Weg da, mein Hund will Ihren Sitzplatz !

DSC00658 - KopieMünchen. Vorhin in der U-bahn. Der unfreundliche Herr auf diesem Bild ist der Meinung, sein Hund müsse dort sitzen, wo Menschen sitzen können. Mit dieser Meinung ist er alleine.

Die U-bahn ist voll. Hauptverkehrszeit. Besagter Mann besteigt die Bahn, findet einen Platz. Sein Hund erschreckt eine Muslima, die auf der anderen Seite des Gangs sitzt. Sie zuckt zusammen als der Hund sie berührt, will sich aber wohl nichts anmerken lassen.

Ein Fahrgast steht auf und geht weg. Besagter Mann nebst Hund haben nun 3 Plätze beansprucht, der Rest der U-bahn ist voll, alle Leute stehen.

Ich gehe zu den Sitzbänken, will mich setzen, aber der Hund sitzt ja im Gang. Ich sage freundlich zu ebendiesem Herrn: „Können Sie bitte Ihren Hund in den Gang setzen, damit ich mich hinsetzen kann ?“ Es war eingentlich keine Frage, es ist eine selbstverständliche Forderung. Höflich. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie dieser Mann so tickt.

„Nein“, die Antwort.

Ich sage: „Nehmen Sie bitte sofort Ihren Hund dort weg !“, scharfer Ton.

„Nein, warum sollte ich ?“ die Antwort.

Ich gehe. Es macht keinen Sinn. Manche Leute würden solch einen Menschen mit Schimpfworten versehen – ich halte mich zurück.

Ich stelle mich in den Gang an den Türen, recht voll. Gedanken schwirren durch den Kopf. Was ein krasser Typ.

Er hat sich mittlerweile unmöglich gemacht, die anderen Passagiere haben alles mitbekommen. Die etwa 60 jährige Frau, die noch bei ihm saß, steht auch auf und entfernt sich. Er hat nun 4 Plätze in der proppevollen U-bahn für sich und seinen Hund. Die Muslima steht bereits seit ein paar Minuten.

Ich mache mir Gedanken. Was ein unsozialer, egoistischer Mensch das sein muss. Ein Gedanke kommt mir in den Kopf. Ich zücke mein Handy, knipse ihn. Sage laut: „Ich werde einen Artikel über Sie schreiben. Sie können ihn heute abend im Internet finden“.

Ich füge hinzu: „Falls sie wissen, was das ist, das Internet“.

Dem Mann wird vielleicht etwas unwohl. Bei einem zweiten Foto streckt er die Zunge heraus, demonstriert, das lasse ihn kalt. So kalt lässt es ihn aber offensichtlich doch nicht. Er fährt fort: „Das Handy ist abends kaputt !“

Ganz wohl scheint ihm die Sache nicht mehr zu sein.

Ich vesichere ihm knapp: „Keine Sorge, das Handy funktioniert einwandfrei. Sie können sich darauf verlassen.“

Die U-bahn ist zur Bühne geworden. Wir haben ein Schauspiel geliefert, viele Menschen haben zugesehen. Die Aussage dieses Schauspiels lautet: „Ich lasse es nicht zu, wenn jemand Menschen so behandelt wie dieser Mann.“

Einsam sitzt er auf seinen 4 Plätzen, während der Rest der Fahrgäste steht – und ihn beobachtet. Am Hauptbahnhof steigt er aus. Er wagt es nicht mehr, zu mir herüber zu schauen. Er hat sich selbst in die Isolation getrieben durch sein Verhalten. Er hat sich aus der Gemeinschaft der Menschen, die im Zug waren, ausgegrenzt.

Nun die theologische Frage:

What would Jesus say ?

Nun, meine 5.Klasse am Gymnasium hat die letzten Tage mehr gelernt, als dieser Mann mit seinen 50+ Jahren. Nämlich was es heißt, die Menschen zu lieben. Sie lernten Jesu Doppelgebot der Liebe: Gott lieben – und Deinen Nächsten wie Dich selbst.

