Evangelische Kirchen fusionieren

luther.jpgMit der heutigen feierlichen Unterzeichnung des Vereinigungsvertrages in Wittenberg zwischen den beiden Evangelischen Landeskirchen von Thüringen und Sachsen-Anhalt wollen die beiden Landeskirchen durch eine Fusion effizientere Strukturen entwickeln und ihre Kräfte bündeln. Im Moment heißt der Zusammenschluss noch „Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland„. Wenn die Fusion am 01. Januar 2009 in Kraft tritt, wird daraus die Vereinigte Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Auf dem Gebiet der neuen Kirchen liegen vom Augustinerkloster in Erfurt über die Wartburg in Eisenach oder die Universität in Wittenberg sämtliche relevanten Lutherstätten, die bislang auf zwei Landeskirchen aufgeteilt waren.

Beide Landeskirchen geben ihre Kirchenämter auf. Dafür wird Magdeburg, wo derzeit noch das Kirchenamt der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen seinen Sitz hat, der neue Bischofssitz des gemeinsamen Bischofs resp. der gemeinsamen Bischöfin. Und Eisenach mit dem Kirchenamt der Thüringer Landeskirche wird einen der neuen Regionalbischöfe oder -bischöfinnen bekommen. Das neue Kirchenamt wird das Collegium Maius in Erfurt, der Ort, an dem der spätere Reformator Martin Luther selber studiert hat; voraussichtlich im Frühjahr 2010 werden die Umbauarbeiten abgeschlossen sein, so dass dann das Kirchenamt nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis ein Kirchenamt sein wird.

Die beiden derzeitigen Bischöfe – Axel Noack auf Seiten der Kirchenprovinz und Christoph Kähler von der Thüringer Landeskirche – werden im Frühjahr 2009 zurücktreten. An ihre Stelle wird eine neue Bischöfin resp. ein neuer Bischof für die gesamte Kirche treten; die Wahl ist für März 2009 geplant.

Neben der neu entstehenden Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland streben derzeit auch drei Landeskirchen im Norden Deutschlands eine Fusion an: Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs, die Pommersche Evangelische Kirche und die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche. Bereits im Herbst dieses Jahres soll die Fusion beschlossen werden, bis 2011 ist ihre Realisierung geplant.

Ich bin gespannt, welche Landeskirchen als nächstes folgen.

Foto: Johannes Becker – Quelle: http://www.pixelquelle.de


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Kommentare

4 Kommentare zu „Evangelische Kirchen fusionieren“

  1. Avatar von makis

    Was ist los, schrumpft die Herde, laufen die Gläubigen weg?

  2. Kann man so nicht sagen. Es ist ein Umbruch in der FORM von Kirche, ein Umbauprozess.

  3. @ makis & @ theolounge

    Ja, es ist ein Reformprozess, der da abläuft. Strukturen werden zusammengelegt, weil man feststellen muss, dass der Flickenteppich, den die evangelischen Landeskirchen derzeit bilden, nicht unbedingt von Effizienz geprägt ist, und dass die Evangelischen Landeskirchen bei einem Zusammenschluss zu größeren Einheiten die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel wesentlich besser einsetzten können.

    Aber natürlich steht im Hintergrund auch, dass die Zahl der Mitglieder sinkt. Bei Thüringen und Sachsen-Anhalt im übrigen nicht, weil so viele Leute austreten würden, sondern weil viele Menschen in westlichen Bundesländern Arbeit finden und aus Thüringen und Sachsen-Anhalt abwandern. Und eben mehr als umgekehrt.

    Das hat zwei Folgen:
    – diejenigen, die abgewandert im Westen arbeiten und entsprechend Kirchensteuer zahlen, zahlen diese auf einmal in einer westlichen Landeskirche, und nicht in ihrer „Heimat“-Landeskirche (das Geld fehlt auf einmal)
    – neben denjenigen, die in Thüringen oder Sachsen-Anhalt arbeiten und hier Kirchensteuer zahlen, bleiben noch diejenigen, die sich bereits in Rente befinden; und da sieht es mit Kirchensteuer ja auch eher Essig aus

    Von wäre es schon aus finanziellen Gründen eher schwierig, die jetzigen Strukturen auf Dauer beizubehalten – zumal der beschriebene Trend wohl noch eine ganze Zeit lang andauern wird.

    Walter

  4. Hmmm, hoffen wir, dass sich wieder mehr Menschen dafür öffnen können. Denn zu sagen hat sie ja durchaus was die Kirche.
    Vielleicht führt der Weg auch über charismatische Bewegungen, die die Menschen wieder zentraler ansprechen können und wo die Menschen persönlich stärker ergriffen werden. Ja, das ist sicher der Weg, könnte ich mir vorstellen. Dass die Menschen spüren, dass die Kirche ihnen etwas gibt für ihr Leben und ihre Probleme und sie auch begleitet.

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