
Haben Sie sich jemals gefragt, wie der perfekte Urlaub aussieht? Schließen Sie die Augen. Nein, tun Sie es nicht, sonst verpassen Sie die perfekte Inszenierung, die uns die Werbung tagtäglich als das Nonplusultra verkauft. Es ist ein Ort, so makellos weiß, dass man befürchten muss, Schneeblindheit zu erleiden, obwohl man bei 35 Grad im Schatten schwitzt. Willkommen auf der Sandbank der Glückseligkeit, einem Ort, der so real ist wie die Vorstellung, dass man nach dem Urlaub erholter ist als davor.
Hier, auf Sand, der weißer ist als das Gewissen eines Gebrauchtwagenhändlers, stehen sie: die unbefleckten weißen Sofas. Praktisch, nicht wahr? Einmal mit der Sonnencreme gekleckert und schon hat man ein abstraktes Kunstwerk geschaffen. Darüber thronen strahlend weiße Sonnenschirme, die jegliche böse, weil natürliche, Bräune abwehren. Denn im Werbe-Himmel ist man nicht braun, man ist dezent sonnengeküsst.

Und wer bevölkert dieses sterile Paradies? Natürlich junge, makellose Menschen. Ihre Aufgabe? Lässig aussehen. Sie lachen, aber nicht zu laut. Sie unterhalten sich, aber worüber? Vermutlich über den perfekten Instagram-Filter für dieses perfekte Leben. Im Hintergrund dümpelt eine weiße Yacht – weil man ja irgendwie hierherkommen musste, ohne mit dem Pöbel in der Economy Class zu sitzen. Und für den schnellen Abstecher zum Festland? Da wartet das weiße Wasserflugzeug. Man will ja flexibel bleiben in seiner perfekt durchgestylten Spontanität. Der Himmel ist natürlich unverschämt blau, keine einzige Wolke wagt es, die Ästhetik zu stören.
Aber was isst und trinkt man an einem Ort, der so sehr nach „Nichts anfassen!“ schreit? Die Speisekarte ist, Sie ahnen es, exquisit und farblich abgestimmt.

Ganz oben auf der Liste: die unglaublich leichten und so zart schmeckenden Raffaellos. Diese kleinen Kokos-Schneebälle, die mit ihren aberwitzig vielen Kalorien direkt auf die Hüften wandern, die man in diesem Paradies natürlich nicht hat. Man isst sie nicht, man zelebriert sie. Man hält sie zwischen zwei Fingern in die Kamera und tut so, als wäre es eine vollwertige Mahlzeit.
Dazu kredenzen wir einen Batida de Coco. Warum? Weil er schön weiß ist, natürlich! Dass er einem einen Kopf wie ein Betonmischer beschert, ist ein Detail, das in der Hochglanzbroschüre dezent verschwiegen wird. Man trinkt ihn aus einem Kokosnuss-förmigen Glas, lächelt gequält in die Kamera und hofft, dass der Zucker-Schock nicht sofort einsetzt.
Sonst noch etwas? Aber sicher! Wie wäre es mit einem Glas eiskalter Kokosmilch? Oder vielleicht ein paar weiße Macarons? Hauptsache, es hinterlässt keine Flecken auf den weißen Sofas und passt farblich zur Yacht. Obst? Höchstens ein paar geschälte, weiße Lychees. Alles andere wäre ein ästhetischer Affront.
Also, lehnen Sie sich zurück, genießen Sie Ihren Aufenthalt im Werbe-Paradies und vergessen Sie nicht: Lächeln! Sie sind im Urlaub. Zumindest sieht es so aus. Und das ist doch die Hauptsache.




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