Die Voraussetzung dafür fragte ich meine 5.Klässler auch ab: Voraussetzung dafür, dass dieses Gebot funktioniert, ist, dass man sich selbst liebt.

Besagter Mann liebt scheinbar sich selbst nicht. Er kreist (so wirkt es auf mich) egoistisch um sich selbst, um seinen eigenen Vorteil, aber Liebe – Selbstliebe – kann das irgendwie nicht sein. Denn wüsste er, was Liebe bedeutet, könnte er auch mit seinen Mitmenschen freundlich umgehen.

Wohl ein einsamer Mann. Warum ? Weil man durch solches Verhalten einsam wird. Es wird nicht das erste Mal sein, dass er aneckt. Man kann wohl zu Recht vermuten: ein sicherlich sehr einsamer, egozentrischer Mann. Ein Mann, der sein Wohl und das seines Tieres über das Wohl anderer Menschen stellt. Ein Mann, der sich vielleicht seine eigene Privathölle schafft: die der Isolation.

Ja, denn das heißt wohl auch der Begriff Hölle: nur noch um sich selbst kreisen. Nichts von der Umwelt mitbekommen, nicht spüren können, dass es einen Gott gibt, der einen erlösen kann: aus der Egozentrizität.

Armer Mann. Unangenehmer Mann. Ein Verhalten gegen die Gemeinschaft. Wohl einer, der in seiner Privathölle lebt. Wäre Liebe in ihm, würde sie ausstrahlen, so möchte man meinen. Ist aber Leere in ihm oder ist er sich selbst sein Gott – dreht er sich also nur um sich selbst – , dann würde wohl niemand mit ihm tauschen wollen.

Unwillkürlich muss ich an Sartre denken: „Die Hölle, das sind die anderen“. Lesen Sie > hier.


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Kommentare

35 Kommentare zu „Weg da, mein Hund will Ihren Sitzplatz !“

  1. Avatar von Königstochter
    Königstochter

    Also Marc, bei aller Liebe, aber das finde ich ja nicht grad die feine englische Art. Ich stimme Dir zu, dass der Typ sich so ziemlich asozial verhalten hat, aber ihn so im Internet an den Pranger zu stellen – mit Foto, extragroß – ist ziemlich daneben. Ganz abgesehen davon, dass Du Dich hier auf rechtlich gesehen sehr dünnes Eis begibst – Recht am eigenen Bild, Schutz der Persönlichkeitsrechte usw.

    What would Jesus do? Sicher nicht die Sünde eines Einzelnen vor anderen ausbreiten und verurteilen, sondern eher im Gespräch unter vier Augen versuchen, sein Herz anzurühren…

    Ich würde Dir raten, das Bild möglichst rasch wieder rauszunehmen, wenigstens das große. Zivilcourage sieht für mich ganz anders aus…

  2. Ich glaube, das Verhalten der Muslima hast du etwas falsch interpretiert. Es war ihr wahrscheinlich unangenehm, den Hund zu berühren. Denn der Hund ist ein unreines Tier und wenn ein Moslem mit ihm in Berührung kommt, muss er anschließend die „große Waschung“ durchführen.
    http://books.google.de/books?id=jIyEYItV95AC&pg=PA288&lpg=PA288&source=bl&ots=LYHOYnctAZ&sig=VWVaxYDjHgOnEKdqxNhbAMAP7M4&hl=de&ei=G2w6SraoG87J_gb24_2nCw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2

  3. Tja – so sieht sie aus die sog. Zivilcourage der Gutmenschen.
    Erst keine Eier in der Hose, und dann strafrechtlich bedenklich im Internet aus sicherer Entfernung nachtreten….
    Beim Fußball gibt es für soetwas die rote Karte !

    Aus christlicher Sicht entspricht dieses Vorgehen ganz und gar nicht dem Vorbild des Heilandes – ganz im Gegenteil. Es erinnert an mehrere Geschichten der Pharisäer !
    „Ich danke Dir Gott, das ich nicht so bin wie jender dort….“
    Als Theologe solltest Du die Stelle weidererkennne oder wenigstens finden können. 😉

    Wem hast Du – oder wem hilfts Du denn mit Deiner Denunzianten Tour hier auf Deinem Blog ??
    Dem Hund ?
    Der Muslima ?
    Dem Opa ?
    Dir selbst ?
    Dem Klima in der U Bahn ?

