München. Vorhin in der U-bahn. Der unfreundliche Herr auf diesem Bild ist der Meinung, sein Hund müsse dort sitzen, wo Menschen sitzen können. Mit dieser Meinung ist er alleine.
Die U-bahn ist voll. Hauptverkehrszeit. Besagter Mann besteigt die Bahn, findet einen Platz. Sein Hund erschreckt eine Muslima, die auf der anderen Seite des Gangs sitzt. Sie zuckt zusammen als der Hund sie berührt, will sich aber wohl nichts anmerken lassen.
Ein Fahrgast steht auf und geht weg. Besagter Mann nebst Hund haben nun 3 Plätze beansprucht, der Rest der U-bahn ist voll, alle Leute stehen.
Ich gehe zu den Sitzbänken, will mich setzen, aber der Hund sitzt ja im Gang. Ich sage freundlich zu ebendiesem Herrn: „Können Sie bitte Ihren Hund in den Gang setzen, damit ich mich hinsetzen kann ?“ Es war eingentlich keine Frage, es ist eine selbstverständliche Forderung. Höflich. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie dieser Mann so tickt.
„Nein“, die Antwort.
Ich sage: „Nehmen Sie bitte sofort Ihren Hund dort weg !“, scharfer Ton.
„Nein, warum sollte ich ?“ die Antwort.
Ich gehe. Es macht keinen Sinn. Manche Leute würden solch einen Menschen mit Schimpfworten versehen – ich halte mich zurück.
Ich stelle mich in den Gang an den Türen, recht voll. Gedanken schwirren durch den Kopf. Was ein krasser Typ.
Er hat sich mittlerweile unmöglich gemacht, die anderen Passagiere haben alles mitbekommen. Die etwa 60 jährige Frau, die noch bei ihm saß, steht auch auf und entfernt sich. Er hat nun 4 Plätze in der proppevollen U-bahn für sich und seinen Hund. Die Muslima steht bereits seit ein paar Minuten.
Ich mache mir Gedanken. Was ein unsozialer, egoistischer Mensch das sein muss. Ein Gedanke kommt mir in den Kopf. Ich zücke mein Handy, knipse ihn. Sage laut: „Ich werde einen Artikel über Sie schreiben. Sie können ihn heute abend im Internet finden“.
Ich füge hinzu: „Falls sie wissen, was das ist, das Internet“.
Dem Mann wird vielleicht etwas unwohl. Bei einem zweiten Foto streckt er die Zunge heraus, demonstriert, das lasse ihn kalt. So kalt lässt es ihn aber offensichtlich doch nicht. Er fährt fort: „Das Handy ist abends kaputt !“
Ganz wohl scheint ihm die Sache nicht mehr zu sein.
Ich vesichere ihm knapp: „Keine Sorge, das Handy funktioniert einwandfrei. Sie können sich darauf verlassen.“
Die U-bahn ist zur Bühne geworden. Wir haben ein Schauspiel geliefert, viele Menschen haben zugesehen. Die Aussage dieses Schauspiels lautet: „Ich lasse es nicht zu, wenn jemand Menschen so behandelt wie dieser Mann.“
Einsam sitzt er auf seinen 4 Plätzen, während der Rest der Fahrgäste steht – und ihn beobachtet. Am Hauptbahnhof steigt er aus. Er wagt es nicht mehr, zu mir herüber zu schauen. Er hat sich selbst in die Isolation getrieben durch sein Verhalten. Er hat sich aus der Gemeinschaft der Menschen, die im Zug waren, ausgegrenzt.
Nun die theologische Frage:
What would Jesus say ?
Nun, meine 5.Klasse am Gymnasium hat die letzten Tage mehr gelernt, als dieser Mann mit seinen 50+ Jahren. Nämlich was es heißt, die Menschen zu lieben. Sie lernten Jesu Doppelgebot der Liebe: Gott lieben – und Deinen Nächsten wie Dich selbst.
Die Voraussetzung dafür fragte ich meine 5.Klässler auch ab: Voraussetzung dafür, dass dieses Gebot funktioniert, ist, dass man sich selbst liebt.
Besagter Mann liebt scheinbar sich selbst nicht. Er kreist (so wirkt es auf mich) egoistisch um sich selbst, um seinen eigenen Vorteil, aber Liebe – Selbstliebe – kann das irgendwie nicht sein. Denn wüsste er, was Liebe bedeutet, könnte er auch mit seinen Mitmenschen freundlich umgehen.
Wohl ein einsamer Mann. Warum ? Weil man durch solches Verhalten einsam wird. Es wird nicht das erste Mal sein, dass er aneckt. Man kann wohl zu Recht vermuten: ein sicherlich sehr einsamer, egozentrischer Mann. Ein Mann, der sein Wohl und das seines Tieres über das Wohl anderer Menschen stellt. Ein Mann, der sich vielleicht seine eigene Privathölle schafft: die der Isolation.
Ja, denn das heißt wohl auch der Begriff Hölle: nur noch um sich selbst kreisen. Nichts von der Umwelt mitbekommen, nicht spüren können, dass es einen Gott gibt, der einen erlösen kann: aus der Egozentrizität.
Armer Mann. Unangenehmer Mann. Ein Verhalten gegen die Gemeinschaft. Wohl einer, der in seiner Privathölle lebt. Wäre Liebe in ihm, würde sie ausstrahlen, so möchte man meinen. Ist aber Leere in ihm oder ist er sich selbst sein Gott – dreht er sich also nur um sich selbst – , dann würde wohl niemand mit ihm tauschen wollen.
Unwillkürlich muss ich an Sartre denken: „Die Hölle, das sind die anderen“. Lesen Sie > hier.
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