Gemeinde-Internetauftritt für Außenstehende. Wie das Potential ausschöpfen?

Chic aber kein Kommunikationstool

Internetmissionar.de – Viele Internetseiten von Gemeinden sind mittlerweile professionell gestaltet. Hier drei schöne Beispiele aus Berlin:

Doch die meisten Gemeinde-Homepages schöpfen ihr Potential nicht voll aus, um ein wirkliches Kommunikationstool mit Leuten ausserhalb der Gemeinde zu sein. Sie reizen weder zum Verweilen noch bieten Sie direkte Hilfe. Eine schöne Visitenkarte in der neuen Online-Welt, aber oft auch nicht mehr.

Gebäude und im besten Falle Menschen auf der Startseite

Mittlerweile habe ich mir bestimmt hunderte Internetseiten von Gemeinden angeschaut. Was mich dabei immer wieder frappiert ist, dass bestimmt in 70 Prozent der Fälle auf der ersten Seite das Gebäude der Gemeinde dargestellt wird. Oft sieht man auch Menschen bei Gemeindeaktivitäten.

Die Gemeindeseiten spiegeln die innere Ausrichtung

Die in den Links gezeigten Beispiele dienen ausschließlich der Selbstdarstellung. Frage dich einmal, mit wem wird auf den drei Beispielseiten kommuniziert? So wie ich es verstehe, vor allem mit den eigenen Gemeindemitgliedern.

Gemeindeseiten als Freudscher Versprecher

Gemeinde-Internetauftritte spiegeln immer das tatsächliche Selbstverständnis der Gemeinde wider. Dieses Verständnis muss nicht unbedingt mit der „offiziellen Lehre“ deckungsgleich sein. So gesehen ist die Gemeinde-Homepage ein interessantes Analysetool, das nur noch nicht so bekannt ist wie ein Freudscher Versprecher. Natürlich würde in Sonntagspredigten bzw. bei Predigten am Sonntag immer gesagt werden:

Die Gemeinde ist nicht das Gebäude, sondern die Menschen sind die Gemeinde. Doch insgeheim kommt es immer wieder zu dem Verständnis von Gemeinde, das überspitzt lauten könnte:

In unserem Gebäude werden Programme angeboten. Konfirmandenkreise, Sonntagspredigten und Kinderbetreuung. Kommt zu uns! Wir kommen auf keinen Fall zu euch. Probleme von Nichtchristen existieren bei uns nicht, weil solche Menschen bei uns nicht vorgesehen sind. Berührungspunkte mit unserer Umwelt und unserer Stadt haben wir nicht.

Dies sehen wir auch an den Inhalten der meisten Gemeinde-Homepages?

  • Termine
  • Anfahrtsbeschreibung
  • Berichte aus den internen Gruppen
  • Ggf. Sammlungen der Sonntagspredigten
  • Spendenmöglichkeiten
  • (Büchershop)

Wie dies wohl auf Außenstehende wirken mag – vor allem im Internet, wo wir Menschen sekundenschnell für immer verlieren können?

  • Zum Gebäude haben sie keinen Bezug und es ist ihnen egal.
  • Bilder von Menschen bei Gemeindeaktivitäten wirken sympathisch. In solche Beziehungsnetze reinzukommen ist nicht immer leicht. Sicherlich sprechen solche Bilder den Wunsch nach Gemeinschaft an. Doch wir alle haben es schon erlebt: Wenn die Leute so zusammensitzen, fragen wir uns, wie wir da jemals hineinkommen sollen und lassen es dann lieber ganz.
  • Außenstehende haben ein Bild von „Gemeinde“, das sie in diese Hochglanzseiten hineinprojezieren. Meist hat dieses Bild im Kopf nichts mit ihrem Leben und ihren aktuellen Fragen zu tun.
  • Eigene Bedürfnisse und die eigene Umgebung werden in den Gemeindeseiten nicht angesprochen.
  • Auf der Internetseite bzw. in der Gemeinde scheint einer bzw. ein Schreiber das Sagen zu haben. Die Leute sind nur zur Dekoration dar. Auf der Internetseite auf den Bildern, im Gottesdienst in den Stuhlreihen.

