Zwischen Tradition und Veränderung

Manche Leute halten die Traditionen hoch. Andere Leute beäugen dies kritisch und äußern sich darüber despektierlich.

Dabei dürfte die rechte Betrachtung, wie so oft im Leben, irgendwo in der Mitte zu finden sein.

Traditionen geben Halt und geben dem Leben einen verlässlichen Rahmen. Weihnachten feiern, Ostern. Sommerferien. Geburtstage. Namenstage. Sonnwend. Frühling, Sommer, Herbst, Winter.

Traditionen können aber auch überinterpretiert werden und dann einengen, weil sie dann zu einem starren System von sinnentleerten Handlungen werden. Menschen, die vielleicht ängstlicher Natur sind, klammern sich gerne in besonderer Weise an Traditionen. Sie machen aus ihrer Angst dann ein System, das einengen kann. Hier wäre der Mut zur Veränderung und Weiterentwicklung gefragt.

Denn auch das sollte man nicht vergessen. Traditionen gibt es nicht seit ewigen Zeiten. Sie waren irgendwann auch einmal neu. Neu und ungewohnt und nur für die Mutigen. Drum darf und sollte man Traditionen immer wieder neu interpretieren und hinterfragen und weiterentwickeln.

Wenn man beides nämlich in eine Art Balance bekommen kann, die Tradition und die Veränderung, dann ist viel gewonnen.

Spätestens jede neue Generation interpretiert Traditionen auf ihre Weise neu. Das geht eigentlich niemals ohne Brüche ab. Dennoch können Traditionen übernommen und weiterentwickelt werden. Sie bleiben dann Traditionen, die traditionell sind und auf etwas Älteres oder Altes zurückgreifen, die aber auch etwas Neues in sich tragen. So wie zu Beginn und bei der Entstehung einer jeden Tradition.

Tradition ist im Grunde eine Veränderung, bei der man vergessen hat, dass sie einmal Veränderung war. Und Veränderung ist der neue Aufbruch, der Traditionen am Leben halten kann, weil sie dann an die aktuelle Lebenswirklichkeit adaptiert werden, damit sie nicht zu einer leeren Hülle verkommen, die sich dann irgendwann in Luft auflöst.

 


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Kommentare

4 Kommentare zu „Zwischen Tradition und Veränderung“

  1. Wir hatten neulich auch diese Diskussion, es ging um Urlaubsgrüße. Traditionell schickte man früher Ansichtskarten an ein paar Leute. Heute verschickte man Bilder über Soziale Medien, in Storys oder auch mal direkt an eine Person. Es ist ähnlich kurzlebig, mit ähnlich verkürztem Inhalt. Oft ändert sich gar nicht der Sinn einer traditionellen Handlung, sondern nur die äußere Form.
    Ganz früher hat man ja auch vor dem Weihnachtsbaum gesungen. Dann kamen Plattenspieler usw. in die Wohnstuben und man hörte auf zu singen. Trotzdem sind Weihnachtslieder weiterhin wohl bei den meisten fester Bestandteil des Heiligen Abends.

  2. Avatar von Rhiannon
    Rhiannon

    … und manchmal kommen alte Traditionen wieder zurück. Vielleicht in neuem Gewand, vielleicht in altem Kleid … aber sie kommen wieder.
    Als wären sie alte Freunde, die eigentlich nie weg waren, wenn wir das Heute betrachten und uns manchmal nach dem Gestern sehnen. Oder einfach die Zeit mit den Großeltern zurück wünschen wo wir selber noch Kind waren und mit ihnen vor dem Weihnachtsbaum standen.

  3. Ja, wenn man Traditionen nicht an die eigenen Bedürfnisse anpasst, pflegt man sich wahrscheinlich auch nicht mehr.

  4. Ja, wie bei der Mode. Mittlerweile könnte man fast schon wieder orange Sessel im Wohnzimmer haben – wie in den 70ern.

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