle mich zum Lehrerdasein berufen. Meine Schüler zollen mir Dank und am Ende der Ausbildung sieht man, wofür es sich lohnt, den strapaziösen Beruf auszuüben. Was allerdings das Lehrerdasein enorm erschwert, sind die Rahmenbedingungen, in denen ein staatlicher Lehrer in Deutschland mittlerweile erstickt. Seiner Kreativität freien Lauf zu lassen wird von teilweise untragbaren Schulleitungen oft im Keim erstickt. Leider erschwert einem dieser Umstand das unbeschwerte Lehrerdasein immer mehr. VG Nele

  5. Danke Dir !

  6. Bist du etwa auch Lehrer? Ich bin gerade im Refeendariat und ziemlich am abkotzen (-:

    https://haimart.wordpress.com/2019/04/13/sozialdemokratisch-im-rudel-gegen-flughaie/

  7. yep

  8. Sehr interessant. Ich habe Dienstag wieder einen Unterrichtsbesuch von meinem Ausbilder udn habe die halben Osterferien daran gesessen. Ich hasse es, dass von uns erwartet wird, dass wir in solchen Stunden ein didaktisches Feuerwerk zünden müssen.
    https://haimart.wordpress.com/2019/04/07/didaktisches-feuerwerk-und-blendgranaten/

  9. ja, das ist nicht lustig…vor allem ist es ja nicht so, dass die Ausbilder dann immer dergleichen im Unterricht bewerkstelligen könnten…

  10. Die bekommen dann oftmals ein vollkommen falsches Bild vom Alltagsunterricht. Wenigstens ist am Mittwoch Tag der Arbeit, sodass ich mich nahc dem Besuch ausruhen kann. Ich werde auf unseren Blog dann schreiben, wies war.

  11. Wünsche Dir viel Erfolg und tief durchatmen…die kochen auch nur mit Wasser…

  12. Ich bin Chemikerin, die kochen mit Flüssigstickstoff.

  13. ;-D

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