Wie können neue Potentiale auf Gemeinde-Homepages ausgeschöpft werden:

Neue Potentiale werden durch neue Fragestellungen entdeckt. Erschlossen werden sie neben einer guten technischen Umsetzung vor allem im Gebet:

  1. Wichtigste Frage ist: Mit wem wollen wir kommunizieren? Wollen wir Nicht-Christen ansprechen? Wenn ja, welche Gruppen? Familien mit Kindern, Punks, alleinstehende Frauen, Menschen zwischen 20 und 30 Jahren?
    .
    Motto: Wir sehnen uns nach genau DIR.
    .
  2. Wollen wir die Seite zur Selbstdarstellung nutzen oder wollen wir unserer Zielgruppe zum Beispiel Bilder anbieten, mit denen sie sich idenifizieren können.

    Motto
    : Wir zeigen nicht unser Gebäude, sondern Menschen, mit denen wir gerne in Kontakt kommen würden.
    .
  3. Welche Hilfsangebote können wir dieser Personengruppe schon im Internet anbieten.

    Motto:
    Wenn schon die Internetseite hilfreich ist, ist der Gottesdienst bestimmt auch nützlich (ungewohntes Wort für Gemeinden – wird abgeleitet von dem Wort „Nutzen“).
    .
  4. Wie stellen wir auf der Homepage dar, wie wir in unsere Umgebung eingebunden sind?
    .
    Möglichkeiten unter anderem:

    • Kurze Artikel über aktuelle Lokale Ereignisse
    • Bildergalerien oder kurze Videos, wo wir die Schönheit unserer lokalen Umgebung bzw. unserer Stadt darstellen. Sicherlich gibt es in jeder Gemeinde ein paar gute Fotografen, deren Talente nie wirklich gebraucht wurden.
      .

    Motto: Was um uns herum passiert, ist uns wichtig. Wir leben in Beziehung mit euch.

Warum ein Blog ideal als Gemeinde-Homepage ist!

Ein Blog ist nicht statisch. Es können mehrere Kategorie eingeführt werden. Beipiele: Zielgruppen (natürlich schöner formuliert), Gemeindeleben, Lokales aus der Stadt, Ratschläge, Suchtprobleme. Ständig können neue Inhalte präsentiert werden und laden so zum Wiederkommen und Verweilen ein.

Viele Autoren sind möglich. Viele können gleichzeitig einen Zugang als Autor bekommen. Wir stellen uns auf der Gemeinde-Homepage nicht nur auf den Bildern als Gemeinschaft dar, sondern auch ganz praktisch als stimmigen Chor von vielen Schreibern. Die Gemeinde-Hompage als echtes Forum, gar als Ning-Community?

Eine Revolution für das traditionelle Verständnis: „Ja, wer kontrolliert dann eigentlich?“ Doch keine Angst, auch in einer Community ist eine gesunde Steuerung möglich. Auf WordPress.mu gibt es zum Beispiel schöne Möglichkeiten, mehrere Blogs zu einem großen ganzen zusammenzufügen.

Bloggerkultur kann Gemeindekultur befruchten. Hast du schon einmal beobachtet, dass Blogger viele Links zu anderen – im eigentlichen Sinne Konkurrenten – setzen und eine Blogroll haben? Das Verständnis ist, dass man stolz auf die Einbettung ist. Die Summe der Wirkkraft vieler kleiner Fische ist größer als des einzelnen Fisches. Die Logik ist: Je mehr man andere empfiehlt, desto öfters wird man empfohlen bzw. von anderen gefunden. Auch die Diskussionskultur mit Hilfe von Kommentaren unter Bloggern könnte ein positiver Impuls sein, der so auf Seiten und in Gemeinden fehlt. Gemeindemauern können eben schon im Internet oder im Kopf anfangen.

Angebot:

1) Gerne mache ich eine Analyse euerer Gemeinde-Hompage. Wenn Du ein Gemeindeverantwortlicher bist, dann schreibe mir einfach eine Email.

2) Wenn euch als Gemeinde die Blog-Idee gefällt, dann richte ich euch gerne ein schönes Blog ein.

3) Gerne berate ich euch bei der Einbindung von Facebook und ähnlichen Möglichkeiten in Gemeinde-Hompages.

Günther, Orginaltext von Internetmissionar.de

Bild: Klaus Steves; © pixelio.de


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