Gestern hatte ich noch über eine Studie geschrieben, nach der es Jugendlichen mittlerweile peinlich ist, sich zum christlichen Glauben zu bekennen (vgl. Beitrag „Christ-Sein peinlich?“). Gestern Nacht musste ich dann in den tagesthemen mitbekommen, dass es beispielhaft einen prominenten Vertreter des christlichen Glaubens gibt, dessen Verhalten heftig dazu beitragen dürfte, dass sich dieser Zustand auch nicht allzu schnell ändert.
In einer Predigt im Kölner Dom anlässlich der Einweihung des neuen Diözesan-Museums Kolumba konnte sich der dortige römisch-katholische Erzbischof Joachim Kardinal Meisner nicht zurückhalten, in Blick auf Kunst und Kultur die Nazi-Terminologie von der „entarteten Kunst“ zu verwenden. Wörtlich sagte er: «Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet.»
Erstens hat Kunst nicht notwendigerweise mit Gottesverehrung zu tun, und ein solcher Anspruch sollte m.E. auch nicht gestellt werden. Zum zweiten, und das ist noch viel schwerer wiegend, sollte dem römisch-katholischen Erzbischof der geschichtliche Hintergrund der Verwendung solcher Begriffe wie „entartete Kunst“ eigentlich bewusst sein: Direkt nach der Machtübernahme der Nazis waren ab 1933 Berufsverbote gegen moderne Künstler, Käufer moderner Kunst oder Hochschullehrer verhängt worden. Am 19. Juli 1937 eröffnete Hitlers Propaganda-Chef Joseph Goebbels schließlich eine Ausstellung mit so genannter „Entarteter Kunst“ in den Münchner Hofgarten-Arkaden. Sie zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen. Gleichzeitig beschlagnahmten die Nazis rund 16.000 moderne Kunstwerke und leiteten damit eine so bezeichnete „Säuberung“ der deutschen Kunstsammlungen ein.
Ich würde angesichts dieser Vorgänge vorschlagen, dem Kölner Kardinal den Titel „Kardinal Peinlich“ zu verleihen. Und das wäre m.E. noch eine sehr freundliche Bezeichnung.
Link zum tagesthemen-Bericht: Kardinal Meisner spricht von entarteter Kunst



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