Trumps Erleuchtung

In 50 Tagen gibt’s Ärger, aber erst mal schön langsam

Fast sechs Monate hat es gedauert, aber nun scheint bei Donald Trump der Groschen gefallen zu sein. In einer Erkenntnis, die in ihrer Geschwindigkeit fast schon atemberaubend ist für einen 79-Jährigen, hat der US-Präsident anscheinend gemerkt, dass der freundliche bombenwerfende Herrscher im Kreml, Wladimir Putin, ihn möglicherweise nicht ganz ernst nimmt. Eine wahrhaft bemerkenswerte Lernkurve.

Nachdem er monatelang auf einen „Deal“ mit seinem russischen Gegenüber gepocht und dabei die Bedenken seiner Verbündeten geflissentlich ignoriert hatte, vollzieht Trump nun eine Kehrtwende, die so scharf ist, dass einem schwindelig werden könnte. Plötzlich sollen wieder Waffen für die Ukraine geliefert werden. Waffen der Spitzenklasse, wie er betont. Damit sich das Land, das seit Jahren um seine Existenz kämpft, nun doch ein bisschen verteidigen kann. Großzügig. Besonders, da die Rechnung dafür ohnehin nicht etwa beim amerikanischen Steuerzahler landet, sondern bei den europäischen Nato-Partnern. Deutschland und andere dürfen also für die in den USA produzierten Patriot-Systeme bezahlen. Ein genialer Schachzug, den Handel eben auch dafür zu nutzen. Aber gut, in der Tat liegt die Beendigung des Krieges tatsächlich vor allem im Interesse der europäischen Länder.

Doch damit nicht genug der plötzlichen Entschlossenheit. Trump droht Russland nun sogar mit massiven Strafzöllen. Auch dessen Verbündete wie China und Indien sollen zur Kasse gebeten werden, sollten sie nicht spuren. Das klingt fast schon… präsidial. Wäre da nicht ein winziges, seltsames Detail: Das alles soll erst in 50 Tagen geschehen.

Warum diese großzügige Frist? Man weiß es nicht. Vielleicht braucht Putin einfach etwas Zeit, um sich auf die neuen, harten Töne aus Washington einzustellen. Es ist ein Vorgehen nach dem Motto: Eile mit Weile. Trump hat nun zwar verstanden, welches Spiel Putin mit ihm treibt, aber man will ja nichts überstürzen. Es ist eine Politik, die vor allem eines ausstrahlt: einen Hauch von Entschlossenheit. Man darf gespannt sein, welche Erkenntnisse die nächsten 50 Tage bringen werden und wie oft Herr Trump die Frist dann verlängern wird.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, Reuters


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