
Mehr Bomben, mehr – und der Westen schaut zu?
Na, überrascht? Russland macht mal wieder Russland-Dinge und eskaliert im Ukraine-Krieg anscheinend nach dem Motto „Mehr ist mehr“. Während hierzulande über politische Korrektheit gestritten wird, hagelt es in der Ukraine Raketen, Drohnen und Lenkbomben in einem Ausmaß, das selbst die hartgesottensten Beobachter schlucken lässt. Binnen einer Woche feuerte die russische Armee Tausende Geschosse auf das Land ab. Kyjiw, die einst als relativ sicher geltende Hauptstadt, ist wieder zur Zielscheibe geworden, und die Zivilbevölkerung bezahlt wie immer den höchsten Preis. Man könnte fast meinen, Wladimir Putin hat einen internen Wettbewerb am Laufen, wer die meisten Schreckensmeldungen pro Woche generieren kann. Und seien wir ehrlich: Er ist ganz vorne mit dabei.
Der zynische Blick auf die Realität
Ethisch ist das Ganze natürlich ein Totalausfall. Russland nimmt ganz bewusst zivile Opfer in Kauf. Ein Raketeneinschlag in ein Wohnhaus hier, ein Angriff auf ein Krankenhaus oder eine Schule dort – Kollateralschäden? Wohl kaum. Das ist kalkulierter Terror, um den Willen der Ukrainer zu brechen. Und während die UN fleißig Leichen zählt – die Zahlen sind die höchsten seit drei Jahren – und Berichte schreibt, die vermutlich ungelesen in irgendwelchen Schubladen landen, geht das Morden munter weiter. Man fragt sich, wo die rote Linie eigentlich ist. Gibt es überhaupt noch eine, oder haben wir sie aus lauter Gewohnheit einfach weggewischt?
Militärisch sieht die Sache strategisch düster aus, wenn der Westen nicht bald aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Russland rückt vor. Langsam, aber stetig. Eine Fläche so groß wie das Saarland seit Jahresbeginn – das klingt erstmal nicht nach Blitzkrieg, aber es ist ein unerbittliches Vorankämpfen, das die Frontlinie immer tiefer ins Land frisst. Neue Regionen wie Dnipropetrowsk, die bisher vom Bodenkrieg verschont blieben, werden nun zu Schlachtfeldern. Fast 1.000 Kilometer Kontaktlinie – das muss man sich mal auf der Landkarte ansehen.
Beide Seiten verheizen ihre Leute in einem enormen Blutzoll. Russland wirbt monatlich Zehntausende neue Rekruten an und hat seine Truppenstärke in der Ukraine auf fast 700.000 Soldaten verdreifacht. Die Ukraine muss zwangsmobilisieren, weil die Freiwilligen nicht mehr ausreichen. Eine Prämie für junge Männer, sich freiwillig zu melden, verpuffte quasi wirkungslos. Die ukrainische Armee ist mittlerweile zwar groß, aber sie kämpft gegen eine schier endlose Masse.
Und was macht der Westen? Man liefert Waffen, ja. Aber es ist wie ein Eimer Wasser gegen einen Waldbrand. Die Ukraine bräuchte doppelt so viele Patriot-Systeme, nur um die größten Städte notdürftig zu schützen. Stattdessen überwinden russische Drohnen und Raketen immer häufiger die Abwehr. Der Westen liefert genug, damit die Ukraine nicht sofort verliert, aber anscheinend nicht genug, damit sie gewinnen kann. Ein strategisches Meisterstück der Unentschlossenheit.
Wenn das so weitergeht? Nun, dann wird Russland seine Ziele, wie die vollständige Besetzung der Region Donezk, eben in etwas mehr als einem Jahr erreichen. Die ukrainische Wirtschaft, die nur noch durch internationale Finanzhilfen künstlich am Leben erhalten wird, wird kollabieren. Die Menschen, deren Pessimismus laut Umfragen wächst, werden das Land verlassen. Die Ukraine wird zu einem kaputten, entvölkerten Staat ausbluten, während wir uns hier bequem zurücklehnen und über die nächste Gasrechnung philosophieren. Und all diejenigen Russinnen und Russen, die diesen widerlichen Angriffskrieg unterstützen – und das sind wohl leider eine ganze Menge Menschen – werden sich in ihrem Weltbild bestätigt fühlen. Ein toller Ausblick, nicht wahr?
Quelle: Basierend auf einer Analyse von Maxim Kireev, ZEIT ONLINE, 14. Juli 2025.



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