Antoni Gaudí und die Sagrada Família

Am 10. Juni 1926 stirbt einer der größten Baumeister aller Zeiten: Antoni Gaudí.

Zum 100. Todestag von Antoni Gaudí wollte man soweit sein mit seinem Meisterwerk, mit der Kirche Sagrada Família in Barcelona. Und tatsächlich: der Christusturm steht und wird von Papst Leo XIV. während seines Besuchs der Stadt am 9. und 10. Juni 2026 geweiht. 2010 war bereits Benedikt XVI. in Barcelona, um die Sagrada Família zu weihen, damit dort die Liturgie einziehen konnte. Damals war die Kirche außen noch im Bau. Nun ist sie also (fast) fertig. Wobei: So richtig „fertig“ ist eine Kirche ja nie – fragen Sie mal in Köln die Verantwortlichen für den Dom!

In seiner Predigt im Rahmen der Heiligen Messe sprach der Papst damals über die Theologie des Kirchenbaus: „Mitten in der Welt, im Angesicht Gottes und der Menschen, haben wir in einem demütigen und freudigen Glaubensakt ein immenses Bauwerk errichtet, Frucht der Natur und unermesslicher Anstrengungen der menschlichen Intelligenz, der Erbauerin dieses Kunstwerks. Es ist ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes, zu dessen Ehre diese Türme emporragen: Wie Pfeile verweisen sie auf das Absolute des Lichts und dessen, der das Licht, die Erhabenheit und die Schönheit selbst ist“. Die Rolle, die eine Kirche wie die Sagrada Família im Heilsplan Gottes spiele, benannte Benedikt in eindrücklichen Metaphern: „Ikone der göttlichen Schönheit zu sein, brennende Flamme der Liebe, Weg, der dahin führt, daß die Welt an den glaubt, den Gott gesandt hat“.

Der Architekt dieser „Ikone der göttlichen Schönheit“, Antoni Gaudí, war nicht nur ein einfallsreicher Visionär, der voller Phantasie Brücken zwischen Natur und Kultur zu bauen vermochte, nicht nur ein kluger Ingenieur, der die physikalischen Gesetze bestens kannte und zudem die statischen Eigenschaften geometrischer Formen bei der Gewölbe- und Säulengestaltung zu nutzen wusste, sondern auch ein theologisch gebildeter, tiefgläubiger Katholik, der seine Kirche mit christlicher Symbolik auflud. Das brachte ihm den Beinamen „Architekt Gottes“ ein, und zudem seit dem Jahr 2000 ein Seligsprechungsverfahren. Der fruchtbare Dialog von Kunst und Religion, der das Abendland kulturell prägte, gelangt Dank Gaudí in der Sagrada Família zu einer spirituellen Symphonie profunden theologischen, vor allem auch liturgischen Gehalts.

Gaudí widmete die zweite Hälfte seines Lebens ausschließlich der Sagrada Família, deren Planung er 1882 in Angriff nahm. Noch im gleichen Jahr erfolgt die Grundsteinlegung. 1883 wird Gaudí Bauleiter, die erste Bauphase beginnt nach einigen Unstimmigkeiten erst 1892. Gaudí meinte dazu: „Mein Kunde hat keine Eile.“ – Sein Kunde: Gott. Über drei Jahrzehnte verbrachte Gaudí daraufhin im Rohbau der Kirche. Jeden Tag. So auch am 7. Juni 1926, als er auf dem Weg zu seiner Baustelle von einer Straßenbahn erfasst und überfahren wurde. Man erkannte den ärmlich gekleideten Gaudí nicht, hielt ihn für einen Stadtstreicher. Ein Taxifahrer weigerte sich, den schwer Verletzten in ein Krankenhaus zu fahren. Gaudí wurde dann in ein Armenhospital verbracht. Dort erkannte man ihn, will den Star-Architekten Barcelonas in ein anderes Krankenhaus verlegen. Doch Gaudí weigert sich. Er stirbt drei Tage später an den Folgen der Unfallverletzungen.

Antoni Gaudí – ein bescheidener, demütiger, gläubiger, kluger und fleißiger Mann. Ein Seliger? Das haben andere zu entscheiden.

Josef Bordat


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