Nachdem am Mittwochabend die ersten Castings von „Deutschland sucht den Superstar“, kurz DSDS, ausgestrahlt wurden, gab es wieder jede Menge Gesprächsstoff um Kandidaten, die Jury, aber vor allem – wie immer – um die Sprüche von Jury-Dino Dieter Bohlen. Kritik an Bohlen kam nun von einem prominenten Branchenkollegen, nämlich Kammersänger Tony Marschall: Der haderte laut der Neuen Presse Hannover, dass Bohlens Sprüche „nichts mehr mit [der] Würde“ des Menschen gemäß des Grundgesetzes zu tun hätten. Es stellt sich nun für jeden Christen und jeden vernünftigen Menschen die Frage: Ist es verantwortlich und christlich sich DSDS zu gönnen?
Ganz ehrlich: Wer schmunzelt nicht, wenn unsere Mitbürger mit Superstar-Ambitionen sich vor die gefürchtete Jury trauen und etwas zum Besten geben, obwohl sie weder einen Ton treffen, noch Stimme haben, geschweige denn Tanzen können? Es vermag einen schon amüsieren zu sehen, wie Menschen, die total davon überzeugt sind, unentdeckte Talente zu sein, ja deren Sprung auf die großen Bühnen längst überfällig war, sich blamieren und einen Rüffel nach dem anderen kassieren.
Es geht aber um mehr als Blamage oder die Tatsache, dass einige Kandidaten nicht das nötige Zeug zum Superstar mitbringen. Es geht vor alle um Dreierlei:
1) Bevor die Gesangshelden vor die Jury um Bohlen und Co. treten dürfen, wird schon einmal vorher ausgesiebt. Das legt den Verdacht nahe, dass man absichtlich Kandidaten zu Bohlen und vor die Kameras von RTL lässt, die nicht singen können und garantiert für Witze und Sprüche seitens der Jury hinhalten. Man lässt die „untalentierten“ Kandidaten so im Glauben, dass sie, wenn sie erstmal vor die Kameras und vor Bohlen und Co. treten dürfen, konsequenterweise Talent haben müssen und nun auch alles geben.
2) Das Verhalten solcher Kandidaten, denen man soeben seitens der Jury zu verstehen gegeben hat, dass man sie nie mehr wieder singen hören möchte, gleicht oftmals einem Betteln und Niederwerfen vor den Jurymitgliedern, um doch noch weiterzukommen. Da stehen die Kandidaten da und weinen oder flehen noch eine Chance zu bekommen. Schlimmer noch: Für viele bricht vor laufender Kamera eine ganze Welt zusammen. In nachträglichen Interviews geben die gerade eben gescheiterten zu Protokoll, dass sie nicht wüssten, wie ihr Leben weiter gehen soll bzw. welchen Sinn es noch habe. Hier stellt sich doch zurecht die Frage: Was für ein Lebensfundament haben solche Menschen, für die das Scheitern in einem Gesangscasting der Untergang der Welt bedeutet? Vertrauen zu Prinzipien wie die Einzigartigkeit meiner selbst (vor Gott) oder was wirklich im Leben zählt, werden hier von dem Verlangen nach Bekanntheit und Ruhm erstickt. Nicht selten machen einige solcher Kandidaten in all den Staffeln von DSDS den Eindruck „Außenseiter“ mit gesellschaftlichen Integrationsproblemen zu sein. Doch nicht mit medialem Ruhm, sondern der Selbsterkenntnis seiner selbst als Gegenüber eines liebenden Gottes erkennt man seinen eigenen Wert und seine Bedeutung. Die eigene Würde spielt kaum noch eine Rolle. Für das Ziel, wenigstens ein paar Wochen Deutschlands Superstar zu sein, knien viele vor der Jury oder heulen und flehen.
3) So sehr einige der Sprüche auch „witzig“ oder „knallhart“ rüberkommen mögen, muss man sich als vernünftiger Mensch und gerade als Christ fragen, ob es gemäß der Liebesbotschaft Jesu Christi, des Evangeliums und der von Gott gegeben Vernunft und Erkenntnis für das Richtige moralisch richtig ist, sich anzusehen, wie Menschen – verblendet von falschen Werten und Zielen – seelisch zusammenbrechen und gedemütigt werden. Ist es „okay“ zuzuschauen, wenn sich die Medien Menschen aussuchen und vor die Kameras treten lassen, einzig mit dem Ziel, sich auf ihre Kosten vor Millionen lustig zu machen, ja sie fertig zu machen ? „Aber die sind doch selber schuld, die gehen dort doch freiwillig hin!“, wird sich nun mancher sagen. Dennoch gilt in einer Gesellschaft von Verantwortung und christlicher Nächstenliebe, Menschen vor sich selbst und dem ihn drohenden Unheil zu schützen, wenn sie nicht selbst in der Lage sind zu erkennen, wohin sie sich verlaufen.
Ginge es bei der Produktion von DSDS um Qualität, würde man Kandidaten vor die Jury treten lassen, die wenigstens den Hauch einer Chance auf das Weiterkommen haben. Stattdessen lässt man in den nicht ausgestrahlten Vorcastings bewusst solche durch, die sich wenige Stunden später zum Kasper der Nation machen werden. Würde DSDS aber nur noch auf Qualität der Kandidaten setzen, würden vermutlich viele nicht mehr einschalten. Und hier sind wir am entscheidenden Punkt. Wie schon zu allen Zeiten, kommen die Menschen in die „Arenen“ der Menschenverachtung, um sich des Anderen Schmach genüsslich reinzuziehen. Lenkt sie doch von der eigenen Unzufriedenheit kurz ab. Andere stehen im Ring und ich kann entspannt zusehen. Die Zuschauer entscheiden also, ob die Zur-Schau-Stellung weitergeht. Das gilt jedoch nicht nur für DSDS, sondern für vieles im deutschen Fernsehen.
Bild:Bertram Fohrn,pixelio.de



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