    Sollest Du eine der Fragen mit JA beantworten, kann es mit Deiner Fähigkeit zur selbstkritischen Refelktion nicht weit her sein.

    Deine „Zivilcourage“ war für´n Arsch – und als christliches Vorbild war´s wohl auch ein Schuss in den Ofen bzw ein Griff ins Klo !

    Tolle Leistung !!

    Grüße

    Kurt

  4. Zum Thema:
    Ich glaube nicht, dass Jesus einen Artikel im Internet über so einen Mann schreiben würde. Ich frage mich auch oft, wie man sich gegen Leute wehren kann, die sich so rücksichtslos verhalten. Aber ich glaube, wenn man Jesus nachfolgen will, dann muss man die Ungerechtigkeit einfach erdulden. Und das kann manchmal ziemlich schmerzhaft sein.

  5. Hat sich Kurt da auch etwas im Ton vergriffen, „Eier in der Hose…“ ?

  6. Werde überlegen, das Bild unkenntlicher zu machen, evtl einen Balken über die Augen. Danke für den Kommentar.

  7. Mag sein. Sie hat sich aber sehr erschreckt, so wie ich es gesehen habe.

  8. Jesus hat ziemlich aufgemischt – drum wurde er schließlich hingerichtet. Er sagte: wenn Dir einer auf die linke Wange haut, halte ihm die rechte auch hin.
    Auf die rechte Wange schlug man aber Freie (auf die andere Sklaven). Das bedeutete: wenn man so jemanden noch einmal schlägt, dann wertet man ihn damit automatisch auf, indem man ihn wie einen Freien behandelt. Durchaus Zündstoff.

  9. Habe Deine Tipps beherzigt, das Bild unkenntlich gemacht, das große entfernt und den Artikel objektiver gestaltet.

  10. Habe die Vermutung von mir entfernt, war zu subjektiv.

  11. Aber eigentlich gehts nicht drum, aufzumischen.
    Ich war sicher geschockt. Ich habe einiges im Artikel überarbeitet, einige subjektive Vermutungen entfernt.
    Aber den Artikel an sich sollte ich doch stehen lassen, denke ich. Es ist schon sinnvoll, so ein Verhalten einmal zu thematisieren, denke ich.

  12. Und Kurt, ja: es hilft dem Klima in der Ubahn. Und es hilft dem Miteinandern von Menschen, wenn man einmal klar stellt, dass solch ein Verhalten nicht in Ordnung ist.

  13. So Kurt. Habe den Artikel überarbeitet. Nun ist es ein Bericht.
    Dann folgt ein zweiter Teil mit einer Interpretation dieses Verhaltens.
    Aus meiner Sicht ist das nicht zu beanstanden.

    Du hast Dich aber definitiv im Ton vergriffen. Ich denke, Du solltest das auch korrigieren.

  14. Satz 1 des Kommentars von mir hat allerdings nichts mit den restlichen sätzen dieses Kommentars zu tun.

  15. ps: ich habe m.E. auch nicht gesagt, was denn Jesus machen würde, auch wenn ich die Frage stelle.

    Ich führe das doppelte Liebesgebot und dessen Voraussetzung an. Daraus habe ich eine Theorie darüber, was mit diesem Mann los sein könnte, diese Theorie führe ich aus.

    Ich sage aber nicht, was Jesus wohl tun würde. Ich weiß es nicht genau, was er tun würde.

    Ich denke aber, dass es wichtig ist, solch ein Verhalten zu theatisieren, weil es exemplarisch für eine funktionierende oder eben nicht funktionierende Gesellschaft ist. Deswegen muss man darüber schreiben.

