Wenn man vom Teufel spricht, muss man feststellen, dass es sehr verschiedene Sichtweisen gibt. Viele Religionen kennen „ihn“, oder vielmehr: kennen die Erfahrung oder auch Vorstellung, dass es ganz offensichtlich Mächte gibt, die dem Guten und dem Gelingen eines Lebens zuwiderlaufen. Was verbirgt sich dahinter ? > Lesen Sie hier eine allgemeine Zusammenfassung.
Eine recht genaue, > wissenschaftliche Darstellung finden Sie hier.
Wichtig in diesem Zusammenhang scheint es, auf die gegenwärtigen Deutungsmuster hinzuweisen (Wikipedia):
Ansätze in der christlichen Reflexion der Gegenwart
In der gegenwärtigen theologischen Reflexion wird die Figur des Satans so gut wie nicht mehr thematisiert. Selbst wenn an der Existenz des Teufels im Katechismus der Katholischen Kirche festgehalten wird und Papst Johannes Paul II. während seines Pontifikates sie wiederholt bekräftigt hat, gibt es keine dogmatische Definition des Satans. Die katholische Lehre gibt mithin den biblischen Befund wieder. Seitens der Bibelkritik hingegen scheint Satan als theologischer Begriff das Programm der Entmythologisierung der neutestamentlichen Verkündigung von Rudolf Bultmann nicht überlebt zu haben.
Der katholische Literaturwissenschaftler und Anthropologe René Girard widerspricht in seiner Analyse der neutestamentlichen Texte dieser Tendenz. Er interpretiert die Figur des Satans als eines der Hauptmotive der christlichen Offenbarung. Im Rahmen der von ihm formulierten mimetischen Theorie ist Satans Darstellung in den Evangelien ein Paradigma des mimetischen Zyklus: Satan ist der Versucher und der Stifter des Begehrens und des „Ärgernisses“ (skándalon), er ist die sich selbst austreibende mimetische Gewalt und er ist der „Mörder vom Anfang“, der das mythische Religionssystem hervorbringt. In der Bloßstellung der menschlichen (mimetischen) Gewalt durch die Passion und in der darauffolgenden Unterminierung des Zyklus des heilbringenden Opfers der archaischen Welt sei der Sinn des Triumphes des Kreuzes über die „Gewalten und die Mächte“ des Kolosserbriefes (2,14-15) sowie jene Täuschung der „Herrscher dieser Welt“ des 1. Korintherbriefes (2,6-8) zu sehen, wenn man diese und ähnliche Begriffe mit Satan gleichsetzt, wie die Kirchenväter es machten.
Girards Auffassung ist von manchen theologischen Kreisen rezipiert worden, allerdings sind seine Gedanken in der christlichen Dogmatik ungewöhnlich und in der kirchlichen Öffentlichkeit noch kaum bekannt. Er verweist jedoch auf Origenes′ und seine These des vom Kreuz getäuschten Satans als Träger „eine(r) wichtige(n) Intuition“, die in der westlichen Kirche „unter den Verdacht, ‚magisches Denken‘ zu sein“ geriet. Es bleibt abzuwarten, ob diese Deutung in der Exegese weiteren Anklang finden wird.
Im freikirchlichen protestantischen Raum nimmt die Figur des Teufels und die Warnung vor seinem Wesen und Wirken vielfach weiterhin einen nicht unbeträchtlichen Raum ein.
Bild:Marco Barnebeck/Telemarco,pixelio.de



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