Fronleichnam, Sinn des Lebens?

A schene Leich, wer hat uns Wienern noch nicht einen Hang zum Morbiden nachgesagt… Stopp! Das mit Wien hat schon seine gewisse Berechtigung, aber…

…die Geschichte mit Fronleichnam läuft doch ein wenig anders. Wer ist nicht schon einmal über den merkwürdig anmutenden Ausdruck gestolpert. Und das soll vielleicht auch noch im Zusammenhang mit dem Sinn des Lebens stehen?

„Leich“ bedeutet zunächst nichts anderes als Körper oder Leib. Was hat es aber mit „Fron“ auf sich? Da schaun wir besser ein paar Sphären höher und dort, bitte schön, ist alles „im Besitz der Götter“…

Also schaffen wir unsere geplagten Körper hinauf zu den Göttern, verschachern unsere Leiber im Tausch gegen die Gunst der Himmelsherrscher, und sind fein raus – das könnte doch Sinn machen für unser Fortkommen, ein himmlisches Leben!

Bremsen wir unseren Höhenflug für ein paar Augenblicke. Die Lösung des kleinen Rätsels ist nicht mehr schwer: Es geht um einen himmlischen Leib, und da wir mit Fronleichnam christliche Gefilde betreten haben, bedeutet Fronleichnam nichts geringeres als Leib des Herrn.

„Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot, das die Väter gegessen haben; sie sind gestorben. Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.“ Johannes 6, 51-58

Noch ein Zitat, diesmal aus Wien, 22. Mai 2008: „Die Donau braucht neben einer Quelle viele Zuflüsse, Bäche, Schmelzwasser und Regentropfen, um zu einem mächtigen Strom zu werden. Jesus von Nazareth nährt uns von einer einzigen Quelle, die seit über 2000 Jahren nicht versiegt.“ (Kardinal Schönborn in der Vesper an Fronleichnam).

Diese einfache, kleine und zugleich kraftvollste aller erlebbaren Quellen, sie führt uns durch das Abendmahl zum Geist Gottes. Und das soll keinen Sinn machen, in unserem Leben?

Dieser Feiertag, meinen Quellen zufolge (Te Deum) anno 1277 in Köln ins Leben gerufen, ist dem Sinn nach eine Einladung, die einmal im Jahr unter grösstmöglicher Öffentlichkeit ausgesprochen wird.

„An Fronleichnam wird „das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, Jesus im Sakrament, in der Hostie, in der einfachen Gestalt des Brotes, durch unsere Straßen getragen. Als Einladung, zu kommen und sich „gesund zu essen“ am Brot des Lebens“, meint Kardinal Schönborn.

Ich habe einigermassen lange gebraucht, um mich mit diesem Fest „anzufreunden“. Mittlerweile sehe ich es als eine der wohl ersten „institutionalisierten“ Werbekampagnen der Kirche. Und selber finde ich es auch nicht verkehrt, zumindest einmal im Jahr den Gottesdienst auf die Strasse zu verlagern und dem anderen Teil der Gemeinde zu zeigen, was sie versäumen…

Bild: Stefan Kroski


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Kommentare

6 Kommentare zu „Fronleichnam, Sinn des Lebens?“

  1. hallo stefan,
    danke für die aufklärung.
    als nichtkatholischer christ fehlte mir gestern am feiertag die erklärung dazu, und auch kollegen wussten nix mit dem „leichnam“ anzufangen. bei wikipedia noch mal nachgeschaut: von althochdeutsch „fron“ (Herr), „liknam“ (Leib), also: der Leib des Herren, der Herrenleib – das erklärt erstmal, dass es nix mit tod, grab und verwesung zu tun hat:-)
    trotzdem bleibt bei mir als ungeübter solcher blumenteppichfeiertage die frage nach dem zusammenhang mit der bibel und wieso man aus dem andenken an christi leib, abendmahl, von ihm nähren – einen extra feiertag gemacht hat.
    bei ostern (kreuzigung), himmelfahrt (selbsterklärend) und pfingsten (ausgiessung des hg) kann ich gut nachvollziehen, dass man sich jährlich daran erinnern wollte = feiertag.
    aber abendmahl (gedenken an das dahingeben seines leibes, im alltag von ihm nähren), das kann und soll ich mehr als einmal jährlich. wieso da ein extra feiertag?
    und die blumenteppiche kriege ich dann immer noch nicht unter…:-)
    liebe grüsse, andy55

  2. Ganz klar, da wird niemand widersprechen, andenken und Eucharistiefeiern können wir eigentlich nicht oft genug.

    Dieser Feiertag, meinen Quellen zufolge (TeDeum) 1277 in Köln ins Leben gerufen, ist dem Sinn nach eine Einladung, die einmal im Jahr unter grösstmöglicher Öffentlichkeit ausgesprochen wird.

    „An Fronleichnam wird „das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist“, Jesus im Sakrament, in der Hostie, in der einfachen Gestalt des Brotes, durch unsere Straßen getragen. Als Einladung, zu kommen und sich „gesund zu essen“ am Brot des Lebens“, meint Kardinal Schönborn.

    Ich habe einigermassen lange gebraucht, um mich mit diesem Fest „anzufreunden“. Mittlerweile sehe ich es als eine der wohl ersten „institutionalisierten“ Werbekampagnen der Kirche. Und selber finde ich es auch nicht verkehrt, zumindest einmal im Jahr den Gottesdienst auf die Strasse zu verlagern und dem anderen Teil der Gemeinde zu zeigen, was sie versäumen…

  3. Die letzten beiden Kommentare würde ich als
    Comment Spam einstufen.

  4. @useibert
    Wie kommst du denn darauf ???

    „andy55“ kennen wir, und die Antwort stammt von mir, ich denke, das sind klare Hinweise, oder ?!

  5. Hallo kroski,

    SORRY ! Ich hatte die beiden Kommentare, die useibert meinte, gelöscht !!

    Er meinte NICHT Eure !!

    😉

  6. Danke für die Klarstellung. Vorher standen da zwei Kommentare mit dem Wortlaut „Somehow I missed the point, but nice post anyway“. Das ist en ganz typischer Hinweis, dass es dem Autor – falls es überhaupt ein menschlicher Autor ist – nur darum geht, einen Link zu hinterlassen, damit er häufiger von Suchmaschinen gefunden wird.

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