    Alles, was diesen Mann kenntlich machen kann, habe ich entfernt. Es geht jetzt also eher um einen Prototypen von Mensch, der sich in gewisser Weise verhält. (aufgezogen an einem erlebten Beispiel. Aber es ist hier keine Diffamierung der Persönlichkeit – denn wer dieser Mann ist, ist nicht auszumachen. Weder aus dem Bild, noch aus der Beschreibung. Es ist in meinem Bericht ein anonymer Mann. Keine Adresse, keine weiteren Angaben. Anonym.).

  16. Meine Güte ! „Eier in der Hose“ ist die etwas vulgäre Beschreibung / Umschreibung für „kein Rückgrat haben“.
    Wusste ja nicht das Du so sensibel bist 😉

  17. „Kein Rückgrat habe“ ist ebenfalls beleidigend. Entspricht auch nicht den Tatsachen.
    Man könnte sich auch mal entschuldigen, anstatt mir den Schwarzen Peter zuzuschieben.

  18. Man kann andere beschämen, indem man freundlich zu ihnen ist und ihnen Gutes tut, obwohl sie einem feindlich gesinnt sind. Das ist natürlich auch eine Art, sich zur Wehr zu setzen bzw. Widerstand zu leisten. Aber es funktioniert nur, wenn man auch bereit ist, Unrecht über sich ergehen zu lassen. So habe ich das gemeint.

    Was den konkreten Fall angeht, will ich kein Urteil abgeben, aber ich hatte den Eindruck, dass da zumindest teilweise die Rache das Motiv für diesen Artikel geliefert hat. Und das wäre natürlich nicht ‚jesusmäßig‘.

  19. ich lese erst jetzt den artikel. die kommentare dazu sind genauso spannend wie dieses thematisierte ereignis.
    meine erste reaktion: ich habe solche und ähnliche situationen auch schon öfters erlebt – und meist blieb bei mir das gefühl der hilflosigkeit übrig. manchmal auch der angst vor übersteigerten reaktionen, gewalt…
    aber ich sehe auch, dass dieser mann probleme hat. ihm zu zeigen, dass er isoliert ist – hmm, ob ihm das weiterhilft? irgendwann ist er ja zu dem geworden, was er ist. vielleicht ist ihm früher das gleiche auch mal passiert und deshalb schützt er sich schon mal vorab vor demütigungen, schafft sich seinen freiraum? man kann da viel spekulieren, wo die ursachen liegen.
    jesus? der hat tiefer gesehen bei den menschen. von den symptomen zu den wirklichen ursachen. und dort angesetzt. wer wollte, konnte befreiung und heilung erleben.
    ich hätte vielleicht versucht, mit ihm ins gespräch zu kommen. über das thema hund zum menschen…
    oder hätte mich trotzdem hingesetzt und ihn nett gegrüsst.
    aber sicher, ich wohne nicht in münchen.
    vordergründig regen mich natürlich solche typen auch auf und mein gerechtigkeitssinn meldet sich. jawohl, ordnung schaffen. aber das löst den konflikt nicht wirklich. auch keine strafandrohung wie das mit der veröffentlichung.
    andererseits diskutieren wir hier mal über das problem.
    und somit wars den artikel allemal wert.
    schalo (das heisst frieden…).
    andy

  20. Ne, Rache war es nicht. Aber ich war sehr geschockt darüber und dachte, man muss es thematisieren und jemandem zeigen, dass das so nicht in Ordnung ist, dass man so nicht mit Menschen umgehen kann – dass das letztlich auch nicht im Sinne Gottes sein kann, wenn man andere Menschen – auch Geschöpfe Gottes – so behandelt.
    Was ihr einem unter meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.

    Stumm erleiden finde ich falsch. Ich denke, man muss deutlich machen, dass das nicht in Ordnung ist. Jesus hat auch nicht stumm erlitten, sondern eine gewaltige Bewegung ins Leben gerufen – durch die Macht des Wortes.

    Was aber sicher aus dem Affekt heraus war, waren die Stellen, die ich nun überarbeitet bzw. gelöscht habe. Man sollte nicht schreiben, wenn man selber noch emotional bewegt ist. Aber ich habe es nachkorrigiert.

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