Manche Leute halten die Traditionen hoch. Andere Leute beäugen dies kritisch und äußern sich darüber despektierlich.
Dabei dürfte die rechte Betrachtung, wie so oft im Leben, irgendwo in der Mitte zu finden sein.
Traditionen geben Halt und geben dem Leben einen verlässlichen Rahmen. Weihnachten feiern, Ostern. Sommerferien. Geburtstage. Namenstage. Sonnwend. Frühling, Sommer, Herbst, Winter.
Traditionen können aber auch überinterpretiert werden und dann einengen, weil sie dann zu einem starren System von sinnentleerten Handlungen werden. Menschen, die vielleicht ängstlicher Natur sind, klammern sich gerne in besonderer Weise an Traditionen. Sie machen aus ihrer Angst dann ein System, das einengen kann. Hier wäre der Mut zur Veränderung und Weiterentwicklung gefragt.
Denn auch das sollte man nicht vergessen. Traditionen gibt es nicht seit ewigen Zeiten. Sie waren irgendwann auch einmal neu. Neu und ungewohnt und nur für die Mutigen. Drum darf und sollte man Traditionen immer wieder neu interpretieren und hinterfragen und weiterentwickeln.
Wenn man beides nämlich in eine Art Balance bekommen kann, die Tradition und die Veränderung, dann ist viel gewonnen.
Spätestens jede neue Generation interpretiert Traditionen auf ihre Weise neu. Das geht eigentlich niemals ohne Brüche ab. Dennoch können Traditionen übernommen und weiterentwickelt werden. Sie bleiben dann Traditionen, die traditionell sind und auf etwas Älteres oder Altes zurückgreifen, die aber auch etwas Neues in sich tragen. So wie zu Beginn und bei der Entstehung einer jeden Tradition.
Tradition ist im Grunde eine Veränderung, bei der man vergessen hat, dass sie einmal Veränderung war. Und Veränderung ist der neue Aufbruch, der Traditionen am Leben halten kann, weil sie dann an die aktuelle Lebenswirklichkeit adaptiert werden, damit sie nicht zu einer leeren Hülle verkommen, die sich dann irgendwann in Luft auflöst.



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