
Es gibt Erfindungen, die die Menschheit aufblühen lassen, und dann gibt es die Einzeigeruhr. Ein mechanisches Meisterwerk für all jene, die den Stress der modernen Welt noch nicht genug spüren und sich denken: „Ach, wie schön wäre es, nicht zu wissen, wie spät es ist – so ungefähr!“
Die Hersteller dieser Uhren behaupten, dass sie den Umgang mit der Zeit entschleunigen. Eine edle Absicht. Denn wer braucht schon das Gefühl der Sicherheit, wenn man sich stattdessen permanent fragen kann, ob man jetzt zu früh oder viel zu früh am Termin ist? Nichts beruhigt die Nerven schließlich so sehr wie eine unklare Zeitangabe, die einen unterschwellig dazu antreibt, das Haus eine halbe Stunde früher zu verlassen. Nur für den Fall. Schließlich will man ja nicht der Trottel sein, der zu spät kommt – aber auch nicht der, der als Erster da ist und sich fragt, warum alle anderen so entspannt erscheinen.
Die Ironie dieser Uhren ist unübersehbar. Denn was tun die meisten Menschen mit so einem Einzeigerwunder? Sie starren darauf, versuchen verzweifelt zu entschlüsseln, ob der Zeiger jetzt auf Viertel vor oder Viertel nach steht, nur um dann doch ihr Smartphone zu zücken. Man kann schließlich nie sicher genug sein, nicht wahr?
Und selbst wenn die Einzeigeruhr doch erstaunlich präzise wäre – was sie, zugegebenermaßen, bei einigen hochpreisigen Modellen durchaus sein könnte – stellt sich die Frage: Wozu noch den einen Zeiger? Denn das eigentliche Versprechen, nämlich entspannt keine Ahnung zu haben, wie spät es wirklich ist, wird ja durch die Genauigkeit vollständig zerstört.
Würde man sich also eine Uhr anschaffen, die genau zeigt, was sie nicht zeigen soll, könnte man auch gleich bei der guten alten Zwei-Zeiger-Version bleiben. Da weiß man wenigstens direkt, dass man zu spät kommt – und kann sich entspannt daran gewöhnen.
Insgesamt bleibt die Einzeigeruhr also eine Philosophie für Menschen, die Zeit als dehnbares Konzept betrachten, aber trotzdem pünktlich sein wollen. Es ist die Uhr für alle, die gerne so tun, als ob sie entspannt sind, während sie heimlich vor Aufregung fiebern, ob sie schon wieder zu früh beim Meeting erscheinen.
Aber hey – zumindest sieht sie schick aus.



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