Vielleicht wissen Sie noch, was wechselwarme Tiere sind? Das sind Tiere, die ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren können, sondern von der Außentemperatur abhängig sind. Amphibien, Reptilien, Fische und Insekten beispielsweise.
Der Frosch beispielsweise besitzt in seinem Blut eine Art Frostschutzmittel, sodass er mehrfach im Winter einfrieren und danach wieder auftauen kann, ohne dass es ihm etwas ausmacht.
Was für ein Glück, dass wir Menschen nicht wechselwarm sind. Gerade jetzt im Winter wäre es schwierig für uns. Wir bräuchten beheizbare Anoraks und Mützen, Thermohosen mit Heizdrähten darin und vielleicht sogar Bartwärmer.
Andererseits könnten wir uns in kritischen Situationen schnell einmal eine Zeitlang einfrieren lassen und dann zu anderen Zeiten wieder aufwachen und wären gut ausgeschlafen. Auch an der Kryonik bräuchte nicht weiter geforscht zu werden, also an dem Themenfeld, dass Menschen sich kurz nach ihrem Tod einfrieren lassen, um irgendwann in ferner Zukunft möglicherweise wieder aufgeweckt werden zu können, um dann mit moderner Medizin von einer schweren Krankheit geheilt zu werden.
Mit einer solch naturgegebenen Kryonik könnte man natürlich gesellschaftliche Probleme äußerst elegant prokrastinieren. Die Leute, die dringend Organe brauchen oder die Obdachlosen könnten alle mal für eine Zeit lang in einem Kälteschlaf überwintern, um dann in einer besseren Zukunft wieder aufgeweckt zu werden.
Es wäre nur die Frage, ob sie denn kommen würde, diese bessere Zukunft, ob also die menschlichen Gesellschaften sich in ethischer Weise so weiterentwickeln könnten, dass man beruhigt sagen könnte, hallo, ja, die wecken wir jetzt mit gutem Gewissen wieder auf.
Pessimisten würden im Gegenteil befürchten, dass es nicht nur bei den beiden Personengruppen bleiben dürfte, die eingefroren werden, sondern dass vielleicht alle anderen Problemfälle auf diese Weise auch prokrastiniert werden könnten.
Insofern ist es fast schon wieder gut, dass wir Menschen nicht wechselwarm